Geht doch: Würde für die Toten aus Namibia

In Frieden ruhen
Geht doch - In Frieden ruhen

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Geht doch - In Frieden ruhen

Rituale zeigen, dass die Knochen der Toten viel mehr sind als nummerierte Objekte. Das kann sehr wichtig sein, überall

Die Totenruhe von vier Menschen, die zwischen 2002 und 2005 im Krankenhaus Delmenhorst an Herzversagen gestorben sind, ist kürzlich unterbrochen worden. Sie mussten exhumiert werden, eine schreckliche Angelegenheit. Vor allem für die, die diese Arbeit verrichten.

Und für die Hinterbliebenen. Womöglich waren ihre Angehörigen Opfer eines Mörders, schon diese Vorstellung ist schlimm genug. Nun mussten Friedhofsgärtner die Gräber öffnen, Polizisten die sterblichen Überreste bergen, natürlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit, ein Sichtschutz war aufgerichtet worden. Aber ein Pastor war dabei, Pastor Stephan Meyer-Schürg. Und er war dabei, als die Leichen zurück­gebracht wurden. "Ruhe in Frieden", sagte er.
Warum? Warum traut man der Kirche zu, dass ihr Personal und ihre Rituale einen würdevollen Ablauf gewährleisten? Wahrscheinlich, weil sie es können. "Ruhe in 
Frieden", diese Versicherung tröstet die unruhig Lebendigen. Zu wissen, dass da hinter den Friedhofsmauern jemand über das Ganze wacht, der eine andere Instanz vertritt: ein tröstliches Gefühl. Das Glockenläuten – ein Memento mori. In der Kirche gemeinsam Kerzen anzuzünden – ein Moment des Innehaltens.

"Wenn ich sterbe, lass meine Knochen zurückkehren nach Namibia", sollen Flüchtlinge in den UNHCR-Lagern der 80er Jahre gesungen haben. Bishop Ernst Gamxamûb zitierte das Lied in seiner Predigt, als Ende 
August nach langen Verhandlungen die Überreste von Menschen aus dem damaligen Deutsch-Südwestafrika endlich zurückge­geben wurden. Sie waren getötet worden beim Genozid von 1904 bis 1908, ihre ­Knochen 
waren zum Gegenstand rassistischer Forschung in der Hauptstadt der Kolonialisten geworden.

Jetzt sollten diese Knochen "zurückkehren nach Namibia", eine wichtige, eine heilige ­Sache. Es kommt nicht darauf an, dass es ein lutherischer Pfarrer war, der den Gottesdienst in der Französischen Friedrichstadtkirche in Berlin feierte, es kam darauf an, dass es ein Ritual gab, dass die Knochen nicht einfach als nummerierte Objekte in die Kiste und zur Post gehen. Das kann die Kirche, das geht.

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