Bibelhaus sagt Ausstellung über Schriftrollen aus Israel ab

"Bedauerliche Entscheidung"
Schriftrollen aus Qumran

Wikipedia, gemeinfrei

Schriftrollen aus Qumran

Schriftrollen aus Qumran

Das Frankfurter Bibelhaus hatte für 2019 eine Sonderausstellung mit Schriftrollen aus Qumran geplant. Doch die Bundesrepublik wollte bei Schriftrollen, die aus dem von Israel besetzten Westjordanland stammen, nicht garantieren, dass sie nach Ende der Ausstellung zurück geschickt werden, falls die palästinensische Autonomiebehörde Anspruch darauf erhebt

chrismon: Die Qumran-Rollen kommen nicht nach Frankfurt. Was ist schiefgelaufen?

Jürgen Schefzyk: Ich habe eine Leihliste an die israelische Antikenverwaltung ge­geben. Darauf waren auch Schriftrollen aus ­Qumran. Für die wollte die Behörde ­eine rechts­verbindliche Rückgabezusage der Bundes­republik, damit sie die Leihobjekte nach der Ausstellung sicher wieder zurück­erhalten.

Das hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst hat aber in Rücksprache mit der Bundesregierung keine Zusage ausgestellt.

Jedenfalls nicht für die Objekte aus dem umstrittenen Westjordanland. Jordanien oder die palästinensische Autonomiebehörde ­hätten Anspruch auf die Rollen erheben können. ­Also haben wir eine neue Liste geschickt, ­ohne die kritischen Schriftrollen.

Aber?

Die israelische Behörde wollte immer noch eine pauschale Immunität für Objekte aus Israel, ohne dass die besetzten Gebiete benannt werden. Also hat sie abgesagt. Eine politische Entscheidung, mehr sage ich dazu nicht.

Jürgen Schefzyk

Jürgen Schefzyk, Jahrgang 1955, ist Theologe und Direktor des 
Bibelhaus-Erlebnismuseums in Frankfurt am Main.
PR

Warum machen Sie die Ausstellung nicht mit Leihgaben aus anderen Ländern?

Eine Ausstellung über Schriftrollen vom ­Toten Meer ohne eine einzige Leihgabe aus Israel kann ich nicht verantworten.

Sie bereiten die Ausstellung seit langem vor. Warum kam die Absage erst jetzt?

Wir haben die Anfrage schon vor über zwei Jahren gestellt und hätten uns gewünscht, dass das schneller geht.

Hat Sie die Absage überrascht?

Ich war verwundert. Bei jedem Antrag besteht das Risiko, dass er nicht bewilligt wird. Ich bedauere die Entscheidung, aber ich respektiere sie.

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