Die Welt steht nicht am Abgrund, wie Populisten behaupten

Populismus - Das Geschäft mit der Angst
Illustration zum Standpunkt, den Teufel an die Wand malen

Studio Pong

Standpunkt, Walter Wüllenweber, chrismon Mai 2019

Es geht der Menschheit so gut wie nie zuvor. 
Trotzdem reden alle immerzu von Krisen und Katastrophen. Davon profitieren die Populisten

Vorgelesen: Standpunkt "Das Geschäft mit der Angst"

Vor rund 300 000 Jahren begann der Homo sapiens, die Erde zu be­völkern. Über 100 Milliarden Individuen unserer Spezies wurden 
seitdem geboren. Und ausgerechnet wir, die Menschen des 21. Jahr­hunderts, haben das Privileg, in der besten Phase der Menschheit leben zu dürfen. Für unsere Vorfahren war der kurze Augenblick zwischen Geburt und Tod geprägt von Hunger, Krankheit, Armut, Unterdrückung und Gewalt. Keine dieser Plagen ist bis heute besiegt – aber alle sind erheblich verringert. Noch nie waren Menschen so gesund, so reich, so gebildet, so frei und so sicher vor Gewalt und Kriminalität wie heute. Und noch nie wurden sie so alt. 72 Jahre beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung eines Erdenbürgers heute.

Walter Wüllenweber

Walter 
Wüllenweber 
ist Autor des 
Magazins "Stern". 2018 veröffentlichte er das Buch 
"Frohe Botschaft" 
im Verlag DVA. 
Als er mit ­Kolleginnen und Freunden über 
die guten Nachrichten sprach, wollte ihm kaum einer glauben. Die Statistiken ­überzeugten sie.
Roman PawlowskiFoto von Walter Wuellenweber, chrismon Mai 2019

In vielen Ohren klingen diese ­"frohen Botschaften" wie naive Realitätsverweigerung. Doch der Befund lässt sich wissenschaftlich solide belegen, die Ergebnisse sind unstrittig. In den 1960er Jahren verhungerten weltweit von 1000 Menschen jedes Jahr 50. Heute noch einer alle zwei Jahre – ein Minus von 99 Prozent. 
Die Kindersterblichkeit wurde seit 1990 weltweit halbiert. Der Analphabetismus konnte von fast 60 Prozent in den 1950er Jahren auf heute 14 ­Prozent reduziert werden.

Deutschland hat die niedrigste Kriminalitätsrate seit der Wiedervereinigung

Ebenso drastisch wie beinahe unbekannt ist der Rückgang der Gewalt. Die Wahrscheinlichkeit, bei einem Krieg getötet zu werden, ist heute siebenmal geringer als in den 1970er und 80er Jahren. Damals wurden in Westeuropa jedes Jahr sechsmal mehr Menschen bei Terroranschlägen ermordet als in den vergangenen zehn Jahren. Deutschland kann sich über die niedrigste Kriminalitätsrate seit der Wiedervereinigung freuen – und nimmt es kaum zur Kenntnis. Besonders beeindruckend ist der Rückgang bei Jugendgewalt, bei Vergewaltigungen, bei Mord und ganz besonders beim Sexualmord: minus 85 Prozent seit der Wiedervereinigung. Nicht nur bei der Sicherheit, die Deutschen gehören insgesamt zu den Gewinnern in diesen goldenen Jahrzehnten. Das Land hat die Wiedervereinigung gemeistert, die Massenarbeitslosigkeit überwunden, einen der besten Sozialstaaten aufgebaut und seit 2013 die Aufnahme von fast zwei Millionen Geflüchteten besser bewältigt, als selbst Optimisten gehofft hatten.

