E-Mail aus St. Petersburg: Winter 2019

Bitter-festlich
Posteingang - St Petersburg

Julia Norsk/iStockphoto

St. Petersburg im Sternenglanz

Posteingang - St Petersburg

St. Petersburg leuchtet - und beleuchtet die Vergangenheit: Vor 75 Jahren endete die Blockade der Stadt

Zurzeit glänzt die Stadt noch mehr als sonst. Unsere Kirche steht an der Prachtstraße Newski-Prospekt, dort hängen Leuchtgirlanden, alle Schaufenster sind geschmückt. Aber auch in meinem Wohngebiet fernab vom Zentrum ist es hell und aufgeräumt, das freut mich. St. Petersburg wächst ständig, dabei wird vielerorts die Infrastruktur verbessert, entstehen Gehwege und Spielplätze.

Weit draußen baut man ganz neue Stadtviertel. Die ­Petersburger sind stolz auf ihre ­"Megapolis", so nennen sie sie oft. Und auch "Kulturhauptstadt". Viele russische Touristen kommen hierher. Und besuchen auch die Orgelkonzerte in unserer frisch renovierten Petrikirche − der größten evangelischen Kirche in Russland. Die ­Orgel ist hier ein seltenes Instrument, in orthodoxen Kirchen gibt es sie nicht.

Michael Schwarzkopf

Michael Schwarzkopf, geboren 1962, ist seit 2013 Pfarrer an der Petrikirche in St. Petersburg. Er ist in der DDR aufgewachsen, hat Mathematik studiert und nach Abschluss des Studiums als Programmierer gearbeitet. Von 1991 an studierte er Theologie in Berlin, Jerusalem und Heidelberg. 2000 wurde er Vikar in Erfurt, 2002 Pfarrer im Thüringer Wald und 2007 Gefängnisseelsorger. Im September 2013 begann mein Dienst als Pastor in der Petrikirche. Als Propst ist er für die lutherischen Gemeinden in der Petrikirche und der St. Katharinenkirche in St. Petersburg, für die Gemeinde in Nowgorod, die Gemeinde in Archangelsk und die Gemeinde in Syktywkar und Uchta zuständig. Seit September 2014 ist er Vertreter des Erzbischofs der Evangelisch-lutherischen Kirche Russlands.  
PRMichael Schwarzkopf

Licht und Klang − beides bietet St. Petersburg reichlich. Und beides braucht man wohl, um mit der leidvollen Geschichte umzugehen. Von September 1941 bis Januar 1944 schloss die deutsche Wehrmacht die Stadt, die damals noch Leningrad hieß, ein, um die Bevölkerung auszuhungern. Über eine Million Menschen starben. Am 27. Januar 2019 ist das Ende der Blockade 75 Jahre her. Gemeinsam mit vielen Vertretern der Stadt wird auch ­unsere Gemeinde Blumen auf dem Piskarjowskoje-Friedhof niederlegen. Der ehemalige Stadtfriedhof ist die zentrale Gedenkstätte für die Opfer. So fängt das neue Jahr hier in St. Petersburg mit einer bitteren, aber auch festlichen Erinnerung an.

Dieses besondere Jubiläum führt mir wieder vor Augen, wie wichtig Frieden und Verständigung zwischen Völkern sind. Wir werden auch 2019 die Kirchentüren aufmachen und zu Begegnungen einladen. Möge das neue Jahr gesegnet sein.

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