Lernen von der Diakonie: "Immer nur den Faden durchtrennen, nicht den Stoff"

"Mit einer kleinen Zange etwas zusammendrücken"
Frau Barati bei der Arbeit in der Schneiderei/Kreativwerkstatt am 3.7.2018 im Diakonischen Werk des Evangelischen Regionalverbandes in Frankfurt am Main

Sandra Schildwächter

Wajma Barati, 46, Schneiderin, verheiratet, kam vor zwölf Jahren aus Kabul und hat bei uns keinen Job gefunden

Frau Barati bei der Arbeit in der Schneiderei/Kreativwerkstatt am 3.7.2018 im Diakonischen Werk des Evangelischen Regionalverbandes in Frankfurt am Main

Menschen aus der Diakonie helfen weiter. Diesmal: Die langzeitarbeitslose Näherin weiß, wie man einen Zipper repariert

chrismon: An meiner Jacke geht der Reißverschluss immer wieder auf: Die Zähnchen lösen sich voneinander. Kann ich da was reparieren?

Wajma Barati: Vielleicht ist der Schieber ausgeleiert. Das ist das kleine Teil, das man über die Zähnchen hoch- und runterzieht. Probieren Sie mal, ihn mit einer kleinen Zange etwas zusammenzudrücken. Von den Seiten oder auch von oben ein bisschen. 

An meiner Sporttasche dagegen klemmt der Reißverschluss . . .

Wajma 
Barati

Wajma 
Barati ist Schneiderin. Sie ist verheiratet, kam vor zwölf Jahren aus Kabul und hat 
bei uns 
keinen Job gefunden.
© Sandra SchildwächterFrau Barati bei der Arbeit in der Schneiderei/Kreativwerkstatt im Diakonischen Werk des Evangelischen Regionalverbandes,
Manche tropfen da ein bisschen Wachs drauf, dann läuft der ­Schieber wieder besser drüber.

Sie nicht?

Na ja, lange wird das nicht helfen. Ich würde eher einfach einen ­neuen Reißverschluss einnähen.

Mit der Nähmaschine?

Es geht auch ohne. Sie brauchen nur eine Nähnadel, Faden und ­einen neuen Reißverschluss. Den gibt’s im Kaufhaus, Kurzwarenabteilung. Nehmen Sie die Jacke unbedingt mit, damit Sie die richtige Länge und Farbe kaufen.

Okay, aber das Nähen?

Trennen Sie die Nähte um den ­alten Reißverschluss vorsichtig auf. Immer nur den Faden durch-
trennen, nicht den Stoff! Heften Sie den neuen Reißverschluss erst mal an, mit groben Stichen oder Stecknadeln. Dann nähen Sie ihn fest: von oben Stich für Stich mit ruhiger Hand in gerader Linie nach unten. Der Abstand zu den Zähnchen muss gleich bleiben.

Hm . . . Ist es nicht doch besser, ich gebe das in eine Änderungsschneiderei? Oder hole mir gleich eine neue Jacke?

Das wäre einfacher, ja. Aber wenn Ihr Herz an dem Stück hängt? Dann tut es das noch mehr, wenn Sie Zeit hineingegeben haben.
Sie haben früher in Ihrer eigenen Schneiderei in Kabul Festkleider genäht. Ist die Arbeit in der Änderungsschneiderei jetzt nicht langweilig für Sie?
Es tut mir gut, überhaupt zu ar­beiten. Termine haben, andere Menschen treffen, deutsch sprechen, etwas lernen. Ich habe lange gesucht nach einer Stelle, aber nichts gefunden. Ich habe dabei das Vertrauen verloren, dass ich etwas kann. Hier kriege ich das wieder. Und ich finde es sinnvoll, Kleidung zu flicken, anstatt sie wegzuschmeißen. Egal wie billig neue Sachen sind.

Stopfen Sie noch Ihre Socken?

Nein. Ich könnte das. Aber da ­finde ich dann auch, es lohnt sich nicht mehr.

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