Was denkt die Jugend über Gesellschaft und Kirche?

"Was in der Gesellschaft läuft, kümmert sie kaum"
Porträt Gerhard Wegner

Sebastian Cunitz

Porträt Gerhard Wegner, chrismon plus 02/2019, Jugend-Studie

Sie selbst sind sich wichtig. Und ihre Familien. Gerhard Wegner 
hat 19- bis 27-Jährige zu 
Leben und Glauben befragt.
Deutschland spricht 2019

chrismon: Sie wollten von Menschen zwischen 19 und 27 Jahren wissen, was ihnen wichtig ist, was sie sich wünschen und was sie fürchten. Was haben Sie herausgefunden?

Gerhard Wegner: Auf die Frage, was ihr Leben bestimmt, haben alle wie aus der Pistole geschossen gesagt: ich. Das Leben dreht sich um mich selbst, und ich bin für alles allein verantwortlich, was in meinem Leben passiert. Das sagten 87 Prozent von den jungen Menschen, die sich als nicht religiös verstehen. Bei den Religiösen sagten das 72 Prozent. Diese große Ich-Bezogenheit hat uns überrascht.

Claudia Keller

Claudia Keller ist chrismon-Redakteurin und zusammen mit Burkhard Weitz verantwortlich für die Aboausgabe chrismon plus. Sie hat Geschichte und Literaturwissenschaft in Köln und in den USA studiert und war viele Jahre Redakteurin beim "Tagesspiegel" in Berlin. Sie interessiert sich für religiöse und ethische Fragen und schreibt gern über Auf- und Umbrüche des Lebens. Einmal ist sie bei Recherchen sogar zufällig auf ein Geheimnis in der eigenen Familie gestoßen und hat einen Bruder gefunden, von dem sie nichts wusste.
Lena UphoffPortrait Claudia Keller

Dr. Gerhard Wegner

Dr. Gerhard Wegner ist Pastor und Direktor des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD mit Sitz in Hannover, das die Befragung durchgeführt hat.

Ist das gesundes Selbstbewusst­sein oder narzisstische Selbstüberschätzung?

Beides. Daraus spricht ein großes Selbstbewusstsein, man will viel ­bewirken und traut sich das zu. Das ist ja auch gut. Aber Institutionen wie Parteien, Kirchen oder die Gesellschaft insgesamt sind für diese Generation nicht mehr wichtig. Das ist auch erschreckend, weil man das Gefühl hat, das Leben dreht sich für diese jungen Menschen nur noch um sie, ihre Familie, vielleicht noch um Freunde. Was sonst in der Gesellschaft läuft, kümmert sie kaum.

Aber bei den Demonstrationen 2018 gegen Rechtspopulismus und ­Rassismus waren viele junge Menschen dabei. Die Shell-Jugendstudie von 2015 hat ergeben, dass sich die Jungen um den Klimawandel sorgen und sich durchaus einbringen. Wie geht das zusammen?

Die Zwanzigjährigen nehmen gesellschaftliche Problemlagen begrenzt wahr: Nur 25 Prozent beunruhigt der Klimawandel, und dagegen kann nur jeder selbst etwas tun. Das ist das Credo dieser Generation. Persönliche Sorgen wie zum Beispiel Krankheiten sind viel wichtiger. Bei der großen "Unteilbar"-Demo im Oktober in ­Berlin haben viele mitgemacht, die zum ersten Mal auf einer Demo ­waren und sich selbst dazu entschlossen ­hatten. Der Aufruf zur Demonstration 
richtete sich auch dezidiert an jeden Einzelnen. Das ist nicht schlecht. Aber es hat wenig zu tun mit großen Reformbewegungen, gemeinsamen Idealen oder ideologischen Überzeugungen, wie sie für Generationen davor wichtig waren.

Was ist mit "Pulse of Europe"? Das ist doch eine Bewegung für Europa, 
die von jungen Leuten getragen wird.

Diese Bewegung funktioniert so, dass es in den größeren Städten Treffen gibt, zu denen man mal hingeht, vielleicht auch zwei- oder dreimal. Aber daraus wächst keine verbindliche Orientierung, die vergleichbar wäre mit dem langfristigen Engagement in einer Partei. Das merken die Parteien ja auch. Ihnen fehlt der Nachwuchs. Unter den Parteimitgliedern ist der Anteil der über Sechzigjährigen noch höher als bei den Kirchen.

