Wie es nach dem abgelehnten Friedensvertrag in Kolumbien weitergehen kann

Ein mühsamer Weg
Viele Kolumbianer sind nach Jahrzehnten voll Leid nicht zur Vergebung bereit. Sie wollen die Guerilleros im Gefängnis sehen und nicht in der Nachbarschaft.

 Michael Güthlein
Das Ergebnis des Referendums ist schwer zu begreifen. Aber es hat die Kolumbianer nicht überzeugt, dass mit einem Friedensvertrag viele Rebellen milde Strafen erhalten hätten und sich die FARC im Parlament beteiligen wollte. Auch wenn die Ablehnung mit 50,21 zu 49,78 Prozent knapp ausgefallen ist: Ein Teil der Bevölkerung ist nach jahrzehntelangem Leiden nicht bereit zu vergeben. Viele wollen die Guerilleros im Gefängnis sehen und nicht in der Nachbarschaft.

Die Regierung hat es nicht geschafft, die Vorstellung einer friedlichen Gesellschaft in den Köpfen der Menschen zu verankern. Wenn das Land je Frieden haben will, kommt es nicht umhin, sich mit den Rebellen auseinanderzusetzen. In Ruanda ist es nach dem Genozid gelungen, eine weithin funktionierende Gesellschaft aufzubauen. Viel Energie ist in zahlreiche langfristige Projekte geflossen, in denen Opfer und Täter lernten, miteinander zu sprechen und zu leben. Frieden braucht echte Vergebung, und die kann man nicht verordnen.

Wichtig ist, dass die Gespräche nicht abreißen und die Bevölkerung noch mehr einbezogen wird. Das sollte möglich sein. Beide Seiten haben den Waffenstillstand verlängert. Außerdem bekräftig­ten FARC und Regierung, dass sie die Verhandlungen fortsetzen wollen. Der Friedensnobelpreis für Präsident Juan Manuel Santos ist auch ein Signal, mit der Versöhnungsarbeit weiterzumachen.

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Wer von Deutschland nach Ruanda reist, kann vieles lernen. Zum Beispiel Versöhnung. So ein großes Herz!
Thomas Reppich mit einer E-Mail aus Kolumbien

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