GEP-Illustrationspreis 2016 an Stian Hole vergeben

Bis Morkel eines Tages plötzlich verschwindet...
Der Autor und Illustrator Stian Hole (M.) ist am Freitag (09.09.2016) in Frankfurt am Main mit dem Illustrationspreis fuer Kinder- und Jugendbuecher des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik (GEP) ausgezeichnet worden (Foto re.: Jörg Bollmann, D

Foto: epd-bild/Heike Lyding

"Jedes Bild ist eine digitale Collage, in der auch das kleinste Detail Bedeutung besitzt. Seine Bildideen nehmen sich wie visuelle Lyrik aus, die mit der Schönheit der äußeren Welt von der inneren erzählt", heißt es in der Begründung der Jury.

„Anna berührt Morkel mit der Schulter. Sie kann spüren, wie er atmet. Alle haben ihr eigenes Alphabet, denkt Anna. Es kann lange dauern, bis man die Buchstaben versteht.“ Das Mädchen Anna und ihr neuer Freund Morkel sitzen in der Schaufel eines Baggers, der auf einem verschneiten Acker steht. Im Vordergrund steht ein kopfüber gebauter Schneemann, im Hintergrund schleicht ein Fuchs am Waldrand vorbei, der im Dunst des sanften Abendlichts leuchtet.

Anregungen für Gemeinden

Alle zwei Jahre prämiert das GEP Bücher, die einen Beitrag zur christlichen Erziehung liefern und das Anliegen von „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ anschaulich unterstützen. Das GEP bringt 2016 erstmals Anregungen heraus, wie sich das Preisträgerbuch in der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit einsetzen lässt. Darin ist auch ein Entwurf zu einem Literaturgottesdienst enthalten. Hier dowloaden

Szenen wie diese haben die Jury des 13. Illustrationspreises für Kinder- und Jugendbücher 2016 von „Morkels Alphabet“ überzeugt, einem Kinderbuch des norwegischen Autors und Illustrators Stian Hole. Für sein neuestes Werk hat er den Preis, der alle zwei Jahre vom Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) verliehen wird, erhalten. Am 9. September hat Hole den Preis im Kaisersaal des Frankfurter Rathauses entgegengenommen.

„Jedes Bild ist eine digitale Collage, in der auch das kleinste Detail Bedeutung besitzt. Seine Bildideen nehmen sich wie visuelle Lyrik aus, die mit der Schönheit der äußeren Welt von der inneren erzählt“, hieß es in der Begründung der Jury.

In Holes Buch findet Anna, die bereits in Holes vorherigem Buch „Annas Himmel“ die Hauptfigur war, mehrere Zettel auf dem Acker vor ihrem Haus. „Hallo“, steht anfangs nur darauf, später „Die Laubsänger sind schon weg“. Anna beobachtet, wie ein Junge die Zettel nachts auf dem Acker verteilt und beschließt, ihm zu antworten. Während Morkel Anna an seiner Liebe zur Natur und zur Vogelbeobachtung teilhaben lässt, schenkt Anna ihm neue Wörter wie „Moschusochse“. Bis Morkel eines Tages plötzlich verschwindet.

"Sein Bilderbuch hat der ganzen Welt etwas zu sagen“

„Stian Hole schafft es, so abstrakte Themen wie Sprache und Liebe durch Bilder greifbar zu machen“, sagte der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) bei der Verleihung. „Die Geschicklichkeit von Holes Bildkomposition macht sprachlos“, schloss sich Laudator Andreas Platthaus, Leiter des Ressorts „Literatur und literarisches Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Zeitung an. „Was ist evangelischer als die Wertschätzung des Wortes? Ich weiß nicht, ob Hole sich als religiösen Menschen versteht, aber jeder evangelische Mensch wird Hole verstehen. Sein Bilderbuch hat der ganzen Welt etwas zu sagen“, sagte Platthaus.

Hole gab in seiner Dankesrede einen kurzen Einblick in seine Arbeit „Geschichten schreiben ist für mich wie ein Strandspaziergang: Ich sammele die Muscheln auf und setze sie zuhause zu einem Mosaik zusammen“, sagte Hole, der mit seiner Trilogie „Garmans Sommer“, „Garmans Straße“ und „Garmans Geheimnis“  international bekannt wurde. „Schreiben und Bilder dazu zu schaffen, ist für mich, die Welt aus den Augen eines Kindes zu sehen, aber zugleich auch mit dem Blick des Erwachsenen. Es ist ein Dialog zwischen Herz und Hirn, zwischen Zweifel und Neugier, zwischen Sehnsucht und Staunen“, so Hole. „Für mich ist Lesen, sich weit weg zu träumen und das Leben gleichzeitig stark zu spüren. Lesen führt zu Empathie und Selbstvertrauen.“

Neun weitere herausragende Bücher

9 Empfehlungen

  • Von Martin Luthers Wittenberger Thesen – Illustrator: Klaus Ensikat, Kindermann Verlag
  • Etwas ganz Großes – Illustratorin: Ingrid Godon, mixtvision
  • Der Traum von Olympia – Illustrator: Reinhard Kleist, Carlsen
  • Migrar – Illustrator: Javier Martìnez Pedro, Verlag Edition Orient
  • Eine Geschichte ohne Ende – Illustrator: Marcelo Pimentel, Baobab Books
  • Onkel Flores – Illustratorin: Eymard Toledo, Baobab Books 
  • Evolution –  Illustratorin: Floor Rieder, Gerstenberg Verlag
  • Löwen zählen – Illustrator: Stephen Walton, Verlag Freies Geistesleben
  • Klein – Illustratorin: Stina Wirsén, Klett Kinderbuch
Der Illustrationspreis des GEP ist mit 5.000 Euro dotiert. In diesem Jahr haben sich 88 Verlage mit 222 Büchern von 188 Illustratorinnen und Illustratoren beworben. Die erste Verleihung fand im Jahr 1992 statt. „Das GEP vergibt den Illustrationspreis für Kinder- und Jugendbücher, weil wir darauf vertrauen, dass die kompetente Fachjury Bücher wie „Morkels Alphabet“ auswählt, die in Bild und Text den Wert, die Kraft und die Bedeutung der Liebe vermitteln“, sagte Jörg Bollmann, Direktor des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik. Es sei die Aufgabe der evangelischen Kirche, Glaube, Liebe und Hoffnung immer wieder auf allen Kanälen zu vermitteln, sei es in Blogs, im Radio oder mit Preisverleihungen wie diesen.

Zusätzlich zur Preisverleihung hat die Jury eine Empfehlungsliste mit neun weiteren herausragenden Büchern aufgestellt. Dazu zählen unter anderem „Der Traum von Olympia“ von Reinhard Kleist über die somalische Läuferin Samia Yusuf Omar, die auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 2012 in London im Mittelmeer ertrunken ist.

Erstmals erscheint begleitend zum Illustrationspreis eine Broschüre, die religionspädagogischen Fachkräften Anregungen für den Konfirmationsunterricht und Pastoren einen Entwurf für einen Literaturgottesdienst zum Preisträgerbuch an die Hand gibt.

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