Fühlt sich in dieser Generation ­keiner mehr als Teil einer Klasse oder eines Milieus?

Nur noch 26 Prozent sagen, dass die Gesellschaft ihr Leben bestimmt. Das hat uns sehr an den Ausspruch von Margaret Thatcher von 1987 erinnert: So etwas wie Gesellschaft gibt es nicht. Nur Einzelne und ihre Familien. Genau das erleben wir jetzt in dieser Generation. Sie hat die Er­ziehungsziele des Neoliberalismus verinnerlicht, wonach Einzelne in ­ihren Familien um ihren Lebens­unterhalt kämpfen und sich durch­setzen. Es fehlen übergreifende Bezüge der Einzelnen, bindungslose Autonomie ist das Ideal.

Psychologen sagen, dass Depres­sionen unter Jugendlichen zu­nehmen. Was macht ihnen Angst?

Eine Teilnehmerin unserer Studie sagte so schön: Ich kann nicht an Gott glauben, denn wenn ich recht über­lege, bin ich ja selbst Gott. Ich bin für alles verantwortlich, was in meinem Leben passiert. Etwas anderes gibt es nicht. Wenn dann etwas schiefläuft, wenn jemand aus der Familie stirbt oder man den Leistungsanforderungen nicht gerecht wird, dann kann das schnell zu einer schweren Lebenskrise führen. Die Schuld dafür kann man dann weder auf jemand anderen schieben noch auf die Gesellschaft, wie wir das früher gerne getan haben und was getröstet hat. Trotzdem sind die jungen Leute aber sehr zufrieden. Viele haben die Note Zwei vergeben bei der Frage, wie sich ihre persönliche Lebenssituation anfühlt. Rechtspopulismus, Klimawandel, Kriegsgefahren trüben dieses Wohlgefühl nicht.

Trifft das auf alle Jugendlichen zu? Oder sind nur die aus der wohl­habenden Schicht zufrieden?

Wir haben keinen Anlass gesehen, nach Schichten zu differenzieren, auch nicht nach Ost oder West. Das ist in dieser Generation relativ einheitlich.

Sie sagen, die jungen Erwachsenen haben nichts mehr übrig für Institutionen. Was denken sie über die Institution Kirche?

Viele finden die Kirche gut, weil sie sich um Arme, Alte und Schwache kümmert. Viele haben auch schöne Erinnerungen aus ihrer Konfirman­denzeit. Aber mit ihrem aktuellen Leben hat das nichts mehr zu tun. Wenn es darum geht, was in ihrem Leben wichtig ist, tauchen die Kirchen überhaupt nicht auf. Das ist bei den 19 Prozent, die sich als religiös verstehen, nur ­graduell anders. Die Jugendlichen ­haben keine Fragen mehr an die Kirche und er­warten auch nichts von ihr.

Sie sprechen von der ersten postchristlichen Generation.

Ja, denn keine Generation vorher hat in so großer Entfernung von der Institution und weitgehend ohne Glaubens­bindungen gelebt. Für die Kirche ist das ein alarmierender Befund. Sie muss sich sehr umstellen, wenn sie diese Menschen erreichen will.

Sie haben Ihre Studie im November 2018 auf der EKD-Synode vorgestellt. Wie waren die Reaktionen?

Da war man geschockt. Doch ich habe wenig gehört, welche Konsequenzen daraus gezogen werden sollen. Wobei die Ergebnisse ja gar nicht so über­raschend sind. Die weiter wachsende Kirchen- und Religionsferne der Jugendlichen zeichnet sich seit Jahren ab.

Die Synode hat beschlossen, dass man den jungen Erwachsenen mehr Verantwortung übertragen und ihr Engagement stärker würdigen will. Man will mehr ausprobieren und neue kirchliche Orte entdecken. Ist das zu wenig?

Das ist sicherlich gut, ja. Es tut sich ja auch viel. Aber entscheidend ist, dass die Kirche den ersten Schritt macht. Von den Jugendlichen kommt da nichts. Die Kirche muss ihre Aufmerksamkeit mit aller Kraft ge­winnen wollen und sie herausfordern.

Die Institution ist das eine, der ­Glaube das andere. Das muss ja nicht 
unbedingt zusammengehen. Wie viele 
Zwanzigjährige glauben an Gott?

