Geht doch! Aussterbende Städte retten auf Sizilien

Diesmal: Neue Menschen fürs Land
Stadtansicht Gangi in Sizilien

Michele Ursino

Kleine Steinhäuser schmiegen sich um einen Berg und man kann den Ätna sehen

Travelling toward Gangi

Signor Di Marco hält eine Euromünze hoch. Mehr musste er nicht für sein Stadthaus im siziliani­schen Gangi bezahlen. Klar, bei dem einen Euro ist es nicht geblieben. Wie alle anderen Neubürger musste Di Marco sich verpflichten, das historische Haus innerhalb von drei Jahren zu res­taurieren. Das war teuer. Aber er hat es geschafft. Ein Bürger mehr für Gangi. Kleine Steinhäuschen schmiegen sich um einen Berg, es gibt Kirchen und eine Burg und man kann den Ätna sehen. Ein Idyll.

Trotzdem hatte Gangi die Hälfte seiner Einwohner verloren, viele Junge waren weggezogen, die Älteren starben weg. 12 000 Menschen lebten einmal hier, 6000 sind es noch, im Zentrum standen vor einigen Jahren noch 600 Häuser leer. Da hatte Bürgermeister Giuseppe Ferrarello eine Idee: Er vermittelte leerstehende Häuser für sehr wenig Geld an neue Besitzer. Aus aller Welt zogen Menschen nach Gangi, die Handwerker freuen sich über die Aufträge, die Läden über die Touristen, die nun wieder in das lebendige Städtchen reisen. Seit 2014 hat Ferrarello 200 Häuser vermittelt. Die Einwohnerzahl ist stabil. Landflucht gestoppt. Kann das auch bei uns klappen?

Geldgeschenke allein reichen nicht, sagt Martin Born. An der Universität Vechta sucht der Professor nach Strategien, Dörfer wieder attraktiv zu machen. „Dank der Erfahrungen von Gemeinden wie Lüchow – dort bauten Bürger ein Dorfgemeinschaftshaus und eine Schule – wissen wir, dass ein wichtiger Faktor die Menschen sind, die Initiative zeigen, Netzwerke bilden, Kunst und Kultur fördern, kreative Bürgermeister – und staatliche Förderungen.“ Auch Bildung und Kinderbetreuung sind wichtig, wie das Dorf Freienseen im hessischen Vogelsberg zeigt. Nur 800 Menschen leben hier, aber es gibt einen Waldkindergarten und Krabbelgruppen für die Kleinen. Kinder können zu Fuß in die evangelische Grundschule gehen, die der Pfarrer mit Eltern gegründet hat. „Certo!“, würde Bürgermeister Ferrarello wohl sagen, gewiss! Am wichtigsten aber seien die Bürger: Mehr als 400 Freiwillige helfen ihm, das Dorf zu gestalten, damit es wieder wachsen kann.

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