Margot Käßmann über das Verhältnis zu Russland

Nicht wieder Kalten Krieg!
Wer für eine Aussöhnung mit Russland ist, auf den prasseln antirussische Reflexe nieder. Warum eigentlich?
Margot Käßmann

Foto: Bettina Flitner

Warum eigentlich tun wir uns mit Russ­land so schwer? Ich erinnere mich daran, dass in meiner Jugend das je eigene Verhältnis zu den USA zum Thema der Auseinandersetzung wurde. Meine Eltern hatten „die Amerikaner“ als Befreier erlebt. Sie waren heilfroh, nach Flucht und Vertreibung in der amerikanisch besetzten Zone gelandet zu sein und haben beide nach dem Krieg bei der US-Armee Arbeit gefunden. Präsident John F. Kennedy war ihr Held.

Als wir Jüngeren uns angesichts des Vietnamkrieges und später in der Nato-Nachrüstungsdebatte kritisch gegenüber der Politik der USA äußerten, empfand die Elterngeneration das als despektierlich. Wer Amerika kritisierte, bekam nicht selten ein „Dann geh doch rüber!“ an den Kopf geworfen und damit war die DDR gemeint, beziehungsweise alles, was unter dem Regime der Sowjets zu leiden hatte.

1989 änderte sich die Tonlage. Wie groß war die Hoffnung, dass der Ost-West-­Gegensatz ein Ende nehmen, Russland nun Teil Europas würde! Michael Gorbatschow wurde unser Held. Ungarn öffnete die Grenzen, die friedliche Revolution in Ostdeutschland fegte die Mauer hinweg, ­Polen wurde zum guten Nachbarn.

Glaube und Sehnsucht nach Demokratie verbindet Christen

Und heute? Kaum rät Außenminis­ter Frank-Walter Steinmeier von einem „Säbelrasseln“ des Westens gegenüber Russland ab – sofort prasseln antirussische Reflexe auf ihn nieder. Wer erklärt, Russland gehöre doch am Ende zu Europa, wird mit Kritik an Präsident Wladimir ­Putin konfrontiert, als sei Putin das eigentliche Russland. Und wer fragt, ob US-geführte Militärmanöver in der Westukraine friedensdienlich sind, wird schnell als naive Russlandversteherin abgestempelt. 

Natürlich gehören Europa und Russland zusammen. Mich fasziniert immer wieder, dass die Grenze der EU vor dem Beitritt von Rumänien und Bulgarien etwa die ­Grenze darstellt, die um 1054 Ost- und West­kirche voneinander trennte. Bis heute sind sich Ortho­doxie und das abendländische Christen­tum, römischer Katholizismus und die Kirchen der Reformation manches Mal fremd. Und doch verbindet viele Christen der Glaube, die europäische Geschichte und auch die Sehnsucht nach Demokratie, nach einem Leben in Freiheit und mit der Gewährung der individuellen und sozialen Menschenrechte. 

Ich wünschte, die Debatte würde aus den Verwerfungen herauskommen und das Gemeinsame betonen. Ja, die Besetzung der Krim war völkerrechtswidrig. Nein, Wladimir Putin ist kein lupenreiner Demo­krat. Aber das lässt sich von Herrn Trump, Herrn Orban und so manchen anderen auch nicht behaupten. 

Vielleicht können unsere Kirchen ja Brücken bauen. Wir kennen uns doch seit Jahrzehnten aus vielen Gesprächen, zum Beispiel im Ökumenischen Rat der Kirchen und durch viele bilaterale Beziehungen. Da ist bei aller Differenz Vertrauen ge­wachsen. „Aussöhnung mit den Völkern der Sowjet­union“ – das war in den 80er Jahren ein umstrittenes und mit Hochspannung diskutiertes Thema bei evangelischen Kirchen­tagen. Heute geht es um Aus­söhnung zwischen Europa und Russland, ja zwischen Europa Ost und West. 

„Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein“, haben die Kirchen der Welt 1948 in Amsterdam formuliert. Wir sollten alles daran setzen, einen neuen Kalten Krieg, noch viel mehr einen realen Krieg zu vermeiden und den Konfliktherd Krim schnellstmöglich befrieden. Ohne Manöver, ohne Säbelrasseln, aber mit ­Diplomatie, Vernunft und Menschen, die Erfahrung haben in Mediation und Konfliktbewältigung.

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Lesermeinungen

Liebe Leserin, lieber Leser,

vielen Dank für Ihre vielen Reaktionen auf meine Kolumne in chrismon1/2017. Mir war klar, dass allein das Thema "Verhältnis zu Russland" Rückmeldungen hervorruft. Wie heftig diese Reaktionen zum Teil sind und wie unterschiedlich, hat mich aber doch überrascht. Die Leserbriefe reichen von absoluter Zustimmung bis zu vehementer Ablehnung. Das zeigt, wie bei gleicher Faktenlage auch Emotionen im Spiel sind bei diesem Thema. Interessant ist für mich, dass die Zustimmung primär aus Ostdeutschland kommt, die scharfe Kritik primär aus Westdeutschland. Da spielt also auch unsere unterschiedliche Erfahrung vor 1989 eine Rolle. Bei meinem Satz: "Ich wünschte, die Debatte würde aus den Verwerfungen heraus kommen und das Gemeinsame betonen" bleibe ich, ebenso bei meinem Wunsch, dass die Kirchen eine positive Rolle beim Brückenbauen spielen könnten.

Da es mir nicht möglich ist, jeden Brief und jede Mail einzeln zu beantworten, kann ich Ihnen hiermit nur danken, denn chrismon ist ein Magazin, dem daran liegt, Diskussionen anzustoßen. "Selber denken" ist ein zentrales Anliegen der Reformation und genau das brauchen wir auch heute. So bin ich überzeugt, die chrismon-Redaktion wird diesen Themenstrang weiter begleiten und somit Diskussionsplattform für ein wichtiges Thema sein.

Mit freundlichem Gruß

Margot Käßmann

Appelle zum Frieden brechen anscheinend immer ungenehmigt in die klar strukturierten Tagabläufe vor und nach der ARD-Tagesschau. Ich erinnere an den Appell Antje Vollmers und Horst Teltschiks namens >Wieder Krieg in Europa? Nicht in unserem Namen!< (04.12.14), unterschrieben von 60 Persönlichkeiten von Pastor Schorlemmer über Christoph Hein, Klaus Maria Brandauer, Mario Adorf, Roman Herzog, Manfred Stolpe, Walther Stützle uvam. Aber diesen Appell kennt keiner, denn er wurde den Christen im Lande und den tapferen Medien-Konsumenten gern verschwiegen. Logisch, man traut ihnen allen nicht, denn sie könnten sich eines Tages mal aus 'Unser Glaube sei eine feste Burg' hervorwagen und dann den Mangel an standfesterer Friedens-Rhetorik fürchten. Der Tag hat ja bei dem Ausdruck 'Schuld haben immer die anderen' - halt festere Struktur. Demokratie benötigt Bürger, die sich auch einmal an mehr als einer Quelle von Information anhängen. Aber der Konflikt zwischen These und Antithese scheint ja einigen Christen wirklich schlicht zu anstrengend. ... Oder wie es ein Jenaer Soziologieprofessor unserem Land nun kritisch attestiert: Der Grad der sittlichen Verwahrlosung betrifft alle Bereiche und alle Altergruppen in der Bundesrepublik. Auch ist mir nicht einleuchtend, dass das 21.JH das Jahrhundert von Glaube statt Aufklärung sein solle. Da denke ich nun mit 59 Lebensjahren über Kirchenaustritt nach. Die Ordensritter, die hier den wiederum mutigen Appell Frau Kässmanns, niederlanzen wollen, zeigen mir eine fürchterliche Uneinsichtigkeit meinungsstarker Christen über ihr Denken und Tun. Wir sind wahrlich tief in der mittelalterlichen Scholastik versunken. Gott, lass Hirn herab. Hans-Jörg Kramer, Rostock

Ein russischer Freund von mir hatte schon mehrmals Ärger mit dem Geheimdienst in Moskau. Er wurde dort schon von „Patrioten“ verprügelt und als „antirussischer Vaterlandverräter“ beschimpft, nur weil er wichtige Dinge mutig ausspricht, die Frau Käßmann nicht erwähnt.

Ich frage mich, wo Frau Käßmann eigentlich steht, wenn sie neckisch schreibt: „Nein, Putin ist kein lupenreiner Demokrat.“ Ist er in ihren Augen ein Demokrat, nur kein lupenreiner?

Warum sagt sie nicht, dass er ein verlogener Diktator ist, der für schwere Menschrechtsverletzungen und die Zerstörung der Demokratie in Russland verantwortlich ist?

Wie Frau Käßmann bin auch ich ein Friedensfreund. Deshalb habe ich auch gegen Putins Kriege gegen Tschetschenien, Georgien und die Ukraine in der Öffentlichkeit protestiert.  Sieht Frau Käßman in solchen Aktionen die von ihr kritisierten „antirussischen Reflexe“ oder warum hat sie nie daran teilgenommen oder dazu aufgerufen? Versöhnung mit Russland wünscht nicht nur sie sich, sondern eigentlich alle, aber es ist doch offensichtlich, dass Putin nur unter seinen Bedingungen mit dem Westen kooperieren will. Wie unversöhnlich Putin letzen Endes ist, kann man an seinem Propagandakrieg  für Marine Le Pen und gegen Angela Merkels Politik erkennen  und z.B. auch daran, dass Organisationen, die mit westlicher Unterstützung in Russland Aids-Prävention betreiben, zu „ausländischen Agenten“ erklärt werden.

Hat der Dauerregent Putin schon jemals auf berechtigte Kritik des Westens positiv reagiert? Frau Käßmann plädiert für „vernünftige Diplomatie“, so als wäre diese eingestellt worden oder nie vorhanden gewesen. Sie befürwortet „Mediation“ und „Konfliktbewältigung“. Das klingt schön, aber ich fürchte, mit Psychotherapie kommt man bei Putin nicht weiter.

Die von Frau Käßmann unterstützte Friedensbewegung hat sich in den 80er Jahren klipp und klar gegen neue Raketen der USA in Deutschland ausgesprochen und nach deren Stationierung den Abzug gefordert. Was hindert Frau Käßmann daran, sich jetzt genauso klar gegen russische Raketen, Panzer und Soldaten in der Ostukraine auszusprechen?

Die kommen dort übrigens zum mörderischen Einsatz, ohne dass die Nato mit Gegengewalt antwortet. Russland hat im Donbass eine humanitäre Katastrophe geschaffen. Über 10.000 Tote und über eine Million Flüchtlinge schon jetzt und wer weiß, was ohne die Sanktionen und die Androhung ihrer Verschärfung mit der Ukraine geschehen wäre. Die von Putins und Assads Luftwaffe gezielt zerstörten Krankenhäuser in Syrien lassen grüßen.