Rund ein Viertel hat angegeben, an Gott zu glauben. Bemerkenswert ist, dass fast die Hälfte sagte, dass sie beten. Aber das Gebet ist weniger im klassischen Sinne ein Gespräch mit Gott. Es ist mehr eine Meditation, ein Gespräch mit sich selbst, in dem sie sich auf sich und ihre Fähigkeiten besinnen. Das kann man vielleicht auch als Religiosität bezeichnen. Es ist aber eine sehr innerliche Religiosität, über die man nicht redet – weil es einem peinlich ist.

Im Protestantismus gab es immer wieder Phasen der Innerlichkeit. Ist das, was Sie heute beobachten, vielleicht gar kein Glaubensabbruch?

Diese heutige Innerlichkeit hat nichts zu tun mit evangelischer Innerlichkeit, wie es sie seit fast 300 Jahren gibt. Da darf man sich nichts vormachen. Dieser Innerlichkeit ging es um die Besinnung auf Gott und Christus, die sozusagen in mir leben und die ich mir innerlich aneigne. Das hatte eine große Kraft und Bedeutung. Bei der heutigen jungen Generation gibt es keinen anderen Kern als sie selbst und ihre Familien. Aber man könnte Brücken zu ihnen bauen.

Wie könnten die aussehen?

Man muss genau an diesen starken Glauben an sich selbst anknüpfen. Die Antwort des Protestantismus darauf heißt Berufung: Gott beruft jeden einzelnen Menschen, damit er seine Kräfte und Fähigkeiten einsetzen kann für andere. Die Devise lautet: Folge deiner Berufung!

Aber wird dadurch nicht das große Ego der jungen Erwachsenen be­stärkt?

Es bestärkt zwar das Ego, bezieht es aber zugleich in einen größeren Zusammenhang ein, in den Zusammenhang mit Gott. Indem mir Gott mein Ich und meine Fähigkeiten geschenkt hat, bewahrt er mich vor Narzissmus. Denn eine Berufung kann man nicht alleine leben, die anderen sind ja auch alle berufen. Diesen theologischen Fokus sollte die Kirche neu voranbringen.

Es reicht also nicht aus, mit dem Gottesdienst um 18 statt um 10 Uhr zu beginnen und ein bisschen mehr moderne Musik zu spielen?

Das alleine reicht nicht. Aber die ­Musik ist ganz wichtig! In der deutschen Popmusik spielen viele mit religiösen oder halbreligiösen Motiven. Denken sie zum Beispiel an Adel Tawil. Er redet zwar nicht direkt von Gott, aber von jemandem, der mich hört, beschützt und begleitet. "Universum" von Ich + Ich 
ist mittlerweile schon zum Tauflied ­geworden. Da gibt es mehr Religion, als man oft denkt. Sie muss herausgeholt und benannt werden.

Tausende Jugendliche fahren jedes Jahr zur ökumenischen Gemeinschaft nach Taizé. Auch die Frei­kirchen mit ihren Lobpreis-Gottesdiensten haben großen Zulauf. Wie erklären Sie sich das?

Lobpreis-Gottesdienste beziehen sich sehr auf Gott und den Einzelnen. Das passt zur Ichorientierung. Spirituelle Zentren wie Taizé sind attraktiv, weil dort vorgelebt wird, was christlicher Glaube heißt, und jeder kann mitmachen, aber auch wieder gehen, wenn es ihm reicht. Solche Zentren könnte es doch auch in Brandenburg geben.

Ist die evangelische Kirche zu bürger­lich und zu langweilig? Braucht es radikalere Lebensformen, um für ­Jugendliche attraktiv zu sein? ­Mönche kommen ja gut an.

Eine gewisse religiöse Radikalität täte uns ganz gut in vielen Bereichen. Sich um niedrige Schwellen zu bemühen, ist Unsinn, wenn es um Religiosität geht. Man muss Hürden überspringen, 
bis einen Religion fasziniert. Das funktioniert nur, wenn einem das vorgelebt wird. Ich halte es auch für wichtig, dass die Kirche religiös eindeutige Botschaften sendet.

Welche zum Beispiel?

Die Kirchen könnten etwa eine große Kampagne zum Thema Taufe starten. Das wurde immer wieder diskutiert – aber bundesweit bisher nie realisiert. Oder zu Passion und Ostern – etwas, was immer weniger verstanden wird. Selbst wenn dadurch lediglich reli­giöses Grundwissen vermittelt würde, wäre das ein Erfolg.

Ist es überhaupt sinnvoll, dass die Kirche so viel Energie darauf verwendet, die jungen Leute zu er­reichen, die schon weit weg sind?

