Gerhard-Uhlhorn-Kirche wird Studentenwohnheim

Bierpong in der Kirche
Die Gerhard Uhlhorn Kirche in Hannover, heute befinden sich hier Appartments für Studenten-WGs

Uli Hiestermann

Die Gerhard Uhlhorn Kirche in Hannover, heute befinden sich hier Appartments für Studenten-WGs

Gerhard-Uhlhorn-Kirche, KiGes-Interview, cp_04_19

Immer mehr Kirchen stehen leer. Die Gemeinden sind oft ratlos, wie es mit den Gebäuden weitergehen könnte. In Hannover baut ein Immobilienentwickler die Gerhard-­Uhlhorn-Kirche in ein Wohnheim um.
Deutschland spricht 2019

chrismon: Ist die Kirche, die Sie gekauft ­haben, nach dem Umbau noch erkennbar?

Dirk Felsmann: Ja. Der Denkmalcharakter 
muss erhalten bleiben. Wir dürfen nicht ­dämmen, deshalb bauen wir ein Haus im Haus. Die Räume werden wie Schachteln hineingesetzt. Glockenbeauftragter, Landesdenkmalpfleger und viele mehr haben ein Mitspracherecht, und wir müssen Kompromisse finden. Wir dürfen etwa nur bedingt Fenster einbauen. Die Kirche könnte also irgendwann wieder als solche genutzt werden.

Ist das überhaupt bezahlbar?

Da wir uns den Abriss sparen und einen Rohbau vorfinden, haben wir günstige Voraus­setzungen. Wir wollen zeigen, dass man keine öffentlichen Fördermittel braucht. Die Mietpreise der öffentlichen Studentenwohnheime wollen wir sogar unterbieten. Es geht ab 280 Euro pro Monat los.

Dirk Felsmann

Dirk Felsmann von Dr. Meinhof und Felsmann in Hannover 
baut mit seinem Kompagnon ­historische Gebäude um.
Sebi Berens Dirk Felsmann

Was passiert mit den Sakralgegenständen?

Der Altar wird mit Holz verkleidet, er steht mitten im Raum. Dann können die Studenten darauf meinetwegen auch "Bier Pong" spielen. 
Das Kreuz wird verhüllt, aber wenn man ein paar Schnüre löst, ist es wieder zu sehen. Die Orgel kommt weg, dafür bauen wir eine ­gläserne Gemeinschaftsküche ein. Links und rechts vom Gang stehen übereinander je zwei Zimmer, insgesamt 31. So kann man die volle Größe der Kirche wahrnehmen.

 Blick in das Kirchenschiff während des UmbausUli Hiestermann

Warum investieren Sie in alte Gebäude?

Anders als bei einem Neubau können wir großzügig mit dem Platz umgehen, das Stadtbild bleibt erhalten. Es braucht Kreativität und Abenteuerlust. Was wir hier schaffen, geht nicht über in andere Hände, ich habe eine persönliche Verbindung zum Gebäude.

Leseempfehlung

Zehn Jahre stand die Kapernaum-Kirche in Hamburg-Horn leer. Nun wird sie zur Moschee. Manche tun sich schwer

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.