Ja, an dieser Stelle gibt es eine ­Menge einzuwenden: Trotz der unbestreitbaren Verbesserungen sind natürlich nicht alle Probleme gelöst, bei weitem nicht. Vor allem die drohende Klimakatastrophe ist längst nicht abgewendet, und augenblicklich gibt es wenig Anlass zur Hoffnung. Dennoch ist gerade der Umweltschutz ein Gebiet, auf dem in den vergangenen Jahrzehnten außergewöhnliche Erfolge gelungen sind. Der Zustand der deutschen Gewässer hat sich signifikant verbessert, das Waldsterben wurde verhindert, und das Ozonloch schließt sich wieder. Für einen großen Teil davon ist die Zivilgesellschaft verantwortlich. Es hat sich gezeigt: Engagement wirkt. Ausgerechnet die deutsche Gesellschaft hat sich als ­lernendes Gemeinwesen erwiesen.

Aber es fühlt sich überhaupt nicht so an

Weil sich die vielen positiven Entwicklungen gegenseitig verstärken, befindet die Menschheit sich in einer regelrechten Aufwärtsspirale. Aber es fühlt sich überhaupt nicht so an. Wenn die Fakten so eindeutig sind, warum schaffen die vielen positiven Sensationen es nicht, in unser Bewusstsein vorzudringen?
Vor allem zwei Faktoren sind dafür verantwortlich: die Natur des Menschen und die Funktionsweise der Medien.

 Der Mensch ist ein Flucht­tier. Feigheit ist das evolutio­näre Erfolgsrezept unserer Spezies. Unsere Sinnesorgane scannen unablässig die Umgebung nach Gefahren ab, und sämtliche ­Informationen darüber werden von unserem Gehirn mit absolutem Vorrang verarbeitet. Entwarnung hin­gegen läuft unter "ferner liefen". Jahrzehnte hingen in unseren Schulen Plakate, die warnten: "Schluckimpfung ist süß, Kinderlähmung ist grausam." Dass Polio inzwischen weltweit so gut wie besiegt wurde, interessiert uns kaum. Problem gelöst, Problem vergessen.

Die Medien liefern, was die Gehirne des Publikums verlangen: Alarm. Darum beginnt jeder Tag mit dem Morgengrauen, im Radio, im Fernsehen, in der Tageszeitung: Terror, Naturkatastrophen, Kriminalität. Die vielen richtigen Nachrichten erzeugen den falschen Eindruck, ­heute werde mehr gestorben als früher. Tatsächlich wird nur mehr darüber berichtet. Seit den 1960er Jahren hat sich die tägliche Mediennutzungszeit auf heute zehn Stunden verdreifacht. ­Medien bestimmen zunehmend ­unsere Wahrnehmung der Realität.

Noch nie 
waren 
die Menschen 
so gesund, 
so reich, 
so gebildet, 
so frei und 
so sicher 
vor Gewalt 
wie heute

Auch der Qualitätsjournalismus ist mitverantwortlich für das Entstehen des "Pessimismusreflexes". Doch er hat gleichzeitig eine heilsame Wirkung. Indem Journalisten Missstände 
aufdecken, ermöglichen sie den Gesellschaften, ihre Fehler zu erkennen und zu korrigieren. Der kritische Journalismus hat somit einen Anteil an den vielen Verbesserungen.

Ganz im Gegensatz zu den "so­zialen" Medien. Die Wahrheit spielt im virtuellen Meinungsbunker allen­falls eine Nebenrolle. Am besten klickt alles, was Angst macht. Sämtliche Untersuchungen zeigen, dass die vielen Übertreibungen, die Falschmeldungen, die dreisten Lügen eine entscheidende Gemeinsamkeit haben: Sie verkünden nie eine positive oder beruhigende Botschaft. Soziale Medien sind hocheffektive Angstma­schinen

Das macht sie zum perfekten Werkzeug der Angstmacher. Die weltweite Welle des Populismus wäre ohne ­soziale Medien undenkbar. Die zentrale Botschaft aller Populisten lautet: Alles wird schlechter. Die Welt steht am Abgrund. Die Katastrophe ist die Mutter aller Fake News.

