Gans zu Weihnachten mit gutem Gewissen

Festmenü zu Weihnachten: Gans oder gar nicht?
Gänse im Gänse-Zuchtbetrieb Eskildsen in Königswartha (Sachsen) am 30.11.2009. Von Königswartha werden Junggänse zur Zucht nach Deutschland und vor allem Ungarn geschickt.

Foto: Matthias Rietschel / epd-bild

Junggänse aus Sachsen werden zur Zucht nach Deutschland und vor allem Ungarn geschickt

Weihnachten ist das Fest der Nächstenliebe. Und was landet dabei im Ofen? Die nächste Gans. Die meisten Tiere ­stammen aus Massenhaltung. Obwohl Tierschutz nun ein Grundrecht ist, haben sich ihre Lebensbedingungen nicht verbessert.

chrismon: Gänsebraten zum Fest ‒ geht das mit gutem Gewissen?

Friedrich Ostendorff: Es kommt darauf an: Freilandgänse hatten ein gutes Leben. Bei Braten und Keulen aus dem Supermarkt garantieren Label wie „Bio“, „Neuland“ oder das Label des Tierschutzbundes, dass die Tiere fair gehalten wurden. Konventionelle Betriebe können das nicht. Zwar kontrollieren die Amtsveterinäre, ob alles den gesetzlichen Mindestanforderungen entspricht. Aber es ist nicht gesetzeswidrig, dass Schweine auf Betonspalten leben, dem Federvieh Flügel und Schnäbel gestutzt werden und die Tiere zu wenig Platz haben.

Wie das? Seit 2002 steht der Tierschutz im Grundgesetz.

Weil konkrete Richtlinien fehlen und die bestehenden Vorgaben zu schwach sind. Wenn Landwirte die Tiere anständig halten, dann freiwillig. So hat das noch nie funktioniert. Wir müssen auch wegen der Landwirte selbst umdenken. Denn das Preisdumping, das durch die Massenzucht entsteht, treibt sie in den Ruin.

Warum stellen nicht mehr Landwirte auf Bio um?

Es dauert zwei Jahre, bis man unter ökologischem Label verkaufen kann. Die Erträge sinken vorher. Das stemmen viele finanziell nicht. Und die Politik gibt falsche Anreize: EU-Gelder werden gemäß der Größe des Grundbesitzes verteilt. Das ist ungerecht.

Eine Gans beim Discounter kos­tet 15 Euro, die Biogans gut 60. Nicht jeder kann sich das leisten.

Die Frage ist doch, wie wir unser Budget einteilen. In meinem Hofladen kaufen auch Geringver­diener. Wenn man die staatlichen Förderungen besser verteilte, wäre eine ökologische Produk­tion großflächig möglich – und die Biogans wäre günstiger.

Worauf kann ich achten?

Am besten kaufen Sie beim Bauern oder im Bioladen. Im Supermarkt kann man sich an den Bio-Labeln orientieren. Ansonsten ist am Produkt nicht erkennbar, wie die Gans gehalten wurde. Deshalb fordern wir eine klare Kennzeichnung, ähnlich den Güteklassen bei den Eiern. Kaum gab es die, wollte keiner mehr Eier aus Käfighaltung. Sie fielen aus dem Sortiment. Der Handel hat viel Einfluss. Wir Verbraucher auch.

Friedrich Ostendorff

Friedrich Ostendorff ist agrar­politischer ­Sprecher der Grünen im Bundes­tag. Mit ­seiner Frau betreibt er einen ­Biobauernhof.
Foto: PR

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