Fragen an das Leben: Daniel Günther über Schuldgefühle und Zufriedenheit

Wettbewerb ist doch was Positives!
Fragen an das Leben - Daniel Günther

Dirk von Nayhauß

Daniel Günther, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein

Fragen an das Leben - Daniel Günther

Im Handball etwa. Oder in der politischen Debatte. Aber es darf nie herabwürdigend sein, sagt Daniel Günther, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein

In welchen Momenten fühlen Sie sich lebendig?

Wenn mir das Leben richtig Spaß macht, wenn ich den perfekten Ausgleich habe. Mein Alltag ist extrem durchstrukturiert und mit Terminen vollgepackt. Der Ausgleich sind die Tage, die ganz frei sind, an denen ich nach Lust und Laune laufen kann, meine Lieblingsstrecke sind zehn Kilometer. Oder wenn ich einfach entscheiden kann: Jetzt will ich mit meiner Familie auf den Spielplatz.

Haben Sie eine Vorstellung von Gott?

Ich glaube, dass er auf das guckt, was wir hier machen. Mein Glaube ist mit einem sehr positiven Gefühl ver­bunden. Ich will mir keine genaue Vorstellung davon 
machen, wie Gott wirklich ist, da käme ich nur ins ­
Grübeln und das nähme mir dieses Überirdische – und die Hoffnung. Vieles ist einfach nicht fassbar. Ich bete ­mehrmals am Tag, auch zum Essen. Nicht in der ­Öffentlichkeit, ich finde es angenehmer, wenn man seinen Glauben nicht wie eine Monstranz vor sich herträgt. Ein Abendgebet gehört für mich zum Einschlafen dazu. ­Da lasse ich den Tag ­Revue passieren und bedanke mich für vieles, was passiert ist.

"Was Gott ausmacht: Das Leben ist mit dem, was wir hier auf der Erde haben, nicht beendet."

Wie gehen Sie mit Schuldgefühlen um?

Habe ich wirklich etwas falsch gemacht, fällt es mir leicht, das zu sagen. Wie die meisten brauche ich aber Zeit, bis ich erkenne, dass ich nicht richtig gehandelt habe.
 

Muss man den Tod fürchten?

Ich war 17, als meine Mutter an Leukämie starb. Das hat mich stark geprägt. Jeder Mensch hat zu seiner Mutter ein besonderes Verhältnis. Sie fehlte mir als Ansprech­partner, den man in dieser Lebensphase einfach braucht. Das war eine Prüfung, aber selbst das hat meine feste Über­zeugung, dass es Gott gibt, und diese Nähe, die ich zu Gott verspüre, nie ins Wanken gebracht. Im Gegenteil. Die Zuversicht, dass das Leben nach dem Tod nicht endet, hat mir immer sehr viel Kraft gegeben. Es ist letztlich das, was Gott ausmacht: Das Leben ist mit dem, was wir hier auf der Erde haben, nicht beendet.

Daniel Günther

Daniel Günther, 1973 geboren, studierte Politikwissenschaft, Volkswirtschaftslehre und Psychologie. Er führt als Ministerpräsident eine Jamaika-Koalition (CDU, Grüne, FDP) an, 2017 hatte er überraschend in Schleswig-Holstein die Wahl für die CDU entschieden. Der Katholik gilt als möglicher Nachfolger von Angela Merkel im Kanzleramt. Daniel Günther ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Eckernförde.
Dirk von NayhaußDaniel Günther

Dirk von Nayhauß

Dirk von Nayhauß absolvierte die Journalistenschule Axel Springer und studierte Psychologie in Berlin (Diplom 1994). Heute arbeitet er als Journalist, Buchautor und Fotograf (vertreten durch die renommierte Fotoagentur Focus) in Berlin. Für chrismon macht er sowohl die Interviews als auch die Fotos der Rubrik "Fragen an das Leben".
Dirk von Nayhauß

Welche Liebe macht Sie glücklich?

Wenn die eigene Tochter zu einem sagt: "Ich habe dich lieb" – gibt es etwas Schöneres im Leben? Das ist das Höchste der Gefühle. Ich glaube, nur wer selbst Kinder hat, kann nachvollziehen, wie es ist, wenn die Tochter vor einem steht und das erste Mal herzzerreißend weint, weil man nicht das macht, was sie will. Mir fällt nichts ein, was mich persönlich mehr berührt.

"Ich habe alles, was ich brauche."

Wie weit darf man gehen in der Auseinandersetzung?

Ich habe viele Jahre Handball gespielt, da gewinnt man nicht, wenn man höflich und nett ist, sondern man ­gewinnt, indem man Lücken nutzt und für den Erfolg kämpft. Kampf und Auseinandersetzung, auch mal mit Ellbogen, davor sollte man niemanden schützen. Sich miteinander zu messen ist doch was Positives! In der ­politischen Debatte darf es aber nie verletzend und ­herab­würdigend sein, das ist die Grenze. Früher, im Stadtrat von Eckernförde, habe ich die harten Auseinander­setzungen gesucht. Das hat weder meine Beliebtheits­werte erhöht noch war es der Sache angemessen. Ich glaube, ich habe mich in der Art und Weise, wie ich ­Politik mache, immerhin weiterentwickelt. Ist doch gut, wenn man dazulernt.
 

Welchen Traum möchten Sie sich unbedingt erfüllen?

Ich bin am Hier und Heute orientiert, ich träume nicht so viel. Ich habe ein glückliches Leben, eine wunderbare ­Familie, alles, was ich brauche, ich will nicht mehr. Ich muss nicht wahnsinnig viel Geld verdienen, das würde mir überhaupt nichts bedeuten. Ich lebe ja bereits im ­Luxus, im Verhältnis zu vielen anderen Menschen. Ab und zu hätte ich gern mehr Freizeit, aber ich möchte mich nicht beschweren.

Leseempfehlung

Ursula Ott wundert sich über Politikerinnen, die sich kleinkariert ins Familienleben ihrer Kollegen einmischen
Wilhelm Otto Klaus Schultze ist 23 Jahre alt und will Bürgermeister von Hofheim werden. Kann er das schaffen?

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.

Lesermeinungen

Sehr geehrte Damen und Herren,
vielen Dank für das Magazin, deren Inhalte lesenswert, interessant und viele
Beiträge nachdenklich stimmen.
Besonders gefreut hat mich in der aktuellen Ausgabe, dass Sie endlich in der
Reihe "Fragen an das Leben" jemanden aus dem "öffentlichen Leben"
gefunden haben, der sich eindeutig und ohne blumige Umschreibungen und
Fiktionen zu Gott und Glauben geäußert hat und sogar zugibt zu beten (!)
Ein in der zunehmenden säkularen deutschen Umwelt eine immer seltene
Aussage.
Ich würde mir wünschen, künftig mehr Personen zu interviewen, die sich
in Religionsfragen eindeutig positiv und gleichzeitig weltoffen positionieren.