E-Mail aus Thessaloniki: Nordmazedonien

Namensstreit
Posteingang - Thessaloniki, Namensstreit

Reuters/Alexandros Avramidis

Griechische Nationalisten 
demon­strieren im Januar 2019 gegen 
die Einigung mit Makedonien

Demonstranten singen die griechische Nationalhymne während einer Demonstration gegen die Vereinbarung, die Griechenland und Mazedonien geschlossen haben, um einen Streit über den Namen der ehemaligen jugoslawischen Republik im Dorf Pisoderi im Norden Griechenlands beizulegen.

Griechenlands nördliches Nachbarland heißt jetzt Nordmazedonien. Die griechische Regierung hat dem zugestimmt, aber viele Griechen sind sauer

Makedonien ist griechisch! So stand es auf vielen Plakaten, als ich im September 2018 neu ins Land kam. Ja, natürlich ist 
diese Region im Norden des Landes griechisch, habe ich gedacht. Warum muss das so sehr betont werden?

Die Diskussion um einen neuen Namen für die seit 1991 unabhängige "Ehemalige jugoslawische Republik Makedonien" (FYROM: Former Yugoslav Republic of Macedonia) wird von den Menschen hier sehr emotional 
geführt. Für Außenstehende wie ­
mich ist das schwer nachzuvollziehen. 
Makedonien, das ist doch unser Name, 
höre ich, wenn ich Griechen nach 
ihrer Meinung frage, das ist unsere Kultur, das gehört zu unserer Identität.

Brigitte Bittermann

Brigitte Bittermann ist Pastorin 
in der deutsch­sprachigen Auslands­gemeinde in Thessaloniki.
PrivatBrigitte Bittermann

Alexander der Große, der Make­donier, kommt aus Pella, einer kleinen griechisch-makedonischen Stadt. "Er steht für unser makedonisches Erbe."
Bis 1912 gehörte das historische Gebiet Makedoniens zum Osmani­schen Reich. Mit dessen Ende wurde 
dieses Gebiet aufgeteilt auf Griechen­land, Albanien, Bulgarien und Serbien 
bzw. das spätere Jugoslawien. Erst nach 
der Vereinigung des griechischen Teils Makedoniens mit dem seit 1830 unabhängigen Süden des Landes entwickelte sich in dieser Region ein ­griechisches Nationalbewusstsein.

Die griechische Regierung hat dem Namen Nordmakedonien für das Nachbarland im Januar zugestimmt und ist damit auf starken Widerstand seitens der politischen Opposition und der Bevölkerung gestoßen. Ich ­habe Respekt vor dieser Entscheidung, die ich als Kompromiss von ­beiden Seiten verstehe, um den Prozess der An­näherung des Nachbarlandes an Europa und die NATO nicht länger zu behindern. Dieser war durch den Namensstreit behindert.
Es bleibt zu hoffen, dass diese Entscheidung neue Möglichkeiten für die Region Makedonien in Nord­griechenland und für Nordmake­donien eröffnet.

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