Till Brandt

Dauerregent Putin hat nicht den Irak-Krieg geführt.
Dauerregent Putin hat nicht den Libyen-Krieg geführt.
In Folge dieser beiden Kriege wurden Hunderttausende Christen vertrieben, und die meisten aus dem Irak siedelten nach 2003 nach Syrien über, falls sie überhaupt noch dazu in der Lage waren.
Syrien war bis 2010 für Christen im arabischen Raum quasi ein Paradies.
Dass islamistische Terroristen dort die anfangs sicherlich berechtigten Demonstrationen kaperten und seitdem einen blutigen Bürgerkrieg gegen die legitime Regierung führen, und sich die syrische Armee verständlicherweise gegen diese islamistischen Terroristen zur Wehr setzt, ist doch völlig normal.
Seltsam ist nur, dass Sie, Herr Brandt, die Gräueltaten der Islamisten mit keinem Wort erwähnen. Das lässt tief blicken.
Und Feldlazarette aus Russland wurden massenhaft in Aleppo eingerichtet.

Gerne können Sie sich nähere Informationen von christlichen Augenzeugen vor Ort zu Gemüte führen, vielleicht mäßigen Sie dann Ihre Ausdrucksweise etwas.
https://linkezeitung.de/2016/10/21/interview-mit-monsignor-joseph-tobij-...
oder
https://www.berlinjournal.biz/pater-daniel-maes-syrien-medienluege/

Zur Krim nur so viel: In jedem anderen Staat der Welt wäre die Wiedervereinigung der Krim mit Russland als Wiedergutmachung kommunistischen Unrechts erklärt worden - basta.
Oder wie bitteschön, ist denn die Krim einstmals Teil der Ukraine geworden?

Zur Ostukraine: Wenn die Bevölkerung im Teil eines Landes ein riesiges Problem mit der Zentralregierung hat, so kann es Aufruhr geben.
Historisch kennen wir das z. B. im Baskenland (ETA) oder im Kosovo (UCK).
Die Basken haben halt Pech gehabt und keinen eigenen Staat bekommen.
Die Kosovo-Albaner dagegen haben Glück gehabt, denen wurde ihr eigener Staat herbeigebombt, die UCK war plötzlich keine Terrororganisation, sondern eine Befreiungsbewegung. Kein Problem mit deren Gräueltaten.
Wieso wir uns jetzt in der Ukraine wieder eindeutig gegen eine Autonomie stellen, verstehe, wer will. Ach ja, ich vergaß, wir sind ja immer für die Russenhasser.

In Zeiten, in denen sich die Feinde der freiheitlichen Demokratie in den USA und Russland verbrüdern, fragt Margot Käßmann ihre deutschen Leser: „Warum eigentlich tun wir uns mit Russland so schwer?“ und warnt vor einem neuen Kalten Krieg. Dabei führt Putins Russland einen Krieg gegen den Westen, auch als Cyberwar durch Angriffe auf westliche Computernetze (was Schlimmes für die nächste Bundestagswahl befürchten lässt). Und seit 3 Jahren lodert in der Ukraine sogar ein heißer Krieg, der mehr als 10.000 Menschenleben gefordert hat und durch noch so viele diplomatische Bemühungen bisher nicht beendet werden konnte.

Warum kommt man in Gesprächen mit Russland auf keinen gemeinsamen Nenner? Weil „die Sehnsucht nach Demokratie, nach einem Leben in Freiheit und mit der Gewährung der individuellen und sozialen Menschenrechte“, die Käßmann als gemeinsame Basis voraussetzt, von den Machthabern in Russland nicht geteilt wird. Der Kreml-Philosoph Alexander Dugin bewundert vielmehr den italienischen Faschismus, für ihn hat alles Unglück der Welt mit der Ächtung von Gewalt und der Erfindung von Freiheit und Gleichheit angefangen. Kein Wunder, dass er sich mit Trumps Chefberater Steve Bannon versteht, der es ebenfalls auf die Zerstörung der freiheitlichen Demokratie abgesehen hat. Für Dugin ist der Ost-West-Konflikt beendet, der Westen neige sich gen Osten, nach Moskau, dem »dritten Rom«.

Nach Käßmann sollen die Kirchen „Brücken bauen“. Offensichtlich meint sie die evangelischen Christen in Deutschland und die russisch-orthodoxe Kirche, die das System Putin segnet, den russischen Nationalismus religiös verklärt und den Hass auf ein angeblich gottloses Europa und die Verteidiger der Menschenrechte schürt. Mit dieser russischen Orthodoxie, die wegen der Ordination von Frauen und der Bewertung der Homosexualität mit dem Austritt aus dem Ökumenischen Rat der Kirchen droht, sehe ich genauso wenig Möglichkeiten zur Verständigung wie mit den Vorreitern der rechten Weltrevolution.

geehrte Frau Käßmann,

bitte erlauben Sie mir, auf Ihren Beitrag „Nicht wieder Kalten Krieg!“ in chrismon  02.2017 zu erwidern.

Ich habe Sie als beeindruckende Vertreterin des evangelischen Christentums persönlich erlebt und weiß, dass Sie sich zu Fragen von Krieg und Frieden schon in der Vergangenheit  sehr kritisch geäußert haben.

Ich  weiß das und respektiere  Ihre pazifistische Grundhaltung, ohne Sie zu teilen. Trotz alledem  stimmt mich Ihr Beitrag besorgt. Sie klagen, dass Sie für Ihre Forderung nach Aussöhnung mit Russland  scharfe Kritik ernten und alles daran setzen sollten, einen kalten Krieg zu verhindern.

Aber wie kann Sie die Sorge vor dem Kalten Krieg umtreiben, wenn der heiße Krieg doch längst vor unseren Augen in der Ukraine tobt?

Wir alle haben leider erkennen müssen, dass die Vorstellung, dass Krieg in Europa nach dem Fall des Eisernen Vorhangs unmöglich geworden ist, ein Trugschluss war. Die Annexion der Krim und der blutige Krieg in der Ukraine führen uns das deutlich vor Augen. Ein Krieg, der ohne Russland nie begonnen hätte und ohne Russland morgen schon zu Ende wäre. Was für ein Fortschritt wäre erzielt, wenn der heiße Krieg in der Ukraine nur noch ein kalter Krieg wäre.

Sie fordern eine Versöhnung mit Russland. Ich sehe nur keinen Konflikt, der der beiderseitigen Versöhnung bedürfte. Dieser Krieg wird von Russland auch nicht heißen Herzens sondern mit kaltem Verstand und ohne Skrupel geführt.   Ich sehe eine russische Staatsführung, die Krieg als Mittel der Politik entschlossen in Europa und außerhalb einsetzt. Ich sehe  große Sorgen bei unseren Nachbarn in Polen, Litauen, Lettland und Estland, die leidvolle Erfahrungen gemacht haben, wenn immer Deutschland und Russland sich über deren Köpfe hinweg verständigt haben. Dort herrscht keine Angst vor einem Kalten Krieg, sondern vor Erpressung und heißem Krieg. Ich fürchte, Ihr Beitrag  wird dort die Sorgen nur größer machen.  Ich hoffe mit Ihnen, dass mit Diplomatie und Vernunft der Krieg möglichst bald beendet werden kann, fürchte aber, dass dies auf dem Weg, den Sie vorschlagen nicht zu erreichen ist.

Mit freundlichen Grüßen

Sven Berger

Die bisherigen Kommentare weisen Frau Prof. Käßmann auf die von den Putin-Regierungen begangenen Vertragsverletzungen und geführten Eroberungskriege hin. Die aber stehen in einer historischen Kontinuität von den nationalistischen Expansionsbestrebungen des zaristischen Russland über den leninistisch-kommunistischen Imperialismus der Sowjetunion zum heute wieder nationalistisch-orthodoxen Russland unter Putin. Diese historische Kontinuität wird gestützt von der inneren Verbindung von orthodoxer Kirche, russischem Volk, russischer Nation und Kultur.

Im Verständnis der russischen Orthodoxie ist die Ukraine historisch orthodoxes Ursprungsgebiet, das „zwangskatholisiert“ wurde, und auch von daher werden die militärischen Aktionen der russischen Regierung in der Ukraine gerechtfertigt. Auf den Zusammenhang von russischer Nation und orthodoxer Kirche berufen sich sowohl Gefolgsleute Putins als auch kommunistische Parteiführer. Die Formel „Putin ist nicht Russland“ macht es sich gar zu einfach: Die breite Unterstützung Putins in der russischen Gesellschaft ist nicht allein Folge von Medienmanipulation. Sind diese Zusammenhänge an Frau Prof. Käßmann vorbeigegangen? Und wenn sie an die Kirchen appelliert, über den Ökumenischen Rat Brücken zu bauen: War es nicht Frau Käßmann selber, die vor etwa zwei Jahrzehnten resigniert ihre Funktionen im Ökumenischen Rat aufgegeben hat, weil ihr der Diskurs mit der orthodoxen Kirche zu anstrengend oder vergeblich schien? Vielleicht möchte sie jetzt wieder dort einsteigen, wo sie damals das Brückenbauen abgebrochen hat!

Dr. Winfried Heidemann, Bochum

Ich erinnere kurz an das Versprechen, was Kohl und Bush Gorbatschow zur dt. Wiedervereinigung gegeben haben: der Westen wird sich niemals weiter nach Osten bewegen. Und sie einer guck, die NATO wandert Land für Land weiter nach Osten! Und die Ostukraine besteht zu 80 % russisch stämmigen Menschen. Das Putin sich nicht vom Westen vorführen läßt ist für mich keine Überraschung.

Aus: Die WELT vom 9.11.2014
Gorbatschow zerstört Legende der Putin-Versteher
Ein weiteres Geschenk Gorbatschows an die Deutschen: Zum 25-jährigen Jubiläum des Mauerfalls bezeugt der Ex-Staatschef, dass der Westen mit der Nato-Osterweiterung keine Absprachen verletzt hat.
…..
Die Legende von der überdehnten Nato
Hartnäckiger in Erinnerung, weil von interessierter Seite mit Fleiß am Leben erhalten, bleiben dagegen andere Narrative der Spaltung. Zum Beispiel die Fama von der angeblichen Erbsünde des Westens nach dem Mauerfall:
Dieser habe das Nato-Bündnis ausgedehnt, obwohl es anders versprochen war – und damit dem sowjetwunden Russland absprachewidrig das Schwert direkt vor die Tür gesetzt und so den bis zum heutigen Tage fortwährenden Furor des gescheiterten Imperiums provoziert.
"Das ist tatsächlich ein Mythos", widersprach der frühere sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow am Wochenende im ZDF der Darstellung, ihm sei in Gesprächen über die deutsche Vereinigung ein Verzicht auf Osterweiterung der Nato zugesagt worden. "Die Frage stellte sich damals gar nicht", im Jahre 1990 bei den Verhandlungen zum Zwei-plus-vier-Vertrag, so Gorbatschow.
"Das ist tatsächlich ein Mythos"
Man habe sich schließlich auf die völkerrechtliche Souveränität Deutschlands verständigt. Und für ein souveränes Land könne man nun einmal keine Bündnisfestlegungen treffen. "Das können nur die Deutschen selbst entscheiden", so Gorbatschow.
Wie andere auch, so muss man dieser Logik folgend hinzufügen: die Polen, die Rumänen, die Tschechen, die Bulgaren – wer auch immer sonst noch ein souveräner Staat ist. Wer also das Blutvergießen heute am Rande des implodierten russischen Völkergefängnisses als Fluch böser Nato-Tat hinstellt, hat einen berufenen Kronzeugen gegen sich – auch dort, wo dieses Wochenende nicht Lampions, sondern wieder russische Artilleriefeuer den Grenzverlauf markieren.

