Wie der Borkenkäfer dem Wald zu schaffen macht

Zwischen Baum und Borke
Zwischen Baum und Borke

Anne Schwalbe

"Wahrscheinlich wird der Wald der Zukunft wieder stärker von der Natur gestaltet werden als vom Menschen", sagt Daniel Prinz von Sachsen Herzog zu Sachsen

Zwischen Baum und Borke

Da sitzt der Borkenkäfer und frisst. Und frisst. Und die Holzpreise fallen. Schlimm, sagt der Waldbesitzer.
Deutschland spricht 2019

Aus einem Borkenkäferpaar werden in einem Jahr bis zu 60 000 Tiere. Das ist, was gerade in unseren Wäldern passiert. Wenn der Immunkreislauf eines Baumes geschwächt ist – das kann durch die Stürme sein, die wir ­hatten, durch Schneebruch oder durch ­Trockenheit –, wird er von einem Borkenkäfer angeflogen und dient als Brutraum. Irgendwann ist die Population so groß, dass nicht mehr 1000 Käfer einen Baum anfliegen, sondern 10 000. Damit sind im Prinzip alle Bäume gefährdet, ob sie Trockenstress hatten oder nicht. Wenn diese Masse kommt – wir sind inzwischen bei ­Milliarden Käfern im Wald – 
haben die Bäume keine Chance zu überleben. Es betrifft in erster Linie die Fichte, die eigentlich auch gar nicht hierhergehört. Aber genauso werden heimische Lärchen und ­Kiefern befallen.

Daniel Prinz von Sachsen Herzog zu Sachsen

Daniel Prinz von Sachsen Herzog 
zu Sachsen, geboren 1975, ­leitet 
die Wettinische Forstverwaltung, 
einen Familienbetrieb. Er bewirtschaftet über 1000 Hektar Wald zwischen ­Radebeul und Friedewald.
dpa/picture-allianceDaniel Prinz von Sachsen Herzog zu Sachsen

Ich kann zwar nach Bohrmehl schauen oder nach dem Specht. Wenn der an einem Baum sitzt, weiß ich, der holt sich gerade Larven raus. Aber in der Regel ist es so, dass die befallenen Bäume, die wir erkennen können, weil sie kahl werden, bereits fast tot sind. Die Käfer sind dann ausgeflogen und im 
nächsten Baum. Der kann zwei Meter entfernt stehen oder bis zu dreißig.

Einen betroffenen Baum kann man nur noch fällen und schnell aus dem Wald rausholen, damit der Käfer ­seinen Entwicklungszyklus nicht vollenden kann. Wir kommen da gar nicht hinterher. Würde man präventiv ar­beiten, müsste man übergroße Löcher in den Wald schlagen. Das würde ihn aber für Stürme angreifbar machen – und wieder für Schädlinge. Wir be­treiben nur Schadensbegrenzung. 4500 Festmeter im Jahr dürften wir aus dem Wald herausholen, damit er nachhaltig bewirtschaftet ist. Nun holen wir die vierfache Menge heraus – und das schon das zweite Jahr in Folge.

 Buche - Sie ist in ganz Mitteleuropa heimisch und kann rund 300 Jahre alt werden. Ihr Erntealter im Wirtschaftswald: 120 bis 140 Jahre. Waldboden ist übrigens ein super Filter - heraus kommt sauberes Grundwasser

Weil sich der Borkenkäfer nur ­zwischen Rinde und Holz bewegt, schadet das dem Holz an sich nicht. Aber die Industrie halbiert trotzdem den Preis mit dem Argument, dass es "Käferholz" sei. Zwischen den Arten wird preislich kaum noch differenziert, die Kiefer kostet fast so viel wie Lärche und Fichte. Und in unserem Wald liegt noch Holz, das wir im Früh-jahr 2018 verkauft haben und das noch immer nicht abgeholt wurde.

Die Natur kann den Wald besser gestalten als wir

Das alles führt dazu, dass sich das Waldbild gerade ziemlich verändert. Wir versuchen langfristig, mit Laubbaumarten gegenzusteuern, aber das hat bisher nicht funktioniert. Was wir gepflanzt haben, ist großteils vertrocknet. Wir hatten vor allem auf die trockenresistente Traubeneiche gesetzt, aber die wird gerade vom Schwammspinner ordentlich angefressen. Da kommt also schon der nächste Kamerad.

Wahrscheinlich wird der Wald 
der Zukunft wieder stärker von der Natur gestaltet werden als vom ­Menschen. Wir werden einsehen müssen, dass die Natur das besser kann als wir. Dann gibt es eben nicht mehr diese produktiven Wälder – also produktiv für den Menschen –, aber für den Naturhaushalt ist es wahrscheinlich besser. Aufgeben ist trotzdem keine Op­tion, ich mache weiter, weil ich auch die Hoffnung nicht aufgeben will. Das ist für mich ja nicht nur ein Beruf, sondern meine Berufung.

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