Die Bibel, Heilige Schrift und Gottes Wort

Wort, Schrift, Buch, 
was ist die Bibel eigentlich?
Religion für Einsteiger - Was ist die Bibel eigentlich?

Lisa Rienermann

Religion für Einsteiger - Was ist die Bibel eigentlich?

Ein Buch, wie jedes andere auch. Aber doch eines voller Weisheiten. Und eines, das Menschen verändern kann.

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Der Goldschnitt ist ergraut, das Papier spröde, und die Frakturschrift kann kaum noch jemand flüssig lesen. Doch die Familienbibel bleibt im Regal und staubt ein. In mancher steht vorn der Hochzeitsspruch der Urgroßeltern. Von anderen wird erzählt, der Opa habe sie in der Brusttasche getragen, als eine Pistolenkugel in ihr stecken blieb. Diese Bibel ist dann aber meist schon verschollen.

Bibeln sind Bücher wie andere auch, von Menschen geschrieben. Man soll sie lesen und nicht für Glücksbringer halten. Zerfällt eine viel gelesene Bibel, wirft man sie weg und kauft eine neue. Und doch gilt die Bibel im Gottesdienst und in der persönlichen Andacht als Heilige Schrift. Gläubige spüren Gottes Wort nach und lassen sich von ihm verändern.

Mit dem göttlichen Wort in Berührung kommen

"Im Anfang war das Wort", sagt das Johannesevangelium. Der Ge­danke dahinter: Jeder Mensch wird 
in eine Welt geboren, in der alles Wichtige bereits einen Begriff hat. Gott habe die Welt durch sein Wort geschaffen, sagt die Bibel. "Wort" ­(logos) kann im Griechischen auch "Vernunft" bedeuten. Vernunft basiert auf Sprache. Manches ist nur denkbar, weil es Worte dafür gibt: der Vertrag, den die Händlerin schließt; das Gesetz, das der Bürger beachten soll. Auch Fragen wie: Woher ­kommen wir? Wie leben wir richtig?

Wer etwas Wahres in Worte fasst, komme mit dem göttlichen Wort in Berührung, glaubte man in der Zeit, als die Bibel entstand. Heute reicht der Hinweis, das Gesagte sei wahr und authentisch. Zum Beispiel bei den Propheten im alten Israel. Sie hatten (ähnlich wie Klimaforscher heute) vor einer Katastrophe gewarnt, wenn die Menschen ihr Verhalten nicht ­ändern. Es kam, wie sie sagten: 722 vor Christus wurde der Kleinstaat Israel zerstört, 586 vor Chris­tus auch das Nachbarland Juda. Erst die Nachgeborenen sahen ein: Es wäre besser gewesen, man hätte frühzeitig auf die Warner gehört. Sie hielten diese Einsicht für spätere Generationen in den Prophetenbüchern fest.

Der Pries­ter hält die Bibel in die Höhe und liest daraus vor

Auch in alten Mythen erkannten die Menschen göttliche Weisheit: in Erzählungen von der Vertreibung aus 
dem Paradies, vom ersten Brudermord, von menschlicher Hybris, von Glaubensmut, von Geschwisterstreit und vom mühsamen Weg aus der Sklaverei in die Freiheit, die auch anstrengend sein kann. Anderes wiederum – alte Gesetzestexte, Königs­annalen, Lehrweisheiten, Orakel­sprüche und Tempelgesänge – hielt man damals allein wegen seines ­hohen Alters und wegen der Autorität der Verfasser für göttliche Weisheit. Da würde man heute strengere Maßstäbe anlegen. Dennoch: Auch diese Texte prägen unsere Geistesgeschichte.

Die Schriftensammlung bekam den lateinischen Namen "Biblia" (auf Deutsch: "Bücher"). Man schrieb sie ab, 
versah sie mit goldenen Umschlägen, der Pries­ter küsste sie vor der Ge­meinde, hielt sie in die Höhe und las daraus vor. So wurde sie zur "Heiligen Schrift". Die Texte stammen aus einer fernen Zeit und sind oft schwer zu verstehen. Meist hilft es, wenn ein Gelehrter, ein guter Prediger, die tiefen Einsichten der Bibel zutage fördert.

"Wir sahen seine Herrlichkeit"

Von Jesus von Nazareth berichten Zeitzeugen, er habe das Göttliche zum Vorschein gebracht: Seine Worte ­hätten Menschen geheilt und aufgerichtet. Sie hätten ihnen die Augen für ihr verdrehtes Leben geöffnet und für ein neues, wahrhaftiges Leben. Sein ganzes Leben habe seine wahrhaft königliche Herkunft offenbart, seine Messianität – selbst wenn ihm bestimmt war, erbärmlich zu sterben. 
"Wir sahen seine Herrlichkeit", schwärmt der Evangelist Johannes, "eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade 
und Wahrheit." In ihm habe das Wort, das im Anfang bei Gott war, menschliche Gestalt angenommen.

Das Neue Testament besteht aus Briefen und Erzählungen derer, die noch unter dem Eindruck Jesu standen. Und auch wenn sie "das Ebenbild des unsichtbaren Gottes" (Kolosser 1,15) nur unzulänglich nachzeichnen, so haben ihre Berichte doch viele Nachgeborene angestiftet, ihm nachzu­folgen, ihren Wohlstand aufzugeben, Menschen in Not zu helfen, Feinden zu vergeben und nach guten Wegen des Miteinanders und des Friedens zu suchen.

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Lesermeinungen

Hallo,
sie schreiben: "Die Texte stammen aus einer fernen Zeit und sind oft schwer zu verstehen. Meist hilft es, wenn ein Gelehrter, ein guter Prediger, die tiefen Einsichten der Bibel zutage fördert..."
Erlaubt sei mir der Hinweis, dass ich in der "Gute Nachricht Bibel" verständlich lesen kann. Die Sprache verstehe ich. Da kann ich Etwas mit anfangen.
VG Bernhard Gast

Sehr geehrter Herr Brummer,
jede Nummer lese ich aufmerksam. Der Beitrag Wort, Schrift, Buch ist gut. Nach meinem Bibelverständnis ist Herrn Weitz aber ein kleiner Fehler unterlaufen. Eine zerfallene zerlesene Bibel einfach wegzuwerfen geht nicht. Verbrennen geht noch, aber einfach im Müll entsorgen ist ein schlechter Rat.
Ich erhalte regelmäßig Blätter eines jüdischen Katechismus. Da steht ausdrücklich vermerkt:
"Du liest heilige Texte, bitte nicht mit anderem Müll wegwerfen."
In den Synagogen gibt es eigene Räume, wo die alten Bücher verwahrt werden bis sie von selbst zerfallen oder wie schon passiert als sehr wertvoll entdeckt werden.
Eine zerfallene Familienbibel weckt Familienerinnerungen, die für die persönliche Identitätsfindung nicht unwichtig sein können.
Mit freundl. Gruß
Peter Duell