Lutherbibel 2017: "und machet zu Jüngern alle Völker" oder "Darum gehet hin und lehret alle Völker"

Angst vor Mission? Sollen Christen nur lehren und nicht bekehren?
Lehren statt bekehren: Eine Änderung in der revidierten Lutherbibel, die Evangelikale verärgert. Matthäus 28,19: "Darum gehet hin und lehret alle Völker" - vorher stand da "und machet zu Jüngern alle Völker".

Diese Änderung in der neuen Lutherbibel verärgert viele, die den Taufbefehl anders kennen. Denn der Befehl, Menschen zu Jüngern zu machen, werde nun abgeschwächt. Man traue sich nicht mehr zu missionieren. Ein Gegner der Wendung lehret alle Völker argumentierte in der Nachrichtenagentur idea so: Zwar habe schon Luther lehret sie übersetzt, wie auch die lateinische Bibel Vulgata (docete). Doch im griechischen Urtext sei nicht bloß Wissensvermittlung gemeint, sondern ein verbindliches Lehr- und Lebensverhältnis zwischen Jünger und Meister.

Christoph Kähler

Christoph Kähler, Jahrgang 1944, leitet die Revision der Lutherbibel. Der Theologie­professor für Neues Testament war bis 2009 ­Bischof in Mitteldeutschland (zuvor Thüringen) sowie Stell­vertretender EKD-Ratsvorsitzender  
Jan-Peter Kasper/FSUDie Lutherbibel im Lebensalltag - Feier zum 70. Geburtstag von Landesbischof i.R. Prof. Dr. Christoph Kähler am 20.05.2014 an der Universität Jena. Foto: Jan-Peter Kasper/FSU

Bei der Überarbeitung der Lutherbibel sind wir nicht deshalb zum Wortlaut von 1545 zurückgekehrt, weil die Mission in Verruf geraten ist. Im Gegenteil: Muslime fordern uns heute ja heraus zu sagen, was wir glauben. Der Grund ist ein anderer: Wenn Menschen Schüler Jesu werden gehören drei dazu: Eine Person predigt, eine hört, und der Geist, der dieses Lebensverhältnis schafft. Christen sind dabei seine Helfer, aber sie machen keine Jünger. Ob ihre Predigt ankommt, darüber entscheidet der Heilige Geist. Das wird wohl auch Luther so gesehen haben.

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.