19 Prozent der jungen Erwachsenen geben an, dass sie religiös sind. Sie werden die Kirche reformieren, wenn man sie machen lässt. Weitere 20 
Prozent sind religiös unentschlossen. Auf diese knapp 40 Prozent kommt es an! Wichtig ist auch, dass die ­Kirche Eltern unterstützt, die ihre Kinder religiös erziehen wollen. Viele trauen sich das ja nicht mehr zu.

Wie könnte man die jungen Erwachsenen dazu bringen, dass sie sich mehr für gesellschaftliche Entwicklungen interessieren?

Man muss ihnen klarmachen, dass es für ihr eigenes Leben nützt. Und sie einladen, sich punktuell zu enga­gieren, das kann eine Demo sein oder eine Form des Events oder ­Happenings annehmen. Wenn sich solche punktuellen Formen ausweiten, kann sich kurzfristig eine politische Bewegung entwickeln. ­Emmanuel Macron und seine Be­wegung En Marche! sind ein Beispiel dafür. Aber auch die Gegen­bewegung dazu: die Gelbwesten. 
Das kann aber auch in die rechtspopulistische Richtung gehen. Wenn sich 
jeder nur ­daran orientiert, was ihm selbst nützt, haben Ideologen leichtes Spiel.

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Lesermeinungen

Zitat: „Diese große Ich-Bezogenheit hat uns überrascht“. Dass Sie das überrascht, überrascht mich noch mehr. Ist die Veränderung im gesellschaftlichen Bewusstsein so spurlos an Ihnen vorüber gegangen? Was wurde denn in den letzten 40-50 Jahren von den liberalsozialen Meinungsmacher gefordert? Das war doch, sowohl im rein Privaten als auch im Miteinander, die rücksichtslose Selbstverwirklichung, die Änderung des Gleichgewichtes zwischen den persönlichen Rechten und Pflichten. die Abwehr aller gesellschaftlichen Pflichten, die Verunglimpfung aller Gemeinsamkeiten bis hin zur Erniedrigung aller Vereinsmitgliedschaften. Dazu die Verächtlichung der Familie, von Nachbarschaften, die Forderung nach möglichst täglichem Fit vor Fun. Dafür störten natürlich Kinder und besonders Pflichten. Und jetzt beklagen Sie die Folgen dieser Entwicklung, die die „Progressiven“ doch so gerne in Kauf genommen haben? Das Ziel war ein purer gesellschaftlicher Egoismus unter dem Motto "sozialliberal". Was doch nichts anderes bedeutet als eine größt mögliche persönlichen Freiheit mit allen sozialen Vorteilen zu Lasten der Gesellschaft. Dass Soziologen andere Ziele hatten, das alles anders sehen, dass sie jetzt beklagen, was sie selbst angerichtet haben und dass sie alles Konservative als reaktionär verteufelten, wird doch wohl niemand bezweifeln.

Was -bekommt- man eigentlich tätig von der Kirche, das nicht auch weltlich (einschließlich politisch) zu bekommen wäre? Biblische Worte und Erzählungen, zumal man sie auch selbständig lesen kann, sind zu wenig – in die Öffentlichkeit gestreute oder an die Einzelnen gestellte Forderungen ohne echte, einzigartige Gegenleistung unverschämt!

Die erste Frage kann nicht heißen „wie bekommen wir mehr Leute in die Kirche“ sondern „warum laufen die Leute in Scharen weg“. Es hat keinen Sinn, Wasser in einen Eimer füllen zu wollen, wenn der Eimer ein Loch hat. Die Kirche darf nicht nur Leute zählen wollen. Sie muss ihren originären, religiösen Job machen und Qualität liefern. Falls jemand in der Kirche noch weiß, worum es dabei überhaupt geht. Mir scheint zunehmend, sie sucht ein anderes, neues Ufer. Warum nicht das ursprüngliche? Der Zeitgeist mit seinen Verkrümmungen wird dabei gewiss nicht helfen.

Nachdem sie ja globales Lehrgeld bezahlen mußte, hält sich die Kathol. Kirche in politischen Dingen seit Jahren vornehm zurück. Die Vergangenheit holt sie ein. In jeder Beziehung. Dafür ist die Evangel. Kirche in die politische Bresche gesprungen und in traulicher Symbiose mit den Grünen, der BIO-Bewegung sehr ökologischsozial wortstark geworden.

