Ausstellung: Juden, Christen und Muslime im Dialog

"Die Brücke, das waren die Religionen"
Aussenansicht Martin-Gropius-Bau Berlin

Michael Day/flickr

Der Martin-Gropius-Bau in Berlin

Martin-Gropius-Bau Berlin

Eine Ausstellung im Martin-Gropius-Bau in Berlin über den wissenschaftlichen Dialog zwischen Juden, Christen und Muslimen zeigt: Es gab einen regen Austausch über die Religionsgrenzen hinweg.

chrismon: Welche Rolle spielte die Religion im Dialog der jüdischen, christlichen und muslimischen Wissenschaftler damals?

Andreas Fingernagel: Die Religion durchdrang alle Lebensbereiche, im Judentum, Christentum und Islam. Daher das gemeinsame Interesse an der Astronomie: Diese klärte, wann Pessach, Ostern und Ramadan zu feiern sind. Das waren wichtige Fragen: Für die Christen, um die beweglichen Festtage, insbesondere das Osterfest, festzulegen. Den Muslimen halfen die Astronomen, die Gebetsrichtung und die Ausrichtung der Gräber nach Mekka zu ermitteln.

Andreas Fingernagel

Andreas Fingernagel ist Leiter der Handschriften- und Nachlasssammlung der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien und kuratiert die Ausstellung.
Ingrind Oentrich/Östereichische Nationalbibliothek

Begegneten Religionsvertreter den Wissenschaften auch mit Skepsis?

Ja, der Anatomie. Das Sezieren von Leichen war in keiner der Religionen wirklich akzeptiert. Es gab einen Grundkonsens, dass der menschliche Körper unversehrt bleiben müsse. 
In Padua wurde Studenten das Sezieren erst im 15. Jahrhundert ausdrücklich erlaubt.

Trafen sich Wissenschaftler unterschiedlicher Religionen zu Debatten?

Ja, vor allem im siebten und achten Jahrhundert in Bagdad. Da wurde in akademieähnlichen Vereinigungen auch über die Religionen gesprochen. Leider ist von solchen Diskussionen wenig überliefert.

Soll Ihre Ausstellung zeigen: So einen Dialog der Religionen bräuchten wir heute?

Wir stellen Handschriften und ihre Über­setzungen aus. Diese machen aber deutlich, dass ein Austausch über alle Grenzen hinweg möglich ist, wenn Leute eine gemeinsame Idee haben, tolerant sind und die Leistung anderer anerkennen. Das gilt natürlich auch heute.

Infobox

Mehr zur Ausstellung Juden, Christen und Muslime auf der Seite vom Martin-Gropius-Bau

 

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