Paul Haverkamp, Lingen

"Die Saat der aktuellen Krise um die Ukraine, sagt die US-Historikerin Mary Sarotte, wurden vor knapp 25 Jahren gesät. Die Sowjetunion verhandelte mit dem Westen im Februar 1990 über die Bedingungen der deutsche Wiedervereinigung: Die Rolle der Nato war dabei ein entscheidender Aspekt. Hat der Westen den Sowjets damals versprochen, die Verteidigungsallianz in Zukunft nicht zu erweitern? War das der Preis für die Wiedervereinigung Deutschlands? Und wurde dieses Versprechen später gebrochen, wie es heute Wladimir Putin kolportiert?

Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl sprach zu der Zeit, in diesen chaotischen Jahren des Umbruchs, sehr oft mit dem sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow. Und Außenminister Hans-Dietrich Genscher setzte sich mit seinem Kollegen Eduard Schewardnadse zusammen. Beide Deutsche sicherten dabei zu, so belegen es die zahlreichen Dokumente, dass die Nato ihr Einflussgebiet nicht nach Osten ausweiten werde, nicht einmal auf das Gebiet der - dann bald ehemaligen - DDR.
Keinen Zentimeter nach Osten

Auch James Baker, der amerikanische Außenminister, machte ähnliche Zusagen, wie US-Historikerin Sarotte herausgefunden hat: Keinen Zentimeter werde sich die Nato nach Osten bewegen, sagte Baker in den Gesprächen. Und Michal Gorbatschow vertraute diesen Zusicherungen. Schließlich erlaubte er die Wirtschafts- und Währungsunion der DDR mit der Bundesrepublik Deutschland: Der Grundstein der deutschen Wiedervereinigung war gelegt."

Nach dem Lesen der Leserbriefe zu dem Kässmann-Artikel schlage ich eine Umbenennung vor:

kässmon statt chrismon .

Nein, Frau Käßmann, es sind nicht die von Ihnen bemühten „antirussischen Reflexe“, die auf Russland niederprasseln, wenn man das „System Putin“ auf das Heftigste kritisiert.

Ich möchte Sie, Frau Käßmann, daran erinnern, dass – Ihre Friedensbemühungen in allen Ehren – nachprüfbare Fakten einer ausschließlich einer Gesinnungsethik entsprungen Grundsätze diametral entgegenstehen. Es wäre verantwortungslos, gefühlte Moralprinzipien den Notwendigkeiten einer Verantwortungsethik zu opfern.

Um mich selber nicht dem Vorwurf einer „ideologischen Einstellung“ auszusetzen, liste ich im Folgenden nur Fakten auf. Der aufmerksame Leser wird schnell merken, dass diese Fakten (!) mit „antirussischen Reflexen“ nichts, aber auch gar nichts zu tun haben.

• Völkerrechtswidrige Annektion der Krim (2014)

• Putin versorgt den Krieg in der Ostukraine mit Waffen und Soldaten ständig aufs Neue (Beispiel für eine hybride Kriegsführung)

• Entgegen internationalen Absprachen stehen Putins Soldaten seit Jahren in Abchasien, Transnistrien und Südossetien. Transnistrien und Südossetien wird nur von Russland, Nicaragua, Venezuela und Nauru (einer Koralleninsel mit etwa 10.000 Einwohnern in Mikronesien) anerkannt; das sagt alles über die von Russland geschaffenen Verhältnisse.

• Als Putin aber 1999 russischer Premierminister wurde, startete er den 2. Teschetschenien-Krieg. Die russ. Armee zerstörte die tschet. Hauptstadt Grosny vollständig. Wie der erste, fordert auch der 2. Tschetschenienkrieg ca. 80.000 Todesopfer. Der vom tschet. Volk 1997 unter OSZE-Aufsicht gewählte Präsident Maschadow wurde von Spezialeinheiten des russ. Geheimdienstes 2005 ermordet.

Putins Politik basiert auf dem Bruch internationaler Verträge:

a) In der auch von Russland (Sowjetunion) unterschriebenen Charta der Vereinten Nationen heißt es in Art. 2, 3 wörtlich: „Alle Mitglieder legen ihre internationalen Streitigkeiten durch friedliche Mittel so bei, dass der Weltfriede, die internationale Sicherheit und die Gerechtigkeit nicht gefährdet werden.“

b) Die Sowjetunion hat die Schlussakte von Helsinki unterschrieben. Die unterzeichnenden Staaten verpflichteten sich in dieser Absichtserklärung zur Unverletzlichkeit der Grenzen, zur friedlichen Regelung von Streitfällen, zur Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten sowie zur Wahrung der Menschenrechte und Grundfreiheiten.

c) Prof.Dr. Heinrich August Winkler formulierte die Vertrauensbrüche Russlands wie folgt: „…im Dezember 1990, wurde die Charta von Paris von allen 34 Staaten der damaligen Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa unterschrieben, auch von Gorbatschow. In dieser Charta steht: "Die Demokratie ist unsere gemeinsame Staatsform, wir werden sie pflegen und weiterentwickeln. Wir werden nationale Souveränität und territoriale Integrität der Mitgliedsstaaten immer respektieren ..." Dieses Papier hat Putin leider zerrissen bzw. die damalige sowjetische Unterschrift zurückgezogen. Das können wir kurzfristig nicht ändern. Aber wo immer von Russland Völkerrecht verletzt wird – auf brutale Weise verletzt wird wie im Fall der Annexion der Krim –, muss der Westen einerseits sagen: "Das können wir nicht akzeptieren!"

d) Russland hat 1994 im Budapester Memorandum der Ukraine, Kasachstan und Weißrussland territoriale Integrität und nationale Selbstbestimmung rechtsverbindlich zugesagt – und diese Zusage gebrochen.

Paul Haverkamp, Lingen

Nein, Herr Haverkamp, es sind nicht die von Ihnen bemühten „Fakten“, die auf Frau Prof. Dr. Käßmann niederprasseln, wenn man ihre Ansichten auf das Heftigste kritisiert. Die von der Grund- über die Journalisten- bis zur Hochschule gelehrte Unterscheidung zwischen Fakten und Meinungen ist ein schwerwiegender Irrtum. Was man als Faktum bezeichnet, ist sehr wohl abhängig von dem, was man sich sonst so über die Welt denkt, also von der Meinung, die man hat. Die Unterscheidung von Fakten und Meinungen ist der Versuch, Meinungen dadurch der Kritik zu entziehen, dass man ihnen das Etikett Faktum aufklebt. Über die soll es ja angeblich keine Diskussion geben. Ein klares Beispiel dafür ist Ihr erstes Faktum: "Völkerrechtswidrige Annektion der Krim (2014)".
-- Ob die von den jeweiligen Bevölkerungen enthusiastisch gefeierten Wiedervereinigungen, sei es der Anschluss der Zone an Westdeutschland, sei es die Eingliederung der Krim nach Russland, als völkerrechtsgemäß gelten oder nicht, hängt sehr davon ab, wie man sich sonst zu den Zeitläuften stellt. Weil die damalige Führung der SU nichts gegen die Einverleibung der DDR durch die BRD hatte, gilt der ganze juristische Überbau zur Machtübernahme als völkerrechtskonform. Weil die westlichen Staaten die Ukraine gerne als antirussischen Frontstaat haben möchten, sind sie gegen die Wiedervereinigung der Krim mit Russland. Deshalb ist der ganze juristische Überbau zur Machtübernahme zwischen Russland und den Westmächten umstritten.
-- Wer für den Westen Stellung beziehen will, soll das eben tun. Diese prowestliche Meinung hinter dem Begriff Faktum zu verstecken, ist übrigens dieselbe Tour, die auch Präsident Putin fährt, allerdings mit der umgekehrten Stoßrichtung.
Sepp Stramm

Wer, frei nach Trump, meint, es gebe auch noch „alternative Fakten“, mit dem kann man dann wohl nicht mehr diskutieren. Personen, die im „postfaktischen Zeitalter“ leben, sollen gewiss ernst genommen werden in ihren Ängsten und Sorgen, doch haben sie nicht das Recht, die Fakten so zu verbiegen, dass die Personen, die z.B. auf völkerrechtliche Verstöße hinweisen, plötzlich von den Wahrheitsleugnern zu Tätern (sprich Lügnern) gemacht werden.
Paul Haverkamp, Lingen

Die Ammenmärchen, die die alte und neue Rechte unter dem Begriff alternative Fakten verbreiten, sind weder die einzige noch die häufigste Art der Lüge. Die Methode, unliebsamen Diskussionen auszuweichen, indem man seine Sicht der Dinge kurzerhand als Faktum bezeichnet, ist kein Privileg von Trump & Co, sondern erfreut sich in etablierten und angesehenen Kreisen großer Beliebtheit. Darüber wird dann leider nicht gelacht.
-- Wer selber von alternativen Fakten spricht, gibt immerhin noch zu erkennen, dass er darum weiß, dass seine Sicht der Dinge bestritten wird. Der anständige Bürger, der sich mit der vorherrschenden Meinung einig weiß, hat ein solches Bekenntnis nicht mehr nötig. Seine Verwechslung von Objektivität mit dem, was eben gängige Ansicht ist, kann noch viel gefährlicher sein als die unfreiwilligen Kalauer der AfD es sind.
Sepp Stramm

