Kunst und Kirche

Soll der Herr der Fliegen rein?
Streit um ein Kirchenfenster: Ein Kirchenvorstand zeigt Rückgrat

Viel Kritik musste der ­Kirchenvorstand von Hannovers Marktkirche ein­stecken. Das neue, für die Südwand vorgesehene 13 Meter hohe Fens­ter sei hässlich, sagen die 
einen. Fünf riesige Fliegen krabbeln darüber – für den Künstler ein Hinweis auf Beelzebub, den Herrn der Fliegen, nach dem Martin Luther ein Tintenfass geworfen haben soll.

Burkhard Weitz

Burkhard Weitz ist chrismon-Redakteur und zusammen mit Claudia Keller verantwortlich für die Aboausgabe chrismon plus. Er studierte Theologie und Religionswissenschaften in Bielefeld, Hamburg, Amsterdam (Niederlande) und Philadelphia (USA). Er ist ordinierter Pfarrer und Journalist. Über eine freie Mitarbeit kam er zum "Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatt" und war seither mehrfach auf Recherchen in den USA, im Nahen Osten und in Westafrika.      
Lena UphoffPortrait Burkhard Weitz, verantwortlicher Redakteur für chrismon plus

Andere monieren, dass der Künstler Markus Lüpertz in einem chrismon-Interview sagte: Als Künstler und Genie stehe er über Gott. Wieder andere kritisieren den Stifter des Werks, Altbundeskanzler Gerhard Schröder: Er sei ein Putin-Freund. Doch hier geht es um ein Kunstwerk, das auch dann noch zu den Besuchern der Marktkirche sprechen soll, wenn weder Künstler noch Stifter mehr leben. Andere sagen, der Kirchenvorstand habe eigenmächtig entschieden. Tatsächlich aber hat er die Gemeinde mit Infoveranstaltungen gut in den Prozess eingebunden.

Zu guter Letzt stellt sich nun auch der Stiefsohn des Architekten quer, der die Marktkirche nach dem ­Zweiten Weltkrieg neu aufbaute. Sie sei ein eigenständiges Bauwerk, reklamiert der Erbe, das Urheberrecht liege bei ihm. Und Bunt­fenster widersprächen der intendierten Schlichtheit des Raums. Auch das bremst den Kirchenvorstand nicht. Er will nun gerichtlich prüfen lassen, ob diese Argumente stechen. Respekt für so viel Geradlinigkeit!

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Lesermeinungen

Schröder ist nicht nur ein lupenreiner Freund von Autokraten und Teil der Niedersachsen-Connection mit VW und Maschmeyer. Er ist auch bekennender Gottloser. Auch die Hybris des Beelzebub-Gestalers kommuniziert Gottlosigkeit.
Das ist als bourgeoise Kunst-Religion nach Rudolf Bohren das genaue Gegenteil von Glaube an Jesus Christus. Herr Schröder und Herr Lüpertz können für die Fenster eines Neoliberalismus-Tempel spenden. Passt auch besser zu Hannover. Den gesamten Marktkirchenvorstand können sie gleich mitnehmen.