Politische Jugendarbeit: Hoffnung statt Hass im Netz

Lieber witzig 
als wütend
Lieber witzig 
als wütend

Adobe Stock

Hass im Netz - mit Humor und positiven Botschaften dagegen angehen.

"Unlike"-Symbol auf Tastatur

Hasskommentare sind Alltag in sozialen Medien. Entsprechend häufig müssen auch Jugendliche darauf reagieren. Nur wie? Ein Workshop der Evangelischen Akademie Thüringen gibt Tipps.
Deutschland spricht 2019

chrismon: Ich lese auf Youtube: "Muslime werden ständig angehalten, sich zügellos zu vermehren". Was sollte ich nicht tun?

Annika Schreiter: Es ist eine schlechte Idee, sich auf dasselbe Niveau zu begeben, also zurückzupöbeln oder schadenfroh zu sein. Zum Beispiel bei Rechtschreibfehlern. Besser­wisserei und Diffamierung helfen nicht weiter.

Was wäre eine kluge Reaktion?

Viele Jugendliche haben mir erzählt, dass sie Hasskommentare ignorieren. Das ist für den Selbstschutz gut, ändert aber nichts am Diskus­sionsklima. Eine andere Möglichkeit ist, argumentativ dagegenzuhalten – counterspeech.

Viele Menschen machen die Erfahrung, dass das überhaupt nicht hilft...

Ein Gegenargument mit seriöser Quelle ist 
gut bei falschen Informationen. Bei mir in der Gegend ging das Gerücht um, dass Geflüchtete in einem Supermarkt gratis Lebensmittel er­halten. Der Supermarkt musste das dementieren. Ich habe das Schild fotografiert und in Diskussionen gepostet. Danach war es ruhig.

Annika Schreiter

Annika Schreiter ist Studien­leiterin für politische Jugend­bildung in der Evangelischen Akademie Thüringen.
privat

Und wenn das nicht hilft?

Dann kann man humorvoll oder kreativ rea­gieren – mit Bildern, Memes und Gifs.

Wie sieht denn so ein "Meme" aus?

Es gibt zum Beispiel ein Gemälde der Berg­predigt. Jemand lässt Jesus darauf in einer Sprechblase sagen: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!" Einer der Zuhörer fragt: "Und wenn er Flüchtling ist oder schwul?" Jesus ­antwortet: "Hast du was an den Ohren?"

Für das Seminar kündigen Sie einen spezifisch christlichen Ansatz an.

Als Christen haben wir eine positive Botschaft, die wir verbreiten können: die Liebe Gottes. Das sollten wir nicht nur als Reaktion auf Hass tun.

Leseempfehlung

Auch Christen verbreiten Stammtischthesen in ­sozialen Medien. Nur dagegenhalten ist nicht genug

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.