Sehr geehrte Frau Käßmann, wäre interessant, wie eine Diskussion über dieses Thema mit Herrn Gauck ablaufen würde. Ich bin kein Christ, habe als 68-geborener politisch bewusst ab Mitte der 70er bis zu unserer Ausbürgerung 1984 die DDR erlebt und bin erschrocken, wie unreflektiert Sie sich hier äußern. Sie, die christliche Gemeinde waren zu Zeiten der DDR ein Hort für Offenheit und Mut. Auch ich als Atheist habe damals mit in diesen Kreis hinein-gedurft, konnte diskutieren, meine Meinung äußern und mich über Menschen freuen, die anders waren als jene, die damls ausserhalb der christlichen Gemeinde lebten. Aber ausserhalb der christlichen Gemeinde fand genau das statt, was heute über/mit Putin passiert. Es gab diesselben staats-gelenkten hasserfüllten Demonstrationen, wie wir sie heute in Moskau und anderswo in Russland erleben. Wir haben damals diesselben zynischen Reden, Lügen und Diskreditierungen Andersdenkender erlebt, wie heute im "Netz" oder auf den Strassen Russlands. ... und nur weil heute ein Putin wieder den Christen "Luft" zur Ausübung ihrer Religion gibt heisst dies noch lange nicht, dass die Welt so weit in Ordnung ist, dass man durch Akzeptanz wieder einen normalen Dialog führen kann. Putin hat in seiner geheimdienstlichen Funktion christliche Einrichtungen bekämpft und heute benutzt er die Religion, gemischt mir Nationalismus, um die Menschen zu manipulieren. Dort ist nichts gut, es wird, wie damals in der DDR nur versucht einen Schein zu wahren. ... und jene, die entweder die 70er/80er nicht erlebt oder die Zeit vergessen haben ... oder eben aus dem Westen kamen ... verstehen nicht, warum es ein Fehler ist, Putin und seine Administration auch nur ansatzweise in einem Licht zu sehen, dass man einen Dialog oder gar einen Weg zur Akzeptanz finden können. Von den beiden, aktuellen Kriegen rede ich noch gar nicht. Es reicht schon, wie innerhalb von Russland wieder so agiert wird, wie vor 30 Jahren.
Unterhalten Sie sich mal darüber mit Herrn Gauck, denn der wird diese Zeit bestimmt nicht vergessen haben und kann Ihnen eventuell die Gefühle erklären, die in einem, der schon damals im Russland/Sowjet-dominierten OstDeutschland Opposition erlebte, bei dem was heute passiert wieder hochkommen

Sehr geehrte Redaktion,

das Meinungsbild in den Kommentaren ist weitgehend einheitlich, die vorgebrachten Argumente hätten vielfach auch von mir kommen können. Ich befürchte nur, Frau Käßmann, die als Mitunterzeichnerin des ganz ähnlich lautenden Aufrufs von Ende 2014 all dies unter Garantie schon öfter gehört hat, ohne daß es ihre Meinung offenbar wesentlich geändert hätte, wird dies lediglich davon überzeugen, daß alle, die sich geäußert haben, von Haus aus eine antirussische Gesinnung mit sich herumtragen.

Aber es gibt einen Kommentar, der aus dem Rahmen fällt, nämlich der von Ivan Stukert, und weil er in Gefahr ist, in der Masse der Meinungsäußerungen unterzugehen, möchte ich ihn hier noch einmal im Volltext zitieren:

<<<<<Liebe Margot,
Bin Pastor einer freien Kirchengemeinde in Bochum und Beiratsmitglied der Gesellschaft Bochum Donezk. Meine Stadt ist seit 30 Jahren die Partnerstadt von Donezk gewesen. In den letzten 2,5 Jahren gibt's keine offizielle Verbindung mehr und auch keine offizielle Zusammenarbeit mit der Stadt Donezk. Unsere Mitarbeiter haben die Stadt verlassen, einige wurden evakuiert, einige riskierten um ihr Leben. Dennoch haben wir sehr viele Kontakte mit Menschen die dort wohnen. Wir helfen sehr viel, nur nicht mehr offiziell. Ich selbst bin alle 2 Monate im Osten der Ukraine, war auch in der letzten Zeit einige Male in Donezk.
Um sie, liebe Margot vor ihrer Naivität und Gutgläubigkeit gegen über dem Putin und dem offiziellen Kreml zu befreien, und den Unterschied zwischen dem Russischen Volk und dem KGB Regime am besten erklären zu können, lade ich Sie gerne zu einer Reise an die Frontlinie ein. Wir werden zusammen Brot und Wasser an die bedürftige Menschen verteilen. Ich zeige ihnen einige feuchte und kalte Keller, wo die Menschen seit Monaten sich vor "Grad" Raketen verstecken müssen. Wir werden zusammen die Familien der ermordeten Pastoren besuchen, sie können selbst den Kindern in die Augen schauen und versuchen ihnen einige Trostworte zu sagen. Sie werden sich unglaubliche Ausmaße der Zerstörungen anschauen, mit den Menschen in den Frontstädten reden und ihnen alle möglichen Fragen stellen. Ich denke sie werden nach dieser Reise verstehen, man muss und kann zwischen Russland und Europa Brücken bauen, aber dies ist unmöglich wenn man KGB Regime als Partner ansieht, den im Sinne der KGB Leute sind Brücken wie ideologische hintertüren für die "Feinde". Was halten sie von diesem Vorschlag? Ich meine es sehr ernst, so ernst wie mein Dienst es mir auch vorschreibt.>>>>>

Könnten Sie bitte Frau Käßmann auf diese Einladung nach Donezk aufmerksam machen und in Erfahrung bringen, ob und unter welchen Voraussetzungen sie bereit wäre, sie anzunehmen?

Mir geht es nämlich wie offenbar vielen Lesern, ich finde das, was Frau Käßmann schreibt, auf so vielen Ebenen gleichzeitig, aber in vielen Punkten außerdem so offensichtlich und mit Händen zu greifen falsch, daß ich erhebliche Schwierigkeiten habe, mir vorzustellen, wie man in Frau Käßmanns Position unwissend und empathielos genug sein kann, um aus aufrichtiger Überzeugung heraus so zu argumentieren. Sollte sie aber tatsächlich bereit sein, diese Einladung anzunehmen und sich damit der Realität dieses Konflikts auszusetzen, den sie nun zum zweiten Mal in öffentlichen Debattenbeiträgen durch Verschweigen kurzerhand für nichtexistent erklärt hat, würde sie bei mir einen Teil der verlorenen Achtung wiedergewinnen, egal ob sie ihre Meinung ändert oder bei ihr bleibt.

Für Ihre Bemühungen im voraus herzlichen Dank.

Viele Grüße
xila

Und deswegen wurde dieser "Tyrann" von den rechten Maidan-Aktivisten mit dem Lynchmord bedroht und musste außer Landes fliehen?

Was ich immer noch nicht begreife:
Warum hat der Westen damals einen gewaltsamen Putsch bejubelt, einen Putsch, der alles kaputtmachte, was die Ukraine mehr als 20 Jahre lang als einen eigenständigen, friedlichen Staat existieren ließ.
Also mit einfachen Worten: Putin wollte den Maidan-Putsch nicht. Der Westen wollte ihn unbedingt und jammert jetzt über seine Folgen.
Das ist nicht besonders intelligent, meine ich.
Warum hat man nicht eine Übergangsregierung gebildet, zu der Janu bereit war? Warum hat man nicht die Wahlen vorverlegt, unter der Bedingung, dass die Verwüstung des Maidan (brennende Barrikaden, Pflastersteine herausgerissen, Molotow-Coctails auf Sicherheitskräfte geworfen, mit Schlagstöcken und Eisenstangen auf Polizisten eingeprügelt) endlich aufhört.
Warum??? All das hat im Westen niemanden interessiert. Klitschko hier, Klitschko da, Bandscheiben-Timoschenko hier, US-Fuck-EU Nuland da.
Also bitte Ursache und Wirkung nicht verwechseln.

Liebe Frau Kässmann,
In Ihrem Text kommt das Wort Ukraine oder Ukrainer kein einziges Mal vor. Nur das Wort Westukraine verwenden Sie einmal. In der Ukraine leben Menschen, die das gleiche Recht auf Freiheit, Frieden und Unabhängigkeit haben wie Deutsche oder Polen. Wie können Sie so arrogant Getötete, Vertriebene und Verletzte übergehen? Sie sind mit Ihrem Denken beim Molotow-Ribbentrop-Pakt stehen geblieben. Das Schicksal der Ukrainer ist Ihnen egal.
Ich bitte Sie freundschaftlich, mal in die Ukraine zu reisen und sich mit den Menschen dort zu unterhalten. Sie werden überrascht sein, dass Sie dort Menschen treffen, die das Gleiche wollen, was für Sie hier in Deutschland selbstverständlich ist.
Mit freundlichen Grüßen,
Jan Maass, Düsseldorf

Nicht wieder Kalten Krieg!

 

So überschreibt Dr. Margot Käßmann ihren Artikel in chrismon Nr. 2/2017.

Wer wollte ihr da nicht zustimmen. Zwar nennt sie die Besetzung der Krim

völkerrechtswidrig, sie vergißt aber leider den heißen Krieg mit Tausenden

Todesopfern zu erwähnen, der im Gefolge der militärischen Krim-Eroberung

in der Ostukraine geführt wird und von wem dieser ausgeht. Dort wird nicht

nur mit Säbeln gerasselt!

 

Dr. Hans Henning, Offenburg

Werte Frau Kässmann, genau diese Wischiwaschi Haltung der Amtskirchen bewog mich einst, nach dem Studium NICHT in den Kirchendienst einzutreten, der unter meinen ehemaligen Studienkollegen mehr oder weniger ein Desaster angerichtet hat. Verkrustete Strukturen, ein sich selbst schützendes System ohne Antworten auf die wirklich drängenden Fragen des 21. Jahrhunderts. Ich habe 3 Jahre in der Ukraine gelebt, in Odessa, und als die westlichen Medien voll davon waren, dass es dort überall Nazis gab, nicht einen einzigen auf der Straße gesehen. Ich habe den Maidan miterlebt, die Verstrickung des Putinregimes in das Massaker an den 100 Zivilisten, ich habe miterlebt wie man dieses Land im Frieden überfiel, große Teile seines Territoriums völkerrechtswidrig besetzte. Ich habe miterlebt, wie russische Terroristen ein Passagierflugzeug abschossen und die Weltgemeinschaft schwieg. Und dier Kirche schwieg am lautesten, so wie sie es ja immer tut. Sie haben einmal Afghanistan einen Krieg genannt, kurz darauf hat man sie derartig bloß gestellt, dass nur noch ein Rücktritt möglich war. Und jetzt, angesichts eines faschistisch-autokratischen Systems, das seine Legitimation aus nichts anderem bezieht als aus der hemmungslos angewendeten Gewalt gegen alles und jedes, jetzt reden sie davon keinen " kalten Krieg mit Russland" ? Haben sie selbst, ihre Familie, unter der russischen Okkupation gelitten, oder stammen ihre Weisheiten lediglich aus der Diskussion mit pro-russischen Propagandisten ? Es ist erschreckend, wie das System offensichtlich seine letzten Protagonisten aufzehrt. Sie fragen nicht, warum Putin Homosexuelle, Journalisten, Andersgläubige hetzt so wie einst die Nazis. Sie sprechen nicht von dem tagtäglichen Mord von Regimekritikern, der unhaltbaren Situation in Tschechenien, der Okkupation von Transnistrien und Teilen Georgiens. Wollen sie sich später wieder hinter einer Barmer Erklärung verstecken ? Und sich dann dreist fragen : " Warum haben wir nicht brennender bekannt ?" In der Ostukraine findet ein russischer Angriffskrieg statt, wie auch immer man ihn nennt, der darauf ausgerichtet ist, diese mutige Nation zu destabilisieren und im schlimmsten Fall zu eliminieren. Dafür finden sie keine Worte? Das ist nicht bekennende Kirche, das ist " deutsche Christen pur ". Es ist erschreckend, wie ignorant die Welt ist, wenn es lediglich um wirtschaftliche Vorteile geht. Die Kirche als solche, als Institution hat längst abgewirtschaftet. In Ihren etwas mutigeren Zeiten fanden sie andere Worte. Aber sicher sind Pension und Position auf Dauer doch das sanftere Ruhekissen. Ich hielt sie einmal für eine Alternative zu all diesen bürokratischen Apparatschiks in den Landeskirchenämtern. Leider sehe ich, dass ich mich gründlich getäuscht habe. So wie sie kein Wort dazu finden, was in der deutschen Bundeswehr vorgeht, kein Wort über die grauenvolle Refaschistisierung Deutschlands, so wollen sie auch hier den Weg des geringsten Widerstandes gehen. Leider, so muss man es immer wieder sehen, wachsen die Bonhoeffers nicht auf Bäumen und leider ist Kirche nun mal nichts anderes als eine Behörde mit Talarzwang.