Das Zitat: "Wie bekommen wir mehr Leute in die Kirche" ist ein erschreckender Beweis für Hilflosigkeit und Gedankenlosigkeit. Leute in die Kirche (locken?) ohne Glaube, ohne ein inneres Bedürfnis, ist ein Armutszeugnis. Motorradfahrer-Kirche, Kirche für Hunde und deren Besitzer. Tier-Kirche. Hat es alles gegeben.

Warum stellt denn niemand die Frage: "Welche religiösen Inhalte und wieviel Kirche braucht unsere Gesellschaft?" Oh Schreck lass nach! Denn diese Diskussion würde ganz schnell die AXT an die Hierarchien, an die Wohlfühlatmosphäre, an die Substanz legen. "Zur Rettung der Welt" fordern die Kanzeln von der Politik doch genau diese grundlegende Neubesinnung um dem Wohlstand und dessen Zivilisationsfolgen Schranken aufzuzeigen. Von der Gesellschaft fordern, aber das eigene Kirchen-Glashaus darf selbstverständlich nicht beschädigt werden.

an meinen damaligen Pfarrer, den ich noch aus Kindheitstagen kannte. Mittlerweile bin ich umgezogen und evangelisch geworden.

Was ist mit der Jugend los? ICF, Worship, Gospelhouse, Hillsong.. die haben es aufgegriffen und verstanden. Bei einer dieser Gruppierungen habe ich jedoch gelesen, dass es dort nicht möglich ist, als homosexueller Redner zu werden. Das jedoch schätze ich an der Ev. Kirche! Diese Offennheit. Schade, dass diese nicht in allen Bundesländern so gelebt werden. Auch das Frauen Pfarrerin werden können.

Ich finde es sehr schwer, meine Dienste, meine Begabung (Musik und Erzählungen vom Jakobsweg) der Kirche anzubieten, denn es kommt keine, bis wenig Reaktion. Ich (32, 2 Kinder) möchte die evangelische Kirche aufpeppen, neuen Schwung den Jugendlichen geben. Doch wenn ich 100 Kirchen anschreibe und nichts kommt zurück? Das kann doch nicht sein! Da muss die Kommunikation besser werden! Auch eine Absage ist eine Antwort. Ich kenne auch andere christliche Musiker, deren Kalender nicht voll mit Terminen sind! Die könnten jede zweite Woche wo anders spielen, Deutschlandweit! Eine Plattform dafür, die christliche Künstler vermittelt gibt es seit neuestem, aber wer weiß schon davon? Es wird sich doch keine Kirche fragen, och, wir sollten was für unsere Jugendlichen machen, komm, schauen wir mal, ob wir jemanden kommen lassen. Und nach der Konfiermation sieht man die meisten nicht wieder. Wie traurig ist das denn? Mir hat und gibt die Predigt immer Antworten auf Fragen, die ich für mein Leben habe.
Thema Taufe: Meine Kinder dürfen sich taufen lassen, wenn sie das selber möchten. Wenn sie alt genug dafür sind (mind. 18 Jahre).
Kampagne: Das was ERF Mensch Gott macht finde ich super. Menschen über ihre Erfahrungen reden lassen! Filme darüber machen, was den Leuten passiert ist, was Jugendlichen passiert ist. Wie sie zum Glauben gefunden haben. Das überzeugt!
Jugendfragen: Was mache ich beruflich? Eine der wichtigsten Fragen finde ich. Ich hörte damals in der Kirche: "Mach alles mit ganzem Herzen" und mein Vater meinte, dass ich doch besser Sekräterin werden solle, aber ich wollte selbstsändige Klavierlehrerin werden. Dieser Satz, dem Herzen folgen, der hat mir geholfen, mir Kraft gegeben. Die Jugendlichen sollen bestärkt werden. Das Gottvertrauen soll gestärkt werden. Wenn du eine Absage bekommst, wer weiß, für was es gut ist! Vielleicht war es nicht die richtige Stelle. Einen Partner fürs Leben finden. Geliebt zu werden. Sich selber annehmen und lieben. Das ist es, was mich als Jugendliche am meisten Interessiert hat. Und jetzt? Familie, Kinderturnen, Kindergottesdienst, Musikunterricht. Ich bin über meine kleine Tochter wieder zur Kirche gekommen. Sie wollte unbedingt so eine "Party" besuchen. Ihr gefällt es und mir gibt es meinen Seelen frieden.

Ich bin für eine Veränderung!