Geht doch! Ökonomische und soziale Integration in Uganda

Diesmal: Flüchtlinge integrieren
Bidi Bidi in Uganda

Aus dem kleinen Dorf Bidi Bidi im Norden Ugandas ist die größte Flüchtlingssiedlung der Welt geworden

picture alliance/Stand alone photo

Flüchtlinge sind eine Last? Nicht unbedingt! In Uganda bekommen sie Land und Baumaterial, damit sie schnell auf eigenen Beinen stehen

Rostrote Erde, Schirm­akazien, Rinder mit geschwungenen Hörnern, die im hohen Gras weiden, und kleine Bauerndörfer wie Bidi Bidi: Bis vor wenigen Jahren war der Norden Ugandas dünn besiedelt. Dann trieb der Bürgerkrieg im Südsudan fast eine Mil­lion Flüchtlinge ins Land, und Bidi Bidi wuchs auf fast 300 00 Einwohner an - zur größten Flüchtlingssiedlung der Welt. 

Das ostafrikanische Land geht pragmatisch mit den Neuankömmlingen um. Innerhalb weniger Tage werden sie registriert, bekommen Land, eine Arbeitserlaubnis und dann: Holz, Steine und Werkzeug zum Hausbau. Nach kurzer Zeit können sie Hirse, Mais oder Maniok anbauen, auf den Märkten verkaufen und sind nicht mehr auf Lebensmittel­hilfen angewiesen. Uganda betreibt ökonomische und soziale Integration im Eiltempo. 

Obwohl es langsam eng wird, kommt es kaum zu Konflikten mit den Einheimischen. Viele Ugander wissen, was Exil be­deutet, sie haben in den 1970er und 1980er Jahren selbst fliehen müssen – vor den Gewaltherrschern Idi Amin und Milton Obote. Die Offenheit zahlt sich aus: Eine Studie hat herausge­funden, dass jeder Flüchtlingshaushalt, der Land erhalten hat, die lokale Wirtschaft stärkt.

Klar, in Deutschland könnte man mit einem Hektar Land, ein paar Brettern und Saatgut nicht viel anfangen. „Asylverfahren deutlich beschleunigen, den Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtern und eine stabile Tätigkeit vermitteln sind aber auch für Deutschland sinnvolle Schritte“, sagt Wido Geis vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln. Er hat untersucht, wie Flüchtlinge besser in Deutschland verteilt werden könnten. Sein Rat: Geflüchtete nicht in überlasteten Ballungszentren unterbringen, sondern dort, wo es eine gute Arbeitsmarktperspektive und genug Wohnraum gibt. Das ist zwar kein Selbstläufer, aber eine Chance. Die neuen Bundesländer leiden etwa unter Überalterung, Landflucht und zu wenig Auszubildenden. Uganda zeigt: Flüchtlinge müssen keine Bürde sein.

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