Sehr geehrte Frau Dr. Käßmann,

 

„Nicht wieder Kalten Krieg!“ heißt Ihre Überschrift zu einem Beitrag in Chrismon über das Verhältnis zu Russland. Bitte legen Sie meinen Brief jetzt nicht gleich weg, weil sie meinen, er gehöre zum schnellen antirussischen Reflex, den Sie gleich zu Anfang Ihres Textes beklagen.

 

Lassen Sie mich deshalb auch vorweg schicken: Ich kann russisch, lese fast jede Rede Putins und übrigens auch des russischen Partriarchen. Ich verfolge die russischen Medien intensiv. Das ist Teil meiner Arbeit – ich bin Journalist und Reiseleiter. Meine Studienreisen führen mich rund 100 Tage im Jahr ins Baltikum, nach Polen und nach Russland. Und lassen Sie mich noch folgendes festhalten: Sie haben Recht – Putin ist nicht gleich Russland, es gibt zum Glück ein anderes Russland, das mir aus vielen persönlichen Kontakten vertraut ist. Und nicht zuletzt um dieses anderen Russlands Willen kritisiere ich sowohl die russische Politik aufs Schärfste und möchte auch meinen Widerspruch zu Ihrem Text formulieren.

 

Schon die Überschrift verwirrt: Wir sprechen leider nicht mehr nur über einen kalten Krieg – sondern tatsächlich über einen bereits heißen Krieg. Wie sonst soll ich einen bewaffneten Konflikt in Europa nennen, dem mittlerweile über 10.000 Menschen zum Opfer gefallen sind und der Millionen zu Flüchtlingen gemacht hat? Und wen soll ich dafür verantwortlich machen, wenn nicht Russland?

 

Nach Putins Interpretation sind es zwar nur „Traktorfahrer“, die ihre ostukrainische Heimat vor „faschistoiden Putschisten“ aus Kiew schützen. Aber wer Augen hat zu sehen, der sieht doch die "höflichen Leute" (wie man sie in Russland nennt, wo es inzwischen auch T-Shirts mit Putins Portät gibt und der Unterschrift "der höflichste von allen"), die "grünen Männchen" ohne Hoheitsabzeichen, die Kommandeure und „Politiker“ der sogenannten Volksrepubliken, die zum Teil russische Staatsbürger sind.

 

Und wer rechnen kann, muss sich fragen, woher die angeblichen Traktorfahrer seit Anfang 2014 unentwegt Nachschub an Waffen und Munition haben, um gegen alle Festlegungen von Minsk Quadratkilometer um Quadratkilometer zu erobern. Wir sprechen über einen heißen Krieg, für den es einen klaren Verantwortlichen gibt: Russland. Einen Aggressor als solchen zu bezeichnen, ist kein „antirussischer Reflex“. Niemand hat Russland bedroht (auch die immer wieder erwähnten angeblichen Zusagen der NATO, das Bündnis nicht zu erweitern, gab es weder mündlich noch schriftlich und spielen außerdem im Zusammenhang mit dem Maidan 2014 auch keine Rolle – zumal irgendwelche angeblichen Zusagen allen Definitionen von den Rechten sourveräner Staaten widersprechen würden, die seit der UNO-Charta formuliert wurden). Noch einmal: Niemand hat Russland bedroht. Im Gegenteil: Russland genießt in vielen internationalen Gremien volles Mitspracherecht und gerade gegenüber der NATO eine einzigartige Sonderstellung. Ich kenne kein anderes Land, dass einen NATO-Botschafter hat, der im Hauptquartier ein und aus geht. Abrüstungsinitiativen wie der KSE-Prozess scheiterten nicht zuletzt an Russlands Verhalten (weiterhin Stationierung russischer Soldaten in Abchasien und Südossetien, ebenso in Transnistrien).

 

Sie schreiben z.B. von US-geführten Militärmanövern in der Westukraine und fragen, ob diese friedensdienlich sind.  Diese Manöver finden aufgrund internationaler Verträge statt, die die Ukraine als souveräner Staat vor vielen Jahren mit der NATO und übrigens auch in Übereinstimmung mit der OSZE und anderen Organisationen eingegangen ist. Was ist daran schlimm? Warum erwähnen Sie nicht die russischen Großmanöver, die seit 1014 mit bis zu 100.000 Mann an der russisch-ukrainischen Grenze aber auch an den Grenzen zum Baltikum durchgeführt werden? Sie wiedersprechen allen Vereinbarungen, die Russland mit der NATO abgeschlossen hat. Warum erwähnen Sie nicht, dass Russland noch vor dem Warschauer NATO-Gipfel 2016 die Stationierung von einigen 10.000 Soldaten an seinen Westgrenzen beschlossen hat – und nun die höchstens symbolträchtige Stationierung von maximal 4.000 NATO-Soldaten in Polen und den baltischen Staaten kritisiert. Nebenbei - ich bin Kriegsdienstverweigerer.

 

Und zur Lage auf der Krim fällt Ihnen nur wenig ein: „Ja, die Besetzung der Krim war völkerrechtswidrig.“ – Und dass seitdem dort Menschen willkürlich verhaftet und verurteilt werden? Ist das keine Erwähnung wert? Ich sauge mir das ja nicht aus den Fingern. Der Regisseur Oleg Sentzow ist nur ein prominentes Beispiel. Die „alltäglichen“ Menschen gehen ja im Rauschen der Nachrichten einfach unter. Nachlesen kann man das alles in den Berichten der OSZE, von Menschenrechtsorganisationen – übrigens auch russischen, wie „Memorial“.

 

„Der Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein“ – aber er ist ja schon da. Ich kann mit einem Aggressor nicht das Gemeinsame betonen, wie Sie am Ende Ihres Textes schreiben. Der Einsatz für noch mehr Diplomatie ist natürlich nötig, da haben Sie Recht. Und der Dialog mit Russland ebenso – doch vermisse ich in Ihrem Text sehr bitter den Dialog mit eben dem anderen Russland: mit mutigen Menschen, die sich heute als „ausländische Agenten“ diffamieren lassen müssen und verfolgt werden, mit den zarten Pflänzchen der russischen Zivilgesellschaft, die von Putins Regentschaft niedergetrampelt werden. Dieses andere Russland sieht sehr verwundert auf manche im Westen, die zu einem Dialog mit Putin aufrufen, und vermisst zumindest die moralische Unterstützung der westlichen WERTEgemeinschaft.

 

Ich vermisse in Ihrem Text vor allem etwas, was ich als einen hohen christlichen Wert betrachte: Das Mitleid mit den Opfern. Mit denen, die in der Ukraine (wozu ja völkerrechtlich auch der Donbas und die Krim gehören) ums Leben kommen und verletzt werden, physisch wie seelisch. Auch mit den russischen Soldaten, die angeblich „im Urlaub“ sterben und über deren Schicksal die Hinterbliebenen in Russland nicht reden dürfen.

 

Frieden mit Russland wird nicht über die Köpfe von Polen, Ukrainern, Balten und vielen anderen Menschen funktionieren (das sind übrigens über 100 Millionen), die unsere direkten Nachbarn sind und die wir nebenbei bemerkt schon einmal, nämlich mit dem Hitler-Stalin-Pakt vom 23.8.1939 im Bündnis mit Russland um ihre friedliche Entwicklung gebracht haben. Auch aus dieser historischen Perspektive erwächst uns Deutschen meiner Ansicht nach eine Mitverantwortung für die Entwicklung unserer Nachbarschaft. Ich denke, wir dürfen sie nicht wieder einer imperialen Expansionspolitik ausliefern, die demokratische Prinzipien mit Füßen tritt.

 

Es würde mich freuen, wenn Sie meine Anmerkungen in irgend einer Form überdenken.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Jürgen Buch, Berlin

Am Ende ihrer langen Bemerkungen behaupten Sie Polen und Balten sind 1939 Opfer geworden.Dies ist falsch!Für ihre aggressive Politik zwischen 1918 und 1939 haben die polnischen Regierungen wesentlich zum Ausbruch des 2 Weltkrieges beigetragen.Heute betreiben polnische Regierungen eine ähnliche Politik.Sie möchten sogar Atomwaffen haben.Wenn die Russen schlau sind,werden sie nicht warten bis die Deutschen,angestachelt von Polen und Balten,Junkers EURO Armee sich Richtung Moskau auf den Weg machen.Ihr Aufmarsch mit NATO Truppen ist ja schon kurz vor St. Petersburg angekommen.Putin hält seine Generale noch an der kurzen Leine.Was kommt nach Putin?Denken Sie mal darüber nach!

