Hyperinflation in Venezuela

Das Essen ist knapp wegen "Maduro-Diät"
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AFP/Getty Images

Hoffen, dass es noch was gibt: Warteschlange vor einem Supermarkt in Caracas

People queue to buy basic food and household items outside a supermarket in Caracas, on September 28, 2016.
Venezuela is in a highly tense political crisis, with the South American oil-exporting nation slammed by low crude prices, inflation, food shortages and violence. / AFP / FEDERICO PARRA / TO GO WITH AFP STORY BY MARIA ISABEL SANCHEZ: 'Therapists busy fighting Venezuela's emotional crisis' (Photo credit should read FEDERICO PARRA/AFP/Getty Images)

Lebensmittel und Medikamente horten? Alltag im bankrotten Venezuela. Es wird dramatisch
Deutschland spricht 2019

Neulich auf dem Sportplatz. Es ging nur um ein paar Butterbrote und süßen Li­mettensaft für ein kleines Sportfest, aber wir standen über eine Stunde mit anderen Eltern zusammen, um die Verpflegung für unsere Kinder zu organisieren. Weiß jemand, wo es bezahlbares Brot gibt – auch nächste Woche noch? Wer stellt sich wo an? Wer hat Bekannte, über die man an andere Lebensmittel kommen kann? ­Seitdem brummt es kräftig in der extra gegründeten WhatsApp-Gruppe.

Das ist unsere venezolanische Gegenwart in Zeiten von 500 Prozent Inflation. Im vergangenen Januar waren es noch 100 Prozent. Den Menschen geht es schlecht. Ökonomen rechneten aus, dass ein Venezolaner pro Tag einen US-Dollar zur Verfügung hat, davon kann niemand leben. Immer wieder erschrecke ich, wenn mir bekannte Gesichter auf einmal abgemagert und eingefallen entgegenschauen. ­Die Venezolaner nehmen auch diese Tragödie mit Humor und sprechen von der neuen „Maduro-Diät“, nach dem Staatspräsident Nicolás Maduro. Aber es wird immer dramatischer.

Die Gründe sind bekannt: Venezuela lebt vom Erdölexport, jetzt treibt der Preisverfall das Land in Richtung Pleite. Die Regierung hat versäumt, irgendeine Vorsorge zu treffen, die Einnahmen in den guten Jahren verteilt, verbraucht oder sonstwem zugesteckt. Jetzt ist die Not groß, wenn Schulden beglichen werden müssen und frische Devisen kaum das Land erreichen. Anstehende Wahlen wurden verschoben, und ein Referendum zur Amtsenthebung des unbeliebten Präsidenten im Keim erstickt. Daran haben auch vom Vatikan moderierte Gesprächsrunden zwischen Regierung und Opposition nichts geändert.

Was uns bleibt, ist die Eigeninitiative: Wir stopfen bei jeder Reisemöglichkeit Koffer mit Medikamenten voll oder lassen Kisten mit Lebensmitteln ins Land schiffen. Mit Unterstützung der Botschaften, des Gustav-Adolf-Werkes, der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und unseren benachbarten Auslandsgemeinden werden wir auch in diesem Jahr diakonisch helfen können. Das gibt uns Mut.   

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