E-Mail aus Jakarta: Nach dem Tsunami

Katastrophenjahr
Indonesische Kinder Beten

action press/ZUMA Wire / Zuma Press

Beten für Opfer von Naturkatastrophen – indonesische Kinder lernen das früh

Die Auswirkungen des Erdbebens auf Lombok zeigen sich in den Tagen danach / 080818 *** August 8, 2018 - Medan, North Sumatra, Indonesia - A childs offer pray for earthquake of lombok during an earthquake evacuation drill in Medan, on the western Indonesian island of Sumatra on August 8, 2018. More than 100 people have been confirmed dead after a 6.9-magnitude earthquake hit the Indonesian island, Lombok, and neighbouring Bali which left at least 20,000 people homeless. Based on reports, officials believe that the death toll may rise with aftershocks expected to rattle the area and aid agencies say their priority is to now provide shelter for displaced people. ***

Die Indonesier haben eine Katastrophe nach der anderen zu verdauen. Sie tun es mit Beten und Singen.

Wieder einmal wurden die großen Schriftbanner an den Straßen Jakartas ausgetauscht. Im vergangenen August, nach einem Erdbeben auf der Touristeninsel Lombok, lasen wir: "Beten für Lombok". Im September, nach der Überflutung der Küstenstadt Palu: ­"Beten für Palu". Und nun also: "Beten für Banten und Lampung". Ende Dezember hatte der Tsunami in den 
beiden Provinzen Hunderte Menschen getötet und Ortschaften völlig zerstört.

Jutta Seifert

Jutta Seifert ist Pfarrerin der Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache in Indonesien.          
Privat

Indonesien hat über 129 aktive 
Vulkane und liegt auf dem Pazifischen 
Feuerring. Dort stoßen die Erdplatten 
aufeinander, so dass sich häufig 
Erdbeben und Vulkanausbrüche ereignen. 2018 traf es die Menschen besonders schlimm. Verständlich, dass sie nicht ohne göttliche Hilfe leben können oder wollen. Religion ist in Indonesien öffentlich und allgegenwärtig. Das "Beten für" ist vielen Menschen ein echtes Bedürfnis. ­Manche Christen haben derzeit allerdings ­keinen Ort, wo sie das gemeinsam tun können. Gottesdienste dürfen nicht in Privathäusern gefeiert werden, und manche haben keine Kirche, in die sie gehen können. Der Hintergrund: Seit einigen Jahren dürfen Kirchen nur gebaut werden, wenn die Nachbarn per Unterschrift zustimmen. Das tun sie nicht immer, denn Christen machen nur etwa zehn Prozent der Bevölkerung aus – 87 Prozent sind Muslime.

Für bestehende Kirchengebäude ­müssen die Nachbarn ebenfalls befragt werden. Wenn sie Nein sagen, droht die Schließung. Unsere Auslandsgemeinde hat Glück, wir können in einer großen protestantischen Partnerkirche im Zentrum Jakartas zusammenkommen, die Nachbarschaft ist dort multireligiös und fortschrittlich. Aber einige Gemeinden außerhalb der Städte stehen tatsächlich seit Jahren vor verschlossenen Türen. Angesichts der aktuellen Katastrophen ist ­dies besonders hart: Wo ­beten, wo die Kollekte einsammeln für die Opfer?

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