Medienbischof Volker Jung über Identität und Reformation

Luther hätte die neuen Medien genutzt und Nationalisten widersprochen ...
Der evangelische Medienbischof und Kirchenpraesident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung (l.), im Gespräch mit dem Vorsteher des Boersenvereins des Deutschen Buchhandels, Heinrich Riethmueller, auf der Frankfurter Buchmesse.

Foto: Heike Lyding

Der evangelische Medienbischof und Kirchenpraesident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung (l.), im Gespräch mit dem Vorsteher des Boersenvereins des Deutschen Buchhandels, Heinrich Riethmueller, auf der Frankfurter Buchmesse.

Reformation und Nationalismus passen nach den Worten des Medienbischofs der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Volker Jung, nicht gut zusammen.

"Luther hätte jedem widersprochen, der gesagt hätte: 'Das Allerwichtigste ist es, dass ich Deutscher bin'", sagte der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau am Donnerstag bei einem Rundgang auf der Frankfurter Buchmesse. Reformation bedeute die Einsicht, dass der Mensch seine Erfüllung nicht in endlichen Realitäten habe. Es gehe nicht um Identitäten. "Man kann sich ja auch weder als Schalke- noch als Dortmund-Fan abschließend definieren", verglich er.

Die Resonanz auf das 500. Reformationsjubiläum sei bislang gut, sagte Jung. Er hoffe, dass das Jubiläumsjahr nicht durch politische Ereignisse in den Hintergrund gedrängt werde. Immerhin finde in der entscheidenden Phase des Reformationsjubiläums die Bundestagswahl statt.

Medienbischof Volker Jung auf der Frankfurter Buchmesse 2016

Martin Luther habe die Medien nicht nur auf einzigartige Weise genutzt, sondern sogar geprägt, sagte der Kirchenpräsident. Als Beispiel nannte er die Weise, wie der Reformator das relativ neue Medium des Flugblatts für die Zwecke der Reformation nutzte. Wie die Kirche die heutigen neuen Medien auf ähnliche Weise prägen und etwas Nächstenliebe in die Kommentarspalten von Facebook bringen könne, sei "eine noch ungelöste Frage". Weil das Internet so individualisiert sei, sei es schwierig vorherzusehen, welche Konzepte dort funktionierten und welche nicht.

Nach Jungs Worten hat die Gesellschaft den richtigen Umgang mit den sozialen Netzwerken noch nicht gefunden. Das gelte auch für ihn. "Ich finde es nicht leicht, sich ein Stück weit persönlich zu erkennen zu geben, ohne sich selbst zu inszenieren", sagte er. (epd)

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