Geht doch: 100% Strom aus erneuerbaren Ressourcen in Tokelau

Energiewende im ganzen Land
Tokelau ist die erste Nation, die 100% erneuerbare Energie für ihre täglichen Bedürfnisse verwendet. Die Anwohner nutzen Elektroautos, um die Inseln zu befahren.

Vlad Sokhin/laif

Eine Solarstation auf der Insel Fenua Fala, Tokelau. Die Anwohner nutzen Elektroautos, um die Inseln zu befahren.

Eine Fakaofo-Solarstation auf der Insel Fenua Fala. Alle drei Atolle von Tokelau sind mit Sonnenenergie bedeckt. Die Anwohner nutzen Elektroautos, um die Inseln zu befahren.

Und die nutzen die Bewohner klug. Das Südsee-Atoll war das erste Land, das komplett von grüner Energie lebt

Im Palmenschatten schauen die 1400 Bewohner des südpazifischen Tokelau-Atolls jetzt Tag und Nacht fern – wenn sie wollen. Die Jugendlichen lernen online Fremdsprachen, und wenn die Fähre alle zwei Wochen kommt, lädt sie nicht mehr Dieseltanks, sondern Gefrierschränke ab. Vor 2012 war daran nicht zu denken: Da hat das Land die zittrigen Dieselgeneratoren durch 4032 Solarmodule und Akkus ersetzt hat. Durch sie hat das Atoll rund um die Uhr Strom und ist ein Vorreiter: Das Land lebt komplett von "grüner Energie". Einmal im Jahr kommt Shane Robinson von der Firma aus Neuseeland und wartet mit den örtlichen Angestellten die Anlage. Um neun Uhr morgens sind die Speicher zu 75 Prozent geladen. "Das ist gut, das ist normal", sagt Shane. 1000 Bleisäureakkus sind es, die auch mehrere Regentage überbrücken.

Inzwischen produziert auch Island komplett sauberen Strom – dank Geothermie. Die kanarische Insel El Hierro und La Réunion im indischen Ozean sind fast ganz grün und überall in Europa versorgen sich Dörfer selbst mit sauberem Strom. Alle zeigen, dass man keine Angst vor bewölktem Himmel oder dem Blackout haben muss. Ideale Bedingungen hatte keines der Beispiele. Aber Politik, Bevölkerung und Unternehmen haben sich zusammengetan, ein stringentes Konzept umgesetzt und nutzen die Ressourcen klug.

Deutschland, das Land der Ingenieure, will bis 2050 umsatteln. Im Moment decken die Erneuerbaren etwas mehr als ein Drittel des Strombedarfs. Aber: Der Ausstieg aus der Kohleenergie stockt, Parteien wie die CSU ignorieren Branchentage, und überhaupt: "In dem Tempo schafft Deutschland seine Ziele nicht", sagt Dr. Simone Peter, Präsidentin des Bundesverbandes Erneuerbare Energie. Dafür müsste die Politik die Bedingungen konstanter halten, um den Unternehmen Sicherheit für ihre Investitionen zu geben. Peter beobachtet starke Zögerlichkeit: Das Potenzial von Batterien werde noch unterschätzt, es fehlten der Mut zur Dezentralisierung und starke Visionen zum Beispiel für den Verkehr, sagt sie. "Diese Gesellschaft weiß, was zu tun ist, aber es muss auch getan werden."

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