Die kompetenten Zeitgenossen durchschauen das. Je besser sich ­Menschen mit einem Problem auskennen, umso optimistischer schätzen sie die Lösungschancen ein. ­
So fielen AFD-Wähler bei einer ­Studie am häufigsten auf erfundene Falschmeldungen herein. Gleich­zeitig bewerten AFD-Wähler fast alle gesellschaftlichen Problemstellungen – nicht nur die ­Zuwanderung – weitaus bedrohlicher als die Wähler aller anderen Parteien. Die Wahrheit ist meist differenziert. Sie zu verstehen, kostet Mühe und Kompetenz. Bei ge­fühlten Wahrheiten ist jeder ein ­Experte. ­Pessimismus ist der Gefährte der ­Inkompetenz.

Der Populismus braucht den Immerschlimmerismus

Um wirken zu können, braucht der Populismus den Immerschlimmerismus, die Endzeitstimmung. Wenn die Gesellschaft bedroht ist von einem korrupten Establishment oder messermordenden Horden muslimischer Männer, wenn der Untergang unmittelbar bevorsteht, dann ist keine Zeit mehr für abgewogene Kurskorrekturen, dann kommt nur noch die 180-Grad-Wende infrage, um die vermeintlich drohende Katastrophe abzuwenden. Das falsche Bild von der Welt, die in Terror, Gewalt und Korruption versinkt, deren demo­kratische Systeme unfähig sind, die Probleme zu lösen, dient Populisten und ihren Anhängern als Legitima­tion für radikale Veränderungen.

So wird aus einem inzwischen weit verbreiteten Irrtum eine Gefahr. Der aggressive Pessimismus bedroht die Errungenschaften der Vergangenheit, denn die vielen positiven Entwicklungen sind nicht unumkehrbar. Die USA, Großbritannien und einige osteuro­päische Staaten haben den Rückwärtsgang bereits eingelegt. Vor allem aber stehen sämtliche Erfolgsmethoden unter Druck: die freien Medien, die freien und fairen Wahlen, die Unabhängigkeit der Justiz, die Freiheit der Wissenschaft, der freie Handel und vor allem die Zusammenarbeit in multilateralen Organisationen wie der EU, der UN oder der NATO. Das alles steht unter Dauerfeuer der internationalen Nationalisten.

Nun wird deutlich: Die guten Nachrichten von den vielen sensationellen Verbesserungen sind keine Well­nessbotschaften, die ein wohliges Gefühl bescheren sollen. Sie sind die politischste Botschaft unserer Zeit. Nur wenn wir uns die nie da gewesenen Fortschritte der vergangenen Jahrzehnte bewusst machen und die Erfolgsmethoden entschlossen verteidigen, haben wir eine Chance, die politischen Herausforderungen zu bestehen. Die frohen Botschaften sind die Antwort auf den Populismus.

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Lesermeinungen

Zunächst mal: vielen Dank für den ausgezeichneten Artikel über „ Das Geschäft mit der Angst“ und den vielen zutreffenden Feststellungen und Schlussfolgerungen! Ich kann da zu 99,9 % zustimmen!

Allerdings vermisse ich eine geradezu naheliegende Aussage zur derzeit dominierenden Debatte: die drohende Klimakatastrophe ! Nicht ein Wort darüber, obwohl die Statements hierauf 100%-ig zutreffen !? Warum ?

Wäre das zuviel Spiegelung des Mainstreams ?

Dabei ist doch auch hier die Aussage der letzten beiden Sätze des Artikels DIE Lösung : die frohen Botschaften sind die Antwort auch auf diesen Populismus ! Will m.E. heißen : nur vernünftiger technischer Fortschritt wird die Problemlösung bringen und die richtige Antwort auf den derzeitigen z.T. in seiner Ignoranz ( = Dummheit) kaum noch erträglichen Populismus herbeiführen.

