Der Reformationstruck in Ungarn

Alles im Lot
Reformationstruck in Sopron

REFORMATION 2017

Reformationstruck in Sopron

Der Platz ist leicht abschüssig. Wir hatten das nie bemerkt, doch die Wasserwaage zeigt es. Die Helfer glätten kurz vor der feier­lichen Eröffnung noch die letzten Unebenheiten. Man beschafft einige Holzbretter, dann ist alles im Lot. Der weit gereiste Reformationstruck steht auf einer abgesperrten Straße, und jetzt auch in der Waagerechten. Erstmals nach langen grauen Tagen zeigt sich auch die Sonne.

Der himmelblaue Truck macht Station an einer der Wiegen der Reformation in Ungarn. Das ursprünglich deutschsprachige Sopron, beziehungsweise Ödenburg, ragt wie ein Sporn in österreichisches Staatsgebiet hinein. Der Franziskanerpater Christoph predigte hier bereits ab 1522 im Sinne lutherischer Lehren. 1565 gründete sich unsere Gemeinde als erste lutherische in ganz Ungarn. In Sopron war seither ausnahmslos ­jeden Sonntag eine evangelische Predigt zu hören. Auch als im 17. Jahrhundert die Katholiken alle Gebäude zurückbekamen. Die Lutheraner feier­ten dann unter freiem Himmel, auch bei Regen, was uns den Spitznamen „nasse Lutheraner“ einbrachte.

Zu unserer zweisprachigen Gemeinde gehören heute etwa 4000 ­Menschen. Das ist nicht selbstverständlich. Durch den Zweiten Weltkrieg und die Vertreibung der Ungarndeutschen – 1941 waren es in Sopron noch 30 Prozent – brach uns mehr als die Hälfte der Gemeinde weg. Unter dem kommunistischen ­Regime wurden die Gebäude verstaatlicht und die Kirchengemeinden bewusst geschwächt. Und heute, beim Festgottes­dienst zum ­Besuch des Reformationstrucks, ­dieses deutliche Zeichen, dass es trotzdem weitergeht: Unsere Kinder- und Jugendgruppen singen. Die Jüngsten haben sich frohgemut in die vorderste Kirchenbank gesetzt. Ein echtes Hoffnungsbild.

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.