Lernen von der Diakonie. Bahnfahrt mit Kindern

"Ist doch ganz gut: so ein 
bisschen Leben im Zug!"
Karin Kratz arbeitet ehrenamtlich in der Bahnhofsmission Bremen

Tine Casper

Karin Kratz arbeitet ehrenamtlich in der Bahnhofsmission Bremen

Karin Kratz arbeitet ehrenamtlich in der Bahnhofsmission Bremen

Menschen aus der Diakonie helfen weiter. Diesmal: Wie viel Kind kann ich den anderen Bahnfahrern zumuten?

chrismon: Das Kleinkindabteil war ausgebucht – nun sitze ich morgen lange mit den Kindern im Großraumwagen. Ich brauche Filme und Bücher, oder?
Karin Kratz: Damit sie sich nicht langweilen?

Und anfangen zu nölen oder zu toben und die anderen Fahr­gäste nerven. Davor graut’s mir.
Gejammer und Streiterei höre ich auch nicht gern. Aber Kinder sind nie geräuschlos – warum sollten sie auch? Fröhliche Kinderstimmen stören mich überhaupt nicht.

Sehen nicht alle so. Ich ermahne die Kinder deshalb bei Zug­reisen oft, leiser zu spielen und nicht so viel herumzulaufen.
Dabei werden Sie immer gestresster, weil der ganze Wagen mitkriegt, ob Ihre Kleinen gut ­erzogen sind. Wenn die Eltern so angespannt sind, ist der Familienkrach nicht mehr weit. Und der nervt dann wirklich.

Aber Kinder müssen doch ­lernen, Rücksicht zu nehmen.
Natürlich. Aber weder Sie noch Ihre Kinder wissen genau, ob und womit sie die anderen wirklich stören. Vielleicht finden die es ja auch gut, dass mal ein bisschen Leben im Zug ist. Einmal turnten zwei Mädchen in einem Regionalzug am Gestänge und schmetter­ten Lieder. Die Leute drum herum lachten mit ihnen und hatten sichtbar Spaß.

Karin Kratz

Karin Kratz arbeitet ehrenamtlich bei der ökumenischen Bahnhofsmission in Bremen und begleitet einmal monatlich Kinder auf der Strecke Köln-Hamburg. Die meisten sind Scheidungskinder, die zu einem Elternteil fahren. Kids on Tour ist ein Angebot der Bahnhofsmission in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn AG.
Tine CasperKarin Kratz arbeitet ehrenamtlich in der Bahnhofsmission Bremen


Aber davon kann ich ja nicht ausgehen.
Genießen Sie die Fahrt als Familie, spielen und reden Sie miteinander, laufen Sie mal durch den Zug – und behalten Sie die Mit­reisenden einfach mit im Blick. Wenn Sie den Eindruck haben, ­jemand fühlt sich gestört, können Sie ihn fragen. Aber eigentlich ­erwarte ich von einem Erwach­senen, dass er sich selbst äußert.

Wie denn?
Am besten wendet man sich direkt an die Kinder. Und sagt ihnen im sachlichen Ton, dass es stört, wenn sie mit den Füßen gegen die Rückenlehne stoßen zum Beispiel. Meiner Erfahrung nach nehmen sich Kinder das zu Herzen. Sie wollen ja niemanden ärgern.

Sie begleiten einmal im Monat allein reisende Kinder von Köln nach Hamburg. Was haben Sie immer dabei?
Malutensilien und zwei, drei Spiele. Die ersten zwei Stunden brauche ich nichts davon. Da ­sitzen alle an den Smartphones und Tablets. Ab Münster reden sie ein bisschen miteinander. Und in der letzten Stunde hole ich "Uno" raus. Zieht fast immer.

 

Infobox

Vater und Mutter wohnen in zwei Städten? Ehrenamtliche von Kids on Tour der Bahnhofs­mission begleiten vor allem Trennungskinder zwischen 6 und 14 Jahren auf langen Zugstrecken.

 

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