G20 in Hamburg - Friedensdemo statt Zerstörung

Sinnlose Gewalt oder gesellschaftlicher Aufbruch?
So geht es auch: Friedliche Demonstration zu G20 in Hamburg

Dorothea Heintze

So geht es auch: Friedliche Demonstration zu G20 in Hamburg

So geht es auch: Friedliche Demonstration zu G20 in Hamburg

Der G20 Gipfel in Hamburg ist vorbei – doch die Bilder im Kopf, die bleiben – erst recht für die Hamburger, die alles aus nächster Nähe mitbekommen haben.

Denke ich an die letzten Tage, dann dominieren diese Bilder und Erinnerungen: Brennende Autos; schwer bewaffnete Polizisten;  marodierende Plünderer.

Als Hamburgerin mit einer Wohnung in der Hafencity war ich während des Gipfels mittendrin im Geschehen. Straßensperren, Sirenengeheul und kreisende Hubschrauber über dem Haus. Egal, mit wem ich sprach: Alle Gespräche drehten sich um diese Fragen: Woher kommt diese Gewalt? Hat die Polizei eine Mitschuld an der Eskalation? Warum distanzieren sich die Autonomen nicht klarer von diesen Gewalttätern?

Dorothea Heintze

Dorothea Heintze ist Redakteurin bei chrismon. Sie ist mitverantwortlich für den den Onlineauftritt und schreibt dazu gerne für die unterschiedlichsten Rubriken im Heft. Neben der Tätigkeit bei chrismon arbeitet sie als freie Autorin für Radio, Printmedien und als Buchautorin und engagiert sich seit Sommer 2014 als Gründungsmitglied von ProQuote Medien für mehr Frauen an der Spitze in den deutschen Medien. Sie lebt mit ihrer Familie in Hamburg und pendelt regelmäßig nach Frankfurt.   
Lena UphoffDorothea Heintze
Dabei gab es so viele andere Bilder: Friedlich protestierende Yoga-Frauen; „lieber tanz-ich-als-G20“-Gruppen oder fröhlich vor sich hincornernden Freunde am Fischmarkt mit Weinfläschchen und Baguette auf der Campingdecke. Ganz besonders schön sind die Erinnerungen an den ökumenischen Gottesdienst des kirchlichen Bündnisses „global.gerecht.gestalten“. Eine vollgestopfte Katharinenkirche, Gäste aus aller Welt, fetzige Musik, fröhliche Protestsymbolik, kämpferische Predigten.

„Jede Krise, der wir uns gegenübersehen – sei es die Schuldenkrise, die ökologische Krise, Terrorismus oder Genmanipulation, kommt aus unserem Mangel an moralischer Energie; aus dem verkrüppelten moralischen Wachstum im Angesicht solch fortgeschrittener technologischer Kräfte“  rief der katholische Bischof von Barbados, Charles Jason Gordon, von der Kanzel herab und forderte uns auf, die schreiende Ungerechtigkeit der Welt nicht widerspruchslos zu akzeptieren. Und er zitierte die Jahreslosung, das Motto des Gottesdienstes (Ezechiel 36,26):„Gott spricht: Ich schenke Euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in Euch. Ja, ich nehme das versteinerte Herz aus eurer Brust und gebe euch ein lebendiges Herz".

Und dann ging es raus auf die Straße zu den beiden friedlichen Groß-Demos und zu Bill de Blasio, dem New Yorker Bürgermeister, der in seiner mitreißenden Abschlussrede der Demonstration „Hamburg zeigt Haltung“ ebenfalls dazu aufrief, aktiv zu werden: „Das sind nur 20 Menschen“, rief er uns zu: „Ihr hier seid tausende. Werdet aktiv! Ihr seid nicht machtlos!“

Was bleibt mir in Erinnerung von den letzten Tagen? Es müssen nicht die Bilder sinnloser Gewalt sein – es können auch die Bilder von Mut, Aufbruch und gesellschaftlichem Wandel sein. Es liegt an mir!  

Leseempfehlung

"Global. gerecht. gestalten" heißt das kirchliche Aktionsbündnis zum G20-Gipfel in Hamburg. Es organisiert Podien, Diskussionen, Gottesdienste und will dadurch den Staatengipfel „konstruktiv begleiten“

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Lesermeinungen

Das würde ich ähnlich sehen, abgesehen von dem diffusen hybriden Ding, das wie dichte Nebelschwaden über allem schwebt und mit dem Begriff "gesellschaftlicher Wandel " bezeichnet wird.
"Mut und Aufbruch" sehe ich auch nicht. Die Leute gehen auf die Strassen, und sitzen weniger vor dem Fernsehen. Das ist aufregender. Oder ist etwa die Presse freundlicher geworden ?
"Mut und Aufbruch" wozu und wohin, frage ich ? Weg vom Sofa, `raus auf die Strasse, laut einem protestantischen Motto ?
Nett sein ist so ziemlich das letzte, was ich von der Presse erwarte.
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Eine Stadt, die sich von Massenmottos lenken lässt, ist wie ein Grashalm im Wind, leicht zu erschüttern. Das hat Hamburg eindeutig demonstriert. Ich wünschte mir das Gegenteil, nämlich eine Stadt, die sich nicht beeindrucken lässt.
Ist Stabilität nicht wichtiger, als ein Revolutzerdasein ? Demokratie als ein Leben im Aufruhr ?
Und nach einem solchen Trubel schmeckt der Urlaub um so besser !
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Was bewegt die Menschen ? Ihr Selbstbewusstsein ? Dieses hat sie schon immer bewegt.
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Eine Kirche, die Selbstkritik üben kann, ist besser, als eine, die stets die Wogen zu glätten versucht.