Vom Gotteslob Halleluja. Und von der Kehle und Seele

Jodeln für Gott
Jodeln für Gott

Stiftung Bibel + Orient

Trällernde Frau und klatschende Kinder bei einer Siegesfeier für Assurbanipal. Detail eines Palastreliefs aus Ninive, 7. Jh. v. Chr., heute im British Museum London

"Lobe JHWH, meine Kehle! Halleluja!", heißt es wörtlich übersetzt in Psalm 104,35. Das passt zum orientalischen Jubelruf.

Wie sieht ein Halleluja aus, und wie hört es sich an? Das hebräische Verb "hallel" ist laut­malerisch, ähnlich wie das deutsche Wort ­"jodeln". Es imitiert klanglich die ­trällernde Stimme, die beim Ausstoßen eines sehr hohen Tones an die Kehle schlägt. So begrüßen die Frauen im Orient heute noch die Braut und den Bräutigam beim Eintritt in den Festsaal – und im alten Orient auch Gottheiten und Könige, wenn 
sie bei Prozessionen erschienen. ­"Hallelu" ist die Befehlsform im Plural und "Ja" die Abkürzung für den Gottes-
namen Jahwe. Es ist die Aufforderung "trällert" oder "jodelt für Jahwe."

Thomas Staubli

Thomas Staubli, 56, erforscht 
biblische Bild­symbolik an der Universität Fribourg.
Sophie StiegerThomas Staubli, Mitbegründung, Aufbau und Leitung des BIBEL+ORIENT Museums der Universität Fribourg

Die Kehle hat mit allem Wichtigen, was den Menschen ausmacht, zu tun: mit Atem, Sprache, Hunger und Durst. An den meisten Stellen der Bibel bedeutet das Wort "Kehle" (Hebräisch: "nefesch") zugleich auch Seele, also das, was nach Luft, Kommunika­tion, Brot und Wasser, kurz, nach ­Leben lechzt. Entsprechend übersetzte ­Martin Luther auch diesen Vers: "Lobe den Herrn, meine Seele!"

Bibelzitat

Lobe den Herrn, meine Seele! Halleluja!

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