Geht doch - Wie in den Niederlanden multiresistente Keime bekämpft werden

Kampf gegen multiresistente Keime
Kampf gegen multiresistente Keime

Sven Hopp/dpa Picture-Alliance

In den Niederlanden werden Risikopatientinnen so lange isoliert, bis sie auf multiresistente Keime durchgetestet sind.

Ein Schild mit der Aufschrift «Kein Zugang zur Isolation» ist am 28.08.2014 in München (Bayern) bei einem Pressetermin auf der Sonderisolierstation im Klinikum Schwabing zu sehen. Die Station ist auch darauf vorbereitet Patienten mit Ebola aufzunehmen. Foto: Sven Hoppe/dpa [ Rechtehinweis: (c) dpa ]

Prävention gegen multiresisteten Keime - die Niederlande sind Vorreiter
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Uniklinik Groningen: Die neue Patientin wird isoliert, Einzelzimmer, Schleuse. Sie kommt aus einem ­anderen Krankenhaus, das macht sie zur Risikopatientin – so wie Viehbauern oder Reisende aus dem Ausland. Sie alle können multiresistente Erreger (MRE) in sich oder auf der Haut tragen und weiterverbreiten. Für gesunde Menschen sind diese Bakterien nicht gefährlich, aber wer geschwächt ist, kann erkranken: an Lungenentzündungen oder Hautinfektionen, gängige Anti
biotika würden nicht mehr wirken. Wie diese Frau werden alle Ankömmlinge getestet. Knapp zwei Stunden später ist klar: Sie ist infiziert, sie bleibt separiert.

Nur ein Prozent der Patienten sind betroffen

Was niederländische Kliniken noch so tun im Kampf gegen Keime: Mikrobiologen und Hygieneärzte betreuen Risikopatienten; die Reinigungskräfte sind geschult; die Regeln für Desinfektion und Händewaschen streng; Antibiotika werden sorgsam dosiert, ihre Wirksamkeit durch Labore überwacht.
Der Erfolg: Nur ein Prozent der Patienten tragen den "Krankenhauskeim" MRSA. In Deutschland sind es etwa elf Prozent. Hier haben jedes Jahr etwa 600 000 Patienten bak­terielle Infektionen, 30 000 mit MRE, an denen bis zu 4000 sterben. Hygieneärztinnen gibt es zwar, aber als Risikopatient gilt erst, wer erkrankt ist. Außerdem: Deutsche Kliniken haben weniger leere Betten, um Patienten zu isolieren; jeder Pfleger muss im Schnitt 13 Kranke versorgen (Niederlande: sieben); wenige Häuser haben ein eigenes mikrobiologisches Labor.

Sabine Oberpriller

Sabine Oberpriller ist freie Autorin bei chrismon. Sie studierte Deutsch-Italienische Studien in Regensburg und Triest und absolvierte die Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule in München. Sie interessiert sich besonders für den Austausch zwischen Kulturen, Fragen der Gleichberechtigung in der Gesellschaft – und für Menschen in besonderen Situationen.
Lena UphoffPortrait Sabine Oberpriller, chrismon Redaktion, Redaktions-Portraits Maerz 2017

Doch es tut sich was: Berufsgenossenschaftliche Unfallkliniken machen vieles so wie die Niederländer. Ein gutes Beispiel ist die BG Unfallklinik Murnau, in der auch der Einsatz von Breitspektrum- und Reserveantibiotika überwacht wird und seit 2017 um die Hälfte zurückging. "Resistenzen werden dadurch begünstigt, dass Antibiotika vorschnell und bei Virusinfektionen eingesetzt werden, wo sie nicht wirken", sagt Michael Ebenhoch, Ärzt­licher Leiter der Stabsstelle "Hygiene, Klinische Infektiologie und Mikrobiologie". "Das passiert in der Medizin und in großem Ausmaß in der Tiermast." Man brauche mehr Fachpersonal, müsse sich auch besser mit niedergelassenen Ärzten austauschen. Denn die müssen ihren Patienten erklären, dass bei Erkältungen meist nur Abwarten und Teetrinken hilft.

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