Sehr geehrter Herr Buch, Frau Käßmann möchte eigentlich nur, dass sich aus den Konflikten um die Ukraine und die Krim kein heißer Krieg in Europa und somit ein 3. Weltkrieg entwickelt. Und das ist wohl ein legitimer Wunsch. Für Sie auch? Sie sprechen Russisch, haben die (auch finanzielle) Möglichkeit entsprechende Reisen zu unternehmen und haben als Journalist sicher die Fähigkeit, alle politischen Entwicklungen richtig zu beurteilen. Ich kann das alles nicht, bin ein 74-jähriger, einfacher Bürger und habe große Angst vor der politischen Zukunft dieses, unseres Europa`s. Was ist falsch daran, dass Frau Käsmann fordert, mit dem Russen (das ist nicht nur Putin) zu verhandeln, die Schwierigkeiten also politisch zu lösen? Ja, eine andere Lösung gibt es nicht! Krieg würde Europa auslöschen, das europäische Russland mit Sicherheit auch! Die USA würden vielleicht überleben. Und genau das ist das Problem! Kalkuliert vielleicht jemand so? Da setzt meine Angst wieder ein. Sie, lieber Herr Buch, sind sich sicher, an der jetzigen Entwicklung ist ausschließlich der Russe (Putin) schuld. Ich wage das anzuzweifeln. Sie haben Recht, es gab keinen Vertrag darüber, dass sich die NATO nach dem Fall der Mauer nicht nach Osten, sprich bis an die russische Westgrenze, ausdehnt. Aber genau das ist eingetreten, obwohl Herr Genscher vor der Weltpresse erklärt hatte, dass diese Absicht nicht besteht. Das können Sie übrigens jederzeit im Netz überprüfen. Und jedes neue NATO-Land ist auch neue NATO-Abschussrampe! Die Rüstungsausgaben der europäischen NATO-Staaten liegen in summa deutlich über den Rüstungsausgaben der Russen und die Rüstungsausgaben der USA übertreffen die Russlands um das 9 bis 10- fache. Kann da nicht auch der Russe Angst bekommen? Ich kann das alles nicht beurteilen. Sie meinen, Sie können das?? Sie weisen in Beispielen auf die Aggressivität der Russen hin, belegen es sogar mit Opferzahlen. Was ist mit der Aggressivität und Menschenverachtung der USA und auch anderer NATO-STaaten? Ich erinnere an Hirochima und Nagasaki. Ich erinnere an den verbrecherischen Vietnamkrieg der USA. Das Land wurde zerbombt, die Wälder entlaubt und Napalm gegen zivile Bürger eingesetzt. Wie mordete die NATO im Balkankrieg? Die Union der Willigen zertstörte den Irak. Seitdem (2003) ist dort Krieg! Was geschah in Libyen und wer eröffnete eigentlich den verbrecherischen Krieg gegen Syrien? Die Russen?
Nein, der Westen mit seinen Stellvertretern. Der Russe war noch gar nicht dort. Ich könnte die Aufzählung fortsetzen. Nur noch: was geschah auf dem Maidan wirklich? Ich weiss es nicht. Sie sicher? Oder? Ich bin kein Putin-Versteher, ich bin kein Ami-Hasser, schon gar kein Rechter. Ich bin auch kein praktizierender Christ, aber christlich erzogen wurde ich allemal. Um das Inferno zu vermeiden, gibt es nur die Lösung, die Frau Käßmann vorschlägt. Verhandel, verhandeln, aber man müsste es wollen... Harald Ladewig
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Lieber Herr Ladewig,
ich (und mit Sicherheit viele, die sich hier nicht äußern) kann Ihnen nur aus vollem Herzen zustimmen.
Mit der ersatzlosen Auflösung des Warschauer Vertrages keimte die Hoffnung - nie wieder -, allerdings verlief die Geschichte, wie wir es erleben, eben anders.
Wie mir scheint, erhebt sich hier eine westliche Welt als das "Weise" dieser Welt und für viele Schreiber muß das wohl alternativlos sein. Eine Nato ist der "neue Liebe Gott". Hin zu den Brennpunkten - aber nicht mit den Löschfahrzeugen. Panzer und deren Abarten sollten es schon sein. Das erklärte Böse im Osten ist eben immer noch da. Ich vermute ganz schlicht, man braucht das auch -
Wie viele Menschen sind in Lohn und Brot in der diesbezüglichen Branche? Ist das nicht der reelle, der "kapitale" Hintergrund?
Das amerikanische Verbrechen gar - wie Hr. Ladewig erwähnte - namentlich die der Bush´s e.t.c. natürlich etwas ganz anderes sind, gegenüber dem Bösen im Osten, sollen wir hinnehmen.
Wir erheben uns über die Welt, was aber haben wir aus der Weltgeschichte gelernt? - Mein Vater wurde just an meinem ersten Geburtstag noch kurz vor Ende vermißt - im Osten.
Heute stellt man wieder deutsche Soldaten an die Ostgrenze, oder doch schon -Front? Mir scheint, gelernt wurde nicht allzuviel oder der Alz tilgt die Erinnerung

Frau Käßmann, bleiben Sie beharrlich. Das ist meine Hoffnung und sicher die vieler Anderer.
Mit freundlichen Grüßen
Rainer Blum

russland ist nicht der osten, der osten ist auch polen, das baltikum, die ukraine, der balkan.
und nicht trump und auch nicht orban haben ein anderes land besetzt.

Sehr geehrte Frau Käßmann, Mitherausgeberin des chrismon,

Sie sind hartnäckig. Vom Thema Krieg können Sie anscheinend nicht ablassen. Weil man sich mit Russland schwer tue.

Ertragen Sie die Replik eines Kalten Kriegers ?

Als solcher war ich stolz. Denn wie Sie wollte ich in jedem Fall einen heißen Krieg vermeiden. Letzteren lernte ich als Kind 1943 in den Bombennächten von Berlin zur Genüge kennen. Ich liebe mein Vaterland und darüber hinaus das freiheitliche Europa.

Von 1956 bis 1992 diente ich also in der Bundeswehr, zeitweilig auch in NATO-Stäben. Und wir waren zusammen erfolgreich in der Verhinderung eines echten Krieges. Überhaupt war es für mich höchst befriedigend - selten in der deutschen Geschichte - einen Krieg ohne Schuss zu gewinnen.

Wie war das möglich ? Zwar stand ich wie Sie dem Vietnamkrieg kritisch gegenüber. Aber die Nachrüstung war notwendig. Sie brachte den Durchbruch und die Wiedervereinigung Deutschlands. Sie hatte der Sowjetunion klargemacht, das vorbereitete Überrennen Europas wäre zum eigenen Desaster geworden.

Sie standen dabei anscheinend auf der Gegenseite. Sie fanden sich bei Antworten wie „Geh doch rüber!“ unverstanden. Das war auch eine unpassende Erwiderung. Aufklärung durch Lehrer (oft dem Militär abgeneigt) und Nachdenken (auf Ihrer Seite) hätten Einsicht gefördert.

Ja, mit dem Fall der Mauer änderte sich die Tonlage. Auch wir Soldaten begrüßten die neue Politik durch Gorbatschow. Jetzt machen Sie allerdings einen schnellen Zeitsprung. In der Zwischenzeit gab es leider wieder unangenehme Ereignisse.

Auf Außenminister Steinmeier prasselten vermeintlich antirussische Reflexe nieder. Russland gehöre doch zu Europa. Doch wie bitte ? Geographisch mit einem wichtigen Teil, richtig. Wie aber, wenn es darum geht, das Regelwerk des Europarats einzuhalten, dem auch Russland angehört ?

Die Krim wurde durch Russland vereinnahmt. Das lässt sich nicht einfach mit dem Eingeständnis abtun, es sei völkerrechtswidrig gewesen. Die Ukraine gab als ein Nachfolgestaat der Sowjetunion ihre Atomwaffen ab. Als Gegenleistung wurden ihre Grenzen von USA, Russland und UK vertraglich garantiert. Aber Russland verletzte sie. Sie halten es für notwendig, den Konfliktherd Krim zu befrieden. Es wäre schön zu lesen, wie Sie sich das vorstellen.

Wohl scheint Herr Trump auch ein Egomane wie Herr Putin zu sein. Keiner der beiden hat wohl Interesse an realem Krieg. Aber Kalter Krieg ? Ich frage mich zurzeit besorgt, was eigentlich abläuft.

Die EU hat mit ihrem Vertrag (guter Verfassungsersatz) über Freiheitsrechte und Demokratie viel Anziehungskraft. Sie stellt für undemokratische Staaten eine Herausforderung dar - ohne Waffen. Also spielt Herr Putin mit den Waffen der Desinformation und Zersetzung, um der EU zu schaden. Schließlich hat er als Geheimdienstoffizier sein Metier gelernt. Ist das so schwer zu erkennen ?

Nichts ist gegen gutnachbarschaftliche Beziehungen mit Russland einzuwenden. Aber heißen Sie den übernächsten Nachbarn willkommen, wenn Sie wissen, er stahl dem Nächsten ein Teil des Grundstücks ?

Sie halten den Verbindungen im Ökumenischen Rat der Kirchen viel zugute. Ja, Aussöhnung ist vonnöten. Wie wäre ein Bericht über die Bemühungen der Kirche auf dem Gebiet ? Wie reagieren russisch-orthodoxe Geistliche auf berechtigte Bedenken von westlicher Seite ? Zum Beispiel auf den freundlichen Empfang Herrn Putins für den Tschetschenen-Chef, nachdem dieser anscheinend Herrn Nemzow beseitigen ließ ?

Sie haben recht, wir brauchen Vernunft, Diplomatie, kein Säbelrasseln. Wir alle wollen den Frieden erhalten. Übrigens veranstaltete Russland zuerst Großmanöver an der ukrainischen Grenze, bevor im Land die Amerikaner tätig wurden. Das diplomatische Parkett ist selbst für einen Könner wie Herrn Steinmeier zuweilen glatt. Für Sie nicht minder. Dennoch müssen wir dran bleiben. Mit mehr Ausgewogenheit können Sie vermeiden, als naive Russlandversteherin zu gelten.

Sie richten sich an die falschen Adressaten: meine Frau und mich sowie unsere christlichen Freunde, alle Leser des chrismon.

Man sieht Trumps hasserfülltes Gesicht oder das von kalter Berechnung erfüllte des Herrn Putin (wie das vieler anderer Potentaten) und weiß, wer Ihren Rat braucht. Sie sollten in Deutschland über unsere alltägliche Bemühung um Festigung des Friedens unter den Menschen reden.

 

 

Mit freundlichem Gruß

 

Hartmut Paul, Wolfach

Ach, Herr Paul:

Völkerrecht für nix zu halten, da haben, Sie erinnern sich sicher, nach 1989 westliche Staaten kräftige Erfahrungen: Der Krieg gegen Jugoslawien, gegen den Irak, gegen Libyen weit über das UN-Mandat hinaus, die Unterstützung von "Rebellen" in Syrien... Völkerrecht ist den westliche Staaten vollständig gleichgültig, wenn es ihnen in den Kram passt. Und nun sich drüber beklagen, dass andere sich da ebenfalls locker verhalten, weil sie sich in ihren Interessen bedroht sehen? So ganz gut und überzeugend kommt das nicht...

