Begrüßungsgeld: Der Lederrock

"Ich hab mir schon immer gern Kleidung gekauft"
Begrüßungsgeld: Der Lederrock

Sophie Kirchner

Und beim Bummeln sah Waltraud Halusa, 83, dann diesen Rock

Ich stand ganz schön lange in der Schlange für das Geld. Und dann bin ich ein wenig herumgeschlendert. Ich habe mir schon immer gern Kleidung gekauft und dann diesen Rock gesehen. Ich erinnere mich, er war recht günstig. Solch ein Rock hätte im Osten 400 Mark gekostet.

Sophie Kirchner

Sophie Kirchner, ­geboren in Ostberlin, war fünf Jahre alt, ­als die Mauer fiel. Die ­Erwachsenen um sie herum, sagt sie, seien damals so glücklich, so euphorisch gewesen – ­das habe ihr Angst gemacht. Seit 2014 ist das Begrüßungsgeld ihr Thema, sie fotografiert Ostdeutsche und deren Käufe – und fragt danach, was sie ­erlebt haben.
Sophie Kirchner

Man muss schon sagen, dass sich vieles zum Positiven gewandelt hat, finanziell gesehen. Aber ich musste leider mit 55 Jahren aufhören zu arbeiten, dadurch fehlen mir Rentenpunkte. Ich habe in der Kohle gearbeitet, und unser Betrieb wurde nach der Wende geschlossen. Damals haben 6000 Menschen ihre Arbeit verloren. In der Hinsicht war die Wende ein Nachteil. Mir ging es zu DDR-Zeiten als Ingenieurin aber auch nicht schlecht, muss ich sagen.

Was würden Sie sich heute kaufen, wenn Ihnen der Staat 100 Euro schenken würde?

Ich würde das Geld wahrscheinlich für eine Reise mitverwenden. Ich reise so gerne.

Leseempfehlung

Wie hat Sophie Kirchner ihre Gesprächspartner gefunden? Wie geht es weiter? Sophie Kirchner erzählt
Hundert Mark Begrüßungsgeld, das bekamen Bürger und Bürgerinnen der DDR, wenn sie in die Bundesrepublik einreisten. 1989 kamen viele. Was haben sie sich davon gekauft? Wie war das damals – und wie ist es heute?

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.