Liegt es vielleicht in der Natur einiger Menschen, eher etwas zu kritisieren als anzuerkennen und das Positive im Leben zu übersehen statt zu schätzen? Leider merken sie nicht, dass sie sich mit ihrer pessimistischen Einstellung und Haltung um viel Lebensfreude bringen.
So mancher lässt sich auch von den überwiegend schlechten Nachrichten in den Medien beeinflussen, neigt dann zu Ängsten und vergisst das Schöne im Leben.
Daher ist es zu begrüßen, dass der Autor Walter Wüllenweber seine Leser auf die zahlreichen positiven Entwicklungen im Land aufmerksam macht. „Noch nie waren die Menschen so gesund, so reich, so gebildet, so frei und sicher vor Gewalt wie heute,“ sagt er.
Vielleicht müssen einige auch erst negative Erfahrungen machen, um Positives entsprechend wahrnehmen zu können wie z.B. Gesundheit durch Krankheit, Wohlstand durch Elend und Not, Kontakte durch Einsamkeit, Freiheit durch Tyrannei, Sicherheit durch die Erfahrung von Bedrohungen und Angriffen.
Etliches im Leben offenbart sich eben häufig erst durch das Erlebnis des Gegenteils.

Das haben Sie wieder sehr schön geschrieben, liebe Frau Gottbrath! Die hässliche Angewohnheit mancher Zeitgenossen, Kritik zu üben, statt positiv zu denken, raubt einem nur die Lebensfreude. Wo wir doch alle so gesund, reich und gebildet, insbesondere herzensgebildet, sind.

Also nochmals herzlichen Dank!

Lisa Müller

Es ist sehr schade, dass Wüllenweber in seinem sehr sympathischen Essay die Chance vertut, auf Deutschlands größte Angstmacher hinzuweisen: die Grünen. Nur zur Erinnerung ein paar Beispiele: Ende der 70er/80er Jahre versprachen sie uns den atomaren Holocaust, wenn wir nachrüsten (Nato-Nachrüstungsbeschluß). Was ist passiert: nichts! Nicht mal ein Schuss ist gefallen. Nur das Terrorregime der Sowjets verschwand erstmal. Dann: „erst stirbt der Wald, dann stirbt der Mensch“. Und? Den Wäldern geht es zunehmend besser und die Menschen werden älter und älter. Ozonloch? Schließt sich. Weitere Beispiele auf Wunsch gerne! Es ist also ganz und gar nicht nur die richtig beschriebene AfD, die eine Endzeitstimmung verbreitet. Die Grünen haben Katastrophenszenarien zu ihrem Geschäftsmodell gemacht und mit wenigstens einem Satz hätte Wüllenweber das ansprechen sollen. Richtig gelegen habe die Grünen mit ihren Prognosen übrigens noch nicht ein einziges Mal.

ich das auch. Angst schüren vor Gentechnik, Pestiziden, Atom, Krieg, Waldsterben, kaputte Böden, Insektensterben, Klimawandel....! Die spekuliert man auf die Stimmen der Angsthasen.
Und Populismus: Z.B. wollten die Grünen ein anderes Schulsystem. Da spekulierten sie auf die Stimmen von Eltern, deren Kinder nicht die erwarteten Leistungen brachten.
Die Homosexuellen besser stellen, von denen gibt's auch Stimmen zu holen.
Man hat den Feminismus aufgegriffen um sich die Stimmen von Frauen mit Beziehungsproblemen zu angeln. Heute ist eine kinderlose Frau als Mutti der Nation möglich.

Die Realität sieht so aus, dass nicht die Massentierhalter ausgelaugte Böden haben, sondern die Bio-Bauern.
Wenn die konventionelle Landwirtschaft Ursache für das Insektensterben wäre, hätten die Insekten seit Jahrzehnten zunehmen müssen, den seit Jahrzehnten nimmt Konventionell ab und Bio zu.
Wir betreiben Mutagenese, da wird der Samen radioaktiv bestrahlt oder chemisch behandelt, um neue Genetik zu bilden. Dann prüfen wir nur auf funktionelle Eigenschaften der Pflanzen und vergessen die Bekömmlichkeit. Da prüft Monsanto gewissenhafter. In Kanada muss jede Sorte, bei der mit Mutagenese gearbeitet wurde, so sorgfältig geprüft werden, wie gentechnische Sorten. Da wird man aber von den Grünen nichts hören, denn gerade der Bio-Landbau braucht gesunde- und damit giftige- Sorten.
Von Bannon habe ich mal gelesen, dass durchschnittlich alle 70 Jahre die politischen Systeme wechseln. 1945 war nominell Schluss mit den Braunen. 70 Jahre dazu sind wir bei 2015. Jetzt haben wir wieder eine bildungsferne-populistisch-aggressive Bewegung in Form der Grünen.
Und was mir wirklich Sorgen macht:
Wie damals bei den Braunen hat sich die ev. Kirche wieder schnell gleichschalten lassen.