Schöne Grüße,

Horst Leps

Dem Westen soll das Völkerrecht gleichgültig sein? Da dürfte es sich um einen schwerwiegenden Irrtum handeln. Vielleicht zunächst einen Blick auf die Verflossenen. Den Nazis vorzuwerfen, sie hätten den "Lebensraum im Osten" nicht ernst genommen, ist falsch. Die haben den Höchstwert Lebensraum blutig ernst genommen. So ernst, dass der gesamte Osten nicht nur ein Todesraum für Kommunisten, Juden und Slawen wurde, sondern auch für wackere nichtfaschistische und faschistische deutsche Soldaten.
-- Bei den anderen Verflossenen war der Aufbau des Sozialismus das unwidersprechlich gute Ziel. Die haben dieses Ziel auch nicht locker gesehen oder verraten. Im Gegenteil. Der Aufbau des Sozialismus war der wirkmächtige Berufungstitel, unter dem sich noch jede Dürftigkeit und Entbehrung durchsetzen ließ.
-- Und bei den noch nicht Verflossenen? Menschen-, Völker- und sonstiges Recht sind gerade keine hohlen Phrasen, sondern die von allen Seiten bejubelten Ideale, die dann erst volles Engagement beim Vietnamkrieg bis zum Waterboarding und zu Guantanamo ermöglichen.
-- Vorbild für den Dienst, den Ideale bieten, ist übrigens der liebe Gott. Der ist dermaßen unwidersprechlich gut und hervorragend, dass diejenigen, die sich auf ihn berufen, durch nichts mehr zu bremsen sind.
-- Frau Prof. Dr. Käßmann möchte nun christliche Brücken bauen zwischen den verschiedenen Lagern mit ihren je eigenen Idealen. Dann wäre also ein Morast mit dem nächsten verbunden. Wer darauf spazieren gehen will, bitte! Der überwiegende Teil der Flut an Leserkommentaren beschränkt sich handfest darauf, die Russen für böse und den Westen für gut zu erklären. Ich würde davon abraten, jetzt damit zu kontern, dass die Russen auch gut sind oder der Westen auch böse ist. Oder gar den Idealismus der Herrschaftssysteme ausgerechnet mit alternativem Idealismus bekämpfen zu wollen.
Friedrich Feger

Sehr geehrte Frau Käßmann,

was mich an ihrem Kommentar ärgert? Es ist ihr typisch Thilo Sarrazinsches Zerrbild, von dem angeblichen Einschlagen anderer auf ihre, ja so gut gemeinte Haltung. Das "muss man doch mal sagen dürfen", nicht wahr? Wir, die Angesprochenen, dazu zähle ich mich, wollen ja - wie Sie hier hinstellen - keinen Frieden mit Russland sondern gar einen neuen kalten Krieg. Ich frage mich wirklich, wer hier simplifizierend Schwarz-Weiß malt? Sie oder ich?
Russland ist übrigens nicht gleich Putin. Das ist das Kernproblem, dass Sie und andere Apologeten und Beschwichtiger nicht verstehen wollen, die sich einbilden den Wunsch auf Frieden alleine gepachtet zu haben. Die Regierung Russlands ist momentan leider kein Freund, sondern tritt in Europa und im angrenzenden nahen Osten als militärischer Aggressor auf. Die Clique um Putin ist ein mafiöser Haufen aus Geschäftsfreunden, Geheimdienstlern und Mafiosis, die ihrem eigenen Volk das Geld aus der Tasche klauen und damit bei uns in Europa für sich teure Villen und Politiker kaufen. Was dem normalen Russen bleibt, ist Propaganda aus staatlich kontrollierten Medien und neuerdings das äußere Feindbild Westen (Wir), die angeblich missgünstig gegenüber Russland wären. Das ist doch hanebüchen!
Niemand will den Russen etwas Schlechtes. Ich würde mich für den normalen Russen freuen, wenn ihr Land aufblühen würde. Nein, einen Krieg wollen wir genauso wenig wie Sie. Diese albernen Vorwürfe von Kriegstreiberei oder Lust auf einen neuen kalten Krieg, sollten wir alle lassen. Sie sind ein Vorwurf, den die russische Propaganda uns unterstellt, um unseren Blick zu vernebeln und damit wir uns am Ende selbst als Auslöser des Konflikts bezichtigten. Auch auf die Sanktionen würde ich genauso gerne verzichten. Es wäre viel schöner, könnten wir mit Russland als normalem fortschrittlichen Land partnerschaftlich und gemeinsam zusammen arbeiten. Könnten und leider nicht können. Der Grund liegt hier am Krieg, den Russland in seinem Nachbarland vom Zaun gebrochen hat. Putin müsste doch nur seine Soldaten aus dem Donbass zurück ziehen, schon könnte man über erste Rücknahmen von Sanktionen ernsthaft reden. Warum hört man in diese Richtung nichts von Ihnen?
Ihnen schwebt nur vor, möglichst schnell ins Reine zu kommen, mit der Clique um Putin, dass hier mit Russland gleichgesetzt wird. Dass wir dadurch die Ukraine und ihr Selbstbestimmungsrecht aufgeben würden, dass dies einen Rückschlag bei der Nonproliferation von Nuklearwaffen wäre (Die Ukraine gab ihre für Schutzzusagen auf), dass alles würden Sie damit billig in Kauf nehmen.
Zu guter Letzt - Ich bin ein absoluter "Anti-Höcke" und halte unsere Erinnerungskultur auf die eigene Vergangenheit eine stolze Leistung. Menschen ihrer Generation haben aber aufgrund der Ost-West-Trennung einen Schuldkomplex Russland gegenüber, der historisch verzerrt alles andere überstrahlt. Die ehemaligen Sowjetländer wie die Ukraine fallen bei Ihrer Generation leider schnell unter den Tisch. Versöhnung, da steht das heutige Russland an erster Stelle, und nur das. Dabei täte es Russland gut, dass sich als Partner Hitlers die andere Hälfte Osteuropas unter den Nagel gerissen hatte, sich seiner eigenen Geschichte zu stellen. Das hat nichts mit "Russland-Bashing" zu tun, aber Neo-Nationalismus und Kriege sind wirklich nicht das, wobei wir dem russischen Volk aktuell zur Seite stehen sollten.

Frau Dr. Käßmann,

nein, Donald Trump und Viktor Orban sind ganz bestimmt keine lupenreinen Demokraten. Möchten Sie denn gerne einen von dieser Sorte als nächsten Bundeskanzler?

Ganz genau. Ich nämlich auch nicht.

Wenn Donald Trump wirklich der Maßstab sein soll, an dem wir Wladimir Putin bei unserem Urteil messen sollen, sollte sich von selbst verstehen, dass Putin kaum auf weniger Skepsis stoßen kann als der momentane US-Präsident. Ein bißchen höhere Ansprüche, als diese beiden Herren bewiesen haben, sollten wir unserer eigenen Demokratie doch auferlegen, meinen Sie nicht?

Kopfschüttelnd
xila

Russland verübt gerade das größte Massaker seit dem Jugoslawienkrieg, hat die Evakuation von Aleppo verhindert und sie erwähnen das noch nicht einmal. Ist das Ihr Ernst? Es gibt kein Säbelrasseln, nur einen Staat, der in Syrien und der Ukraine mittels seiner Soldaten zahllose unschuldige Menschen umbringt.

Frau Käßmann, Sie verwechseln hier Ursache und Wirkung. Der NATO Säbelrasseln vorzuwerfen, nachdem Russland mehrere Divisionen an seine Westgrenze verlegt hat, die Krim überfiel, die Separatisten in der Ukraine mit Mannschaften, Panzern und sonstigen Waffen ausgestattet hat etc. lässt doch vermuten, dass Sie sich einfach den Teil der Nachrichten rauspicken, der Ihre wohlmeinende Sicht stützt und alles andere negieren. Keine fremde Macht hat in den letzten sechzig Jahren auch nur einen Fußbreit russischen Territoriums beansprucht oder gar Soldaten dorthin geschickt. Umgekehrt kann man das leider nicht behaupten. Russische Soldaten stehen in der Republik Moldau, in der Ukraine, in Georgien. Was haben die denn dort verloren? Warum sorgen Sie sich mehr um Russland als um die Ukraine? Finden Sie es in Ordnung, wenn Kyrill Menschenrechte als unrussisch verurteilt etc.? Fragen über Fragen, die ein friedensbewegtes Herz scheinbar nicht interessieren dürfen und einer Politik auf dem Rücken der Schwächeren Vorschub leisten.

Liebe Margot,
Bin Pastor einer freien Kirchengemeinde in Bochum und Beiratsmitglied der Gesellschaft Bochum Donezk. Meine Stadt ist seit 30 Jahren die Partnerstadt von Donezk gewesen. In den letzten 2,5 Jahren gibt's keine offizielle Verbindung mehr und auch keine offizielle Zusammenarbeit mit der Stadt Donezk. Unsere Mitarbeiter haben die Stadt verlassen, einige wurden evakuiert, einige riskierten um ihr Leben. Dennoch haben wir sehr viele Kontakte mit Menschen die dort wohnen. Wir helfen sehr viel, nur nicht mehr offiziell. Ich selbst bin alle 2 Monate im Osten der Ukraine, war auch in der letzten Zeit einige Male in Donezk.
Um sie, liebe Margot vor ihrer Naivität und Gutgläubigkeit gegen über dem Putin und dem offiziellen Kreml zu befreien, und den Unterschied zwischen dem Russischen Volk und dem KGB Regime am besten erklären zu können, lade ich Sie gerne zu einer Reise an die Frontlinie ein. Wir werden zusammen Brot und Wasser an die bedürftige Menschen verteilen. Ich zeige ihnen einige feuchte und kalte Keller, wo die Menschen seit Monaten sich vor "Grad" Raketen verstecken müssen. Wir werden zusammen die Familien der ermordeten Pastoren besuchen, sie können selbst den Kindern in die Augen schauen und versuchen ihnen einige Trostworte zu sagen. Sie werden sich unglaubliche Ausmaße der Zerstörungen anschauen, mit den Menschen in den Frontstädten reden und ihnen alle möglichen Fragen stellen. Ich denke sie werden nach dieser Reise verstehen, man muss und kann zwischen Russland und Europa Brücken bauen, aber dies ist unmöglich wenn man KGB Regime als Partner ansieht, den im Sinne der KGB Leute sind Brücken wie ideologische hintertüren für die "Feinde". Was halten sie von diesem Vorschlag? Ich meine es sehr ernst, so ernst wie mein Dienst es mir auch vorschreibt.

Frau Käßmann glaubt, man müsse nur mit Putin oder der Russisch Orthodoxen Kirche reden und schon herrscht Friede. Nur ist die Sache leider nicht so einfach. Es wurde nicht nur die Krym annektiert. Es wurden zudem im Donbas russische Söldner als ukrainische Separatisten getarnt zur Destabilisierung mittels eines "Bürgerkrieges" importiert, der nichts anderes als ein verdeckt geführter Krieg ist. Es ist nicht die USA, die diesen Krieg forciert hat. Die ersten "Separatisten" wurden im Donbas bereits im Februar 2014 gesichtet. Und heute sind ukrainische Soldaten damit beschäftigt, die 13000 Einwohner von Avdiivka zu evakuieren, da die "Separatisten" ihre Grads wieder hinter Wohnhäusern versteckt haben, um auf diese Stadt zu schießen.

