E-Mail aus Finnland

Das bringt 2018 ... in Helsinki
Posteingang - Deutsche Evangelisch–Lutherische Gemeinde in Helsinki, Finnland

Mikko Muinonen

This Neo-Gothic church from 1864 belongs to the Helsinki German Congregation.

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Auslandspfarrer Matti Fischer ist Kriegsdienstverweigerer - und wird 2018 bei einer Gedenkfeier für deutsche Soldaten sprechen müssen

Klingt erstmal merkwürdig: 2018 wird Finnland (auch) deutsche Soldaten feiern. Der Grund: Der finnische Bürgerkrieg jährt sich zum hundertsten Mal. Von Januar bis Mai 1918 kämpften die bürgerlichen „Weißen“ gegen die sozialistischen „Roten“ um die Macht im gerade unabhängig gewordenen Finnland. Im April griffen Soldaten aus Norddeutschland ein. Sie unterstützten die Weißen und sorgten dafür, dass diese schließlich den Sieg davontrugen. Die Dankbarkeit der Finnen ist bis heute groß. Ein Mahnmal steht mitten im Zentrum von ­Helsinki, hinter unserer deutschen Kirche. Im November 2018 wird es dort eine Gedenkfeier geben. Für mich als deutschen Pastor und Kriegsdienstverweigerer eine Herausforderung, die richtigen Worte zu finden.

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Lesermeinungen

Guten Tag,
als ehemaliger Marineoffizier erlaube ich mir, einige Bemerkungen zu machen
1. Historische Unkorrektheit
Die "Militärs" hatten sehr wohl mit dem Kriegseintritt der Vereingten Staaten (zu ungenau: Amerikas) gerechnet. Man glaubte in großer Überschätzung der eigenen Fähigkeiten, den Krieg durch den uneingeschränkten Einsatz von Unterseebooten gewonnen zu haben, bevor sich der Eintritt der USA in den Krieg auswirkte.

2. Grundskepsis der Kirche gegenüber dem Militärischen
Die habe ich selbst erlebt, als sich Pastoren bzw. Pastorinnen der nordelbischen Kirche weigerten, Trauungen durchzuführen, bei denen der Bräutigam in Uniform erschien. Weiterer Kommentar dazu ist überflüssig.

3. Evangelische Militärseelsorge
Warum soll diese "immer wieder kritisch diskutiert" werden ? Haben Soldaten weniger Anspruch auf Militärseelsorge ? Nein, denn sie sind wie kaum jemand anders in das Dilemma gestellt, gegen Gottes Gebot handeln zu müssen, um sein gebot zu erfüllen, das heißt eventuell Menschen Schaden zufügen zu müssen, um größeren Schaden für Menschen zu verhindern.
Was daran und an dem Vorigen "gut zu sehen" sein soll, erschließt sich mir nicht.

Mit freundlichen Grüßen,
Ihr
Urs Heßling

Sehr geehrter Herr Heßling, Gottes Gebot ist also dergestalt, dass man es brechen muss, um es zu erfüllen. Das könnte einen Hinweis darauf geben, worum es sich bei Gottes Gebot und Gott selber handelt.

Beim Militär ist die Angelegenheit hingegen eindeutig geklärt: Befehlen muss gehorcht werden. Sonst kommt die Staatsgewalt nicht durch mit ihren Absichten. Auch das könnte einen Hinweis darauf geben, worum es sich beim Staat und seinem Militär handelt.

Traugott Schweiger

Sehr geehrter Her Schweiger,
Sie schrieben "Befehlen muß gehorcht werden."
Das ist - so absolut - nicht richtig.
Die Regelung dazu ist klar:
[Zitat] "Soldatengesetz, § 11 Gehorsam
(1) Der Soldat muss seinen Vorgesetzten gehorchen. Er hat ihre Befehle nach besten Kräften vollständig, gewissenhaft und unverzüglich auszuführen. Ungehorsam liegt nicht vor, wenn ein Befehl nicht befolgt wird, der die Menschenwürde verletzt oder der nicht zu dienstlichen Zwecken erteilt worden ist; die irrige Annahme, es handele sich um einen solchen Befehl, befreit den Soldaten nur dann von der Verantwortung, wenn er den Irrtum nicht vermeiden konnte und ihm nach den ihm bekannten Umständen nicht zuzumuten war, sich mit Rechtsbehelfen gegen den Befehl zu wehren.
(2) Ein Befehl darf nicht befolgt werden, wenn dadurch eine Straftat begangen würde. Befolgt der Untergebene den Befehl trotzdem, so trifft ihn eine Schuld nur, wenn er erkennt oder wenn es nach den ihm bekannten Umständen offensichtlich ist, dass dadurch eine Straftat begangen wird." [Ende Zitat]
Es gibt also beim militärischen Gehorsam ein "muß", ein "muß nicht" und ein "darf nicht".
Das bedeutet: Hier ist, wie vor Gott, der Mensch, als Vorgesetzter und als Untergebener, nach seinem Gewissen gefragt.
Mit freundlichem Gruß
Ihr
Urs Heßling

Da haben Sie völlig recht, dass für den ordentlichen Gehorsam gegenüber vermeintlichen und tatsächlichen Machthabern das Gewissen eine sehr wertvolle Rolle spielt. Nichts Schöneres und Folgenreicheres als mit reinem Gewissen Gehorsam leisten! Dieses reine Gewissen in der Firma und beim Militär ist freilich bisweilen nur unter Gewissensqualen zu haben. Damit da nichts anbrennt, gibt es den Betriebspsychologen und den Militärpfarrer.

Man stelle sich nur vor, die lieben Zeitgenossen ohne und mit Uniform würden auf das Gewissen pfeifen! Dann käme ihnen vielleicht in den Sinn, dass das treue Schuften in der Firma und das pflicht- und soldatengesetzgemäße vom Leben zum Tode bringen beim Militär gar nicht in ihrem Interesse ist. Der Verzicht auf das Gewissen könnte unabsehbare Folgen haben. Deshalb ist für den gesicherten Fortbestand der Gehorsamsbereitschaft im zivilen und im militärischen Bereich Gewissensbildung, Gewissenspflege und Gewissensschärfung unerlässlich. Die Einzelheiten dazu regeln dann die Soldaten-, Betriebsverfassungs- und Schulgesetze. Pfarrer, Lehrer und Journalisten sind berufsmäßig in die Gewissenspflege eingebunden, engagierte Leserbriefschreiber stoßen aus freien Stücken in dasselbe Horn. Was soll da noch schief gehen?

Traugott Schweiger