Gerade habe ich in Chrismon gelesen, dass sich auf der Erde so Vieles so gut entwickelt hat und es sich bei der Berichterstattung von all den bedrohlichen Ereignissen eigentlich um ein „Geschäft mit der Angst“ handelt. Und kürzlich wurde mir das Buch empfohlen „Factfulness- wie wir lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist“.
Heute aber lese ich auf der Titelseite der Süddeutschen Zeitung, der ja auch die Chrismon beigelegt wird: „Eine Million Arten vor dem Aussterben“.
Sollen Leser nun durch diese Schlagzeile Angst bekommen? Wird sich die Auflage der SZ erhöhen? Oder soll diese Berichterstattung vielleicht eher dazu beitragen, wieder einmal - und immer wieder darauf aufmerksam zu machen, dass endlich, endlich, endlich den Forderungen gefolgt wird, die diejenigen stellen, die über die Klimaveränderung, Meeresverschmutzung, Artensterben, Konsum und Nachhaltigkeit usw so viel wissen, dass nur immer wieder darüber geschrieben werden muss, damit die Menschen dieser Erde die „Bewahrung der Schöpfung“ ernst nehmen und dies durch ihr Verhalten auch erkennbar werden lassen.

Sie haben eine absolut richtige Bilanz gezogen. Die Populisten sind ein rabiates Volk, das vor keiner beliebigen "Drehung" der Fakten, mit den Dummen als willfährige Konsumenten, zurückschreckt. Aber es gibt auch die Klima-Populisten und Weltenretter, die ständig versuchen, uns ein schlechtes Gewissen einzureden. Es muß klarer Wein eingeschenkt werden, der zwar sauer schmeckt, aber pure menschliche Natur bedeutet. Das CO 2 und alle anderen von menschlicher Hand verursachten möglichen Verursacher sind seit Jahrhunderten eine Folge unserer Zivilisation. Unser Wohlstand, unsere Gesellschaftsform, unsere sozialen Werte und besonders unsere Demokratie haben als zwingende Voraussetzung den immer unmäßigeren Konsum. Sonst droht Abwahl und Chaos! Die Entwicklung hat einen nahezu naturgesetzlichen unabänderlichen Charakter. Mit dem maßlosen Anspruchsdenken kommt alles ins Wanken. Nicht nur bei uns!

Weltweit besteht dieser Konsumdruck. Wir maßen uns an, als Erziehungsverantwortliche der Welt zu fungieren. Selbst ein „vernünftiger Konsum“ würde die Entwicklung nicht nennenswert verlangsamen. Bald werden 8-10 Milliarden so leben wollen wie wir. Durch die Bevölkerungsentwicklung werden künftig Ressourcenverbrauch und Klimabelastung wesentlich größer. Mit welchem Recht wollen wir dieses Ziel den zivilisatorischen „Nachzüglern“ verwehren? Diese Ansicht ist zwar fatalistisch, aber auch sehr menschlich! Es gibt leider einen schlechten aber auch einen sachlichen Populismus. Denn alle wollen klimatisch „den großen Wurf“, aber keiner will getroffen werden. Jeder will für sich das Beste und dem Anderen das, was übrig bleibt. Menschlich eben. Und das ist dann auch populistisch, wenn auch auf eine andere Art.