Sehr bezeichnend und sehr entlarvend finde ich Ihre Wortwahl. Die Ukraine wird ein einziges Mal genannt. Ich darf Sie freundlich und vergeblich daran erinnern, daß es das Land ist, welches gerade von Putin mit einem hybriden Krieg überzogen wird. Dann fragen Sie, warum wir uns mit Russland so schwer tun? Die Frage müßte korrekt lauten: Warum man sich mit Putins Politik so schwer tut. Es gibt einen Unterschied zwischen Putin und Russland. Und es gibt nicht wenige Russen, die diesen hybriden Krieg in keinster Weise gut heißen. Trotz der propagandistischen Dauerbeschallung aus dem russischen TV.

Ich habe keine großen Hoffnungen, daß Sie Ihre Ansichten ändern oder auf andere hören wollen. Dennoch empfehle ich Ihnen mal die Gesellschaft Bochum-Donezk e.V., die unter größten Schwierigkeiten weiter den Kontakt zu den dortigen Menschen aufrechtzuerhalten versucht. Dort werden Sie sicherlich auch Gesprächspartner finden, die Ihnen erzählen können, was in den besetzten Gebieten wirklich passiert. Sicherlich auch viel besser als ich es kann, obwohl ich auch 2x im Jahr in dem Land bin, dessen Name Sie in Ihrem Artikel nicht erwähnen möchten. Die Ukraine.

Zu guter Letzt noch ein Hinweis. In den 70er und 80er Jahren gab es die Entspannungspolitik. Die war erfolgreich. Weil sie auf gesprächsbereite Partner in Moskau traf. Man vereinbarte die Helsinki-Schlußakte. Dort steht etwas über Unverletzlichkeit der Staatsgrenzen und die freie Bündniswahl eines jeden Staates. Das gilt dann wohl nicht für die Ukraine. Aber auf Putin müssen wir Rücksicht nehmen und Gespräche führen. Ja - Gespräche führen müssen wir. Aber Sie sollten dringend mal Gespräche mit Menschen aus der Ukraine führen. Mit den Volontären, die auch heute Nacht wieder unterwegs sind, um die Flüchtenden zu versorgen...

Ach ja - nicht wieder Kalten Krieg. Für meine Freunde in der Ukraine ist er seit fast drei Jahren heiß.

"Die Besetzung der Krim war völkerrechtswidrig", schreibt Frau Käßmann und man möchte vor Verzweiflung in den Tisch beißen. Die Besetzung der Krim IST völkerrechtswidrig. Russlands Krieg gegen die Ukraine ist nicht vorbei, auch wenn er der Autorin nur noch einen genervten Habsatz wert ist - in der Vergangenheitsform. Gerade in diesen Tagen haben die Kämpfe wieder neue Wucht bekommen. Täglich sterben Menschen.

Auch in Syrien verfolgt Russland weiter seine Kriegsinteressen. Aleppo ist der angeblichen Kriegs-Gegnerin Käßmann überhaupt keine Erwähnung wert.

Mit welchen Gefühlen wohl Russlands noch lebende Opfer in der Ukraine oder in Syrien so einen Text lesen? Falls sie im Donbass oder Aleppo Interesse an den Gedanken einer deutschen Morallehrerin haben. Und Strom.

Wer keinen Krieg will, sollte Krieg kritisieren. Jeden Krieg. Und nicht mit den Kriegsführern Frieden schließen.

Warum Frau Käßmann ausgerechnet die einzige Regierung in Schutz nimmt, die gerade einen heißen Krieg mitten in Europa führt, ist alles, nur nicht christlich. Nein, liebe Frau Käßmann, Ihre Reihenfolge stimmt nicht. Zuerst muss der Frieden stehen. Danach die Versöhnung.

Schon einmal haben sich Berlin und Moskau über die Köpfe der Osteuropäer hinweg geeinigt. Das verheerende Ergebnis hat sich tief eingebrannt in die DNA unserer Nachbarn. Auch deshalb ist Käßmanns Ansatz so erschreckend. Deutsche Russlandpolitik MUSS europäisch sein. Aber an Polen, die Ukraine oder die baltischen Staaten verschwendet Frau Käßmann keine Tinte.

Die deutsche Geschichte verpflichtet zu Verantwortung gegenüber Russland. Aber auch gegenüber den kleineren Staaten der Ex-Sowjetunion. Für Frau Käßmanns große Gesten wahrscheinlich zu klein.

Frau Dr. Käßmann warnt vor einem "kaltem Krieg" - dabei tobt in Europa, in der Ostukraine doch schon seit 2014 ein heißer Krieg mit 10.000 Toten und 2 Millionen Flüchtlingen. Erst gestern starben wieder 5 Ukrainer - wo bleibt da der Aufschrei der Friedensbewegung ?
Die NATO initiiierte den NATO-Russland Rat, die US-Truppen zogen zum größten Teil aus Europa ab, der Ukraine wurde für die Abgabe ihrer Atomwaffen im Budapester Abkommen Frieden und feste Grenzen zugesichert. Wie reagierte Putin? Putin schickte seine Soldaten in die Ukraine. An Abkommen hat er sich nicht gehalten. Es ist deshalb mehr als nötig, wenigstens kleine NATO-Kontingente als Stolperdraht für Putin in den baltischen Staaten zu stationieren. Das ist kein Säbelrasseln, im Gegenteil. Die Balten haben zu Recht Angst vor Putin und wünschen Schutz - wir sollten ihnen diesen Schutz gewähren. Noch ein Budapester Abkommen mit Putin ist leider sinnlos.

Sehr geehrte Frau Käßmann,

 

Sie haben recht, wir müssen mit Russland einen anderen Umgang pflegen. Das hatte übrigens bereits der deutsche Staatsmann Bismarck erkannt und eingefordert. Aber wir haben munter mitgemacht, als Herr Obama von den Europäern Wirtschaftssanktionen forderte. Dabei ist doch jedem klar, dass solche Sanktionen wenig bringen. Auch das nordkoreanische Regime existiert noch trotz aller Ausgrenzungen.

 

Ihre Einschätzung, wer Demokrat ist, halte ich allerdings für sehr einseitig. Wie demokratisch war denn Frau Merkels Verhalten, sich über den Beschluss des eigenen Parteitags hinwegzusetzen oder europäisches und nationales Recht durch ihre Entscheidung zur Grenzöffnung zu brechen? Und warum gab es im Parlament kaum Widerspruch der Regierungsparteien zur Truppenverlegung ins Baltikum oder Polen?

 

Haben Sie den Ministerpräsidenten non Brandenburg öffentlich unterstütz, der die US-Truppenverlegung kritisierte?

 

Orban, Putin und Trump genießen das Vertrauen der Mehrheit ihrer Wähler und Bevölkerung und das zählt.

In Deutschland gibt es immer mehr Stimmen, die Veränderungen wollen.

 

Das einfach nur zum Weiterdenken!

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Claus Hörrmann, Neustadt

PS: Auf eine Erwiderung warte ich mit Spannung!

Herr Claus Hörrmann wartet auf eine Erwiderung. Hier bitte ist meine Erwiderung. Ich lese: "wir müssen mit Russland einen anderen Umgang pflegen." Ich kann trotz angestrengter Gewissenserforschung keinen einzigen Moment zwischen Aufstehen und ins Bett Gehen entdecken, wo ich überhaupt irgend einen Umgang mit Russland pflege. Ich weiß aus dem Fernsehen, dass die Führung Russlands die Wiedervereinigung Russlands mit der russischen Krim mit Eifer betrieben hat. Ich weiß auch, dass die Führung Deutschlands und anderer Staaten Sanktionen gegenüber Russland verhängt hat und manches moderne Kriegsgerät näher an Russland herangebracht hat. Und ich kenne viele Leute, die sich den Kopf zerbrechen, was sie tun würden, wenn sie Bundeskanzlerin oder russischer Präsident wären. Ganz so, als hätten sie was zu bestellen.
** Solche Leute, die ihr regelmäßiges tägliches Mitmachertum am Arbeitsplatz, in der Familie, im Verein und am Stammtisch für das Selbstverständlichste der Welt halten und gleichzeitig sich mit Inbrunst die Köpfe derer zerbrechen, von deren Entscheidungen ihr Alltag abhängt, nennt man Demokraten. Demokraten brauchen demokratische Führer. Die sagen dann, wo es lang geht. Nicht nur die genannten Herren Putin, Trump und Orban, sondern auch die Damen Merkel und May.
** Dass es auch in Deutschland immer mehr Wähler gibt, die rechte, rechtsradikale und sogenannte populistische Vorstellungen pflegen, könnte Anlass sein, mit dem Denken eben nicht immer so weiter zu machen, sondern sich zu fragen, was an diesem Denken der Fehler ist.
Hans Schlicht

Mit zustimmendem Interesse habe ich Ihren Beitrag gelesen, lieber Herr Schlicht. Trotzdem schreibt man die Galerie nicht mit Doppel-L, sondern mit einfachem L. Aber es kann einem schon die Galle hochkommen, wenn man liest, was für ein harmloses, ja liebenswertes Ding Herrschaft angeblich sein soll, wenn sie nur demokratisch ist. Mit einer gehörigen Entschuldigung für meine oberlehrerhafte Rechtschreibkorrektur verbleibe ich
Traugott Schweiger

Nicht auszuschließen, dass die hochsteigende Galle mein Rechtschreibbewusstsein getrübt hat. Vielleicht war es aber auch: "Ganz Gallien? Nein!"
Hans Schlicht

Sehr geehrte Frau Dr. Käßmann, Ihr Statement "Nein, Wladimir Putin ist kein lupenreiner Demo­krat. Aber das lässt sich von Herrn Trump, Herrn Orban und so manchen anderen auch nicht behaupten" ist mir erheblich zu relativierend. Kein vernünftiger Mensch in Deutschland wird Einwände gegen ein gutes Verhältnis zu Russland (wie auch zu allen anderen Staaten auf der Welt und deren Völkern) haben. Allerdings können diese anzustrebenden guten Beziehungen nicht als - ausgesprochene oder stillschweigende - Bedingung die Akzeptanz von definitiv rechtswidrigen Verhaltensweisen (oder von ernsthaften Absichtserklärungen zu solchen Verhaltensweisen) haben. Ein "Na ja, was geht es uns an?" z. B. hinsichtlich der Krim, des Umgangs mit den Kurden oder der Befürwortung von Folter wäre eine Art "moderner Appeasement-Politik". Gute Beziehungen zu den Völkern: Ja. Kritikfreies Hinnehmen des Handelns von Diktatoren bzw. autoritären Staatsführern: Nein. Zu keiner Zeit. An keinem Ort. Schon ganz und gar nicht, wenn man die deutsche Geschichte des letzten Jahrhunderts im Hinterkopf hat.

Volle Zustimmung zu diesem Kommentar!

Mich würde einmal interessieren, inwieweit diese Auffassung den Standpunkt der evangelischen Kirche reflektiert. Sollte dieses nämlich auch die Haltung der Kirche als Institution sein, flattert demnächst der nächste Austritt auf den Schreibtisch.

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