Midterms in den USA: eine Analyse

Trump mobilisiert
Warum die Wahlergebnisse in den USA Hoffnung machen

Die Wahlergebnisse in den USA haben die internationalen Experten wahrhaft in eine tiefe Krise gestürzt. Keine der absoluten Prognosen ging in Erfüllung. Die Wahlen der Abgeordneten für das Repräsentantenhaus – und in einigen Bundesstaaten von Senatoren und Gouverneuren – erwiesen sich für das republikanische Lager von Präsident Donald Trump weder als Anlass für Triumphgeheul noch für depressives Schmerzgeschrei.

Arnd Brummer

Arnd Brummer ist  geschäftsführender Herausgeber von chrismon. Von der ersten Ausgabe des Magazins im Oktober 2000 bis Ende 2017 wirkte er als Chefredakteur. Nach einem Tageszeitungsvolontariat beim "Schwarzwälder Boten" arbeitete er als Kultur- und Politikredakteur bei mehreren Tageszeitungen, leitete eine Radiostation und berichtete aus der damaligen Bundeshauptstadt Bonn als Korrespondent über Außen-, Verteidigungs- und Gesellschaftspolitik. Seit seinem Wechsel in die Chefredaktion des "Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatts", dem Vorgänger von chrismon im Jahr 1991, widmet er sich zudem grundsätzlichen Fragen zum Verhältnis Kirche-Staat sowie Kirche-Gesellschaft. Seine besondere Aufmerksamkeit gilt kulturwissenschaftlichen und religionssoziologischen Themen. Brummer schrieb ein Buch über die Reform des Gesundheitswesens und ist Herausgeber mehrerer Bücher zur Reform von Kirche und Diakonie. 
Lena Uphoff

Immerhin eines konnten die vor Fernsehkameras versammelten Politologen, Psychologen und Soziologen feststellen: Die Wahlbeteiligung erreichte einen absoluten Rekordwert. Trump und seine Form der medialen Kommunikation bringen die Bürgerinnen und Bürger zur Stimmabgabe auf die Beine. Logisch, dass der Präsident schon kurz nach Schließung der ersten Wahllokale twitterte. In seinem Tweet zitierte er einen konservativen Publizisten mit dem Hinweis, es sei ein "unglaubliches Glück,  einen solchen Mann an der Spitze" zu haben. Er sei ein "magic man" – ein  Zauberer. Jeden Tag würde er von den etablierten Medien attackiert, "und daraus macht er einen enormen Erfolg".

Lehren für die deutsche Politik?

In Deutschland rätseln derweil die Experten, ob es in den beiden (ehemaligen) Volksparteien CDU/CSU und SPD nicht auch längst jemand geben sollte, der die Leute mit schlichten Worten im Stile von "Wir und die anderen" erreicht. Angela Merkel, so sehr ihr derzeit von vielen Seiten für ihre Arbeit gedankt wird, vermag die sogenannten kleinen Leute ebenso wenig hinter sich zu scharen wie führende Genossen vom Schlage ihres Vizekanzlers Olaf Scholz.

Es scheint eine innere Logik im "global village" – dem weltweit vernetzten Dorf  – zu sein: Je differenzierter und schwerer zu überschauen die komplexe und komplizierte Realität ist, desto größer ist die Sehnsucht nach einer schlichten "Ja-oder-nein!"-Dialektik. Immerhin, so lassen auch die US-Ergebnisse hoffen, können nicht nur die Abgrenzungsverfechter davon profitieren. Auch die Verfechter einer offenen Gesellschaft, die einen rhetorischen Fundamentalismus ablehnen, können Stimmen sammeln. Klarheit tut gut! Gerade auch dann, wenn sie im konsequenten Verzicht auf täglich wechselnde Twitter-Zauberworte gezeigt wird. Also, liebe Demokraten: weiter so! Diversity first! Vielfalt statt Einfalt!

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Der US-Präsident gibt den Bösen - und wir sind die Guten? Wenn es doch so einfach wäre!

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