Kirchentag und AfD

Der weiße Elefant
Der Kirchentag will keine AfD-Politiker auf ein Podium einladen. Das ist falsch

Beim Kirchentag 2019 in Dortmund wird es sicher auch um Rechtspopulismus gehen – aber ohne AfD. Die wird wie ein weißer Elefant im Raum stehen. Denn das Kirchentagspräsidium hat entschieden, keinen AfD-Vertreter auf ein Podium einzuladen. Dem Kirchentag gehe es ums Zuhören, aber er wolle nicht Herrn Gauland zuhören, sagte Kirchentagspräsident Hans Leyendecker zur Begründung. Dabei hat der Berliner Bischof Markus Dröge vergangenes Jahr beim Kirchentag in Berlin bei einer Diskussion mit einer AfD-Politikerin ziemlich gut vorgeführt, wie man rechtspopulistische Argumente entkräften kann. Das wäre auch für 2019 der bessere Weg gewesen. Zumal der Kirchentag hätte bestimmen können, mit wem er sprechen will. Es muss nicht der hetzende Björn Höcke sein.

Claudia Keller

Claudia Keller ist Chrismon-Redakteurin und zusammen mit Burkhard Weitz verantwortlich für die Aboausgabe chrismon plus. Sie hat Geschichte und Literaturwissenschaft in Köln und in den USA studiert und war viele Jahre Redakteurin beim "Tagesspiegel" in Berlin. Sie interessiert sich für religiöse und ethische Fragen und schreibt gerne über Auf- und Umbrüche des Lebens. Einmal ist sie bei Recherchen sogar zufällig auf ein Geheimnis in der eigenen Familie gestoßen und hat einen Bruder gefunden, von dem sie nichts wusste.
Lena UphoffPortrait Claudia Keller

So bleibt der Eindruck, dass das Christentreffen vor allem dazu da ist, dass sich die linken und liberalen Protestanten gegenseitig in ihren Meinungen und Haltungen bestärken. Das Motto des Dortmunder Kirchentags "Was für ein Vertrauen" lösen sie so nicht ein. Allzu groß kann das Vertrauen nicht sein, wenn man sich den Gegnern nicht stellt und sich lieber in die eigene Welt zurückzieht. 

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Lesermeinungen

Das ist gut so, dass der Kirchentag bzw. das Kirchentagspräsidium Flagge zeigt und der AfD keine Plattform für ihre rechtspopulistischen Phrasen bietet. Liebes Präsidium lasst Euch nicht irre machen. "Vertrauen" für eine rechtspopulistische Partei einzufordern ist doch pervers! Wir brauchen Vertrauen für eine starke Demokratie und nicht für rechte Entwicklungen in unserem Land!