Mail aus Jerusalem: Annäherung

Europäischer Blick aufs Heilige Land
Posteingang - Jerusalem, Europäischer Blick aufs Heilige Land

Yonatan Sindel/Flash90/Agentur Focus

Passanten am Damaskustor in der Altstadt von Jerusalem

Passanten am Damaskustor in der Altstadt von Jerusalem

Als Theologie-Student in Israel. Vieles bleibt rätselhaft
Deutschland spricht 2019

Neulich hörte ich an der Universität einen Vortrag von David Neuhaus, einem jesuitischen Priester und gebürtigen Juden. Er sprach über den christlich-jüdischen Dialog im Heiligen Land. In der anschließenden Diskussion ging es um den Israel-
Palästina-Konflikt. Ich sagte, es scheine, als sei die israelische Politik gar nicht an einer Lösung interessiert. "Das ist sehr europäisch gedacht!", erwiderte Neuhaus. Man müsse erst einmal versuchen, überhaupt in diesem Wirrwarr zu überleben, so gut es geht. Nur mit kleinen Schritten könne man gesellschaftliche Ver­änderungen anstoßen.

Jonas Trodler

Theologiestudent Jonas Trodler macht ein Studienjahr in in Jerusalem.
PrivatJonas Trodler

Ich studiere seit einigen Monaten an der Hebräischen Universität Jerusalem. Mich fasziniert in dieser Stadt so vieles: der helle Jerusalemstein, aus dem alle Häuser gebaut sind. 
Die wiederbelebte biblische ­Sprache. Der ost-westliche Kulturmix ­zwischen Falafel und Burger-Bar. Ich ­spüre 
auch das Klima der Angst. ­Sicherheit, ­Kontrollen, Abschottung – der Israel-
Palästina-Konflikt ist für mich allgegenwärtig. Doch in den Ge­sprächen, die ich mit den Einheimischen führe, 
wirkt es eher so, als wollten sie ihn ignorieren. Viele Juden und Araber 
leben aneinander vorbei, sie begeg­nen sich bes­tenfalls mal auf ihren ­Arbeitsstellen oder beim Einkaufen. Sie sprechen auch nicht dieselbe ­Sprache.

In Jerusalem erfahre ich, wie wichtig das ist – die Sprache der anderen zu sprechen. Ich lerne Hebräisch. Und bin aber auch sehr gern in der deutschsprachigen Gemeinde in der Altstadt. Sprache verbindet, aber schafft auch Grenzen.

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