Kindergeigen kaufen oder mieten

Tipps für den Einstieg in die Welt der Violinen
Geigenbauer Rodolfo Angilletta

Foto: Anke Hunscha

Woran erkenne ich eine gute Geige? Und was kostet eine gute für Kinder? Rodolfo Angilletta kennt sich aus

Was ist bei Kindergeigen zu beachten?

Rodolfo Angilletta: Zunächst: Kinder beginnen noch nicht mit den normalen Geigen. Für sie gibt es kleinere Größen, die sich in 1/16, 1/8, 1/4, 1/2 und 3/4 ausdrücken. Natürlich ist ein guter Klang auch bei Geigen für Kinder wichtig, sonst hat das Kind schnell keine Lust mehr. Aber er ist nicht das Hauptkriterium. Wichtig ist, dass die Geige funktioniert, sich gut greifen lässt, gut aufliegt. Dahinter stehen einige Überlegungen: Kinder, die mit fünf Jahren anfangen zu spielen, durchlaufen zwei bis drei Geigengrößen, gleichzeitig sind kleine Geigen noch schwerer zu bearbeiten und damit schnell noch teurer in der Herstellung. Man wägt also ab zwischen Aufwand, Preis und Anforderungen an die Geige für diese Altersklasse.

Kann ich also irgendeine Geige nehmen, Hauptsache die Qualität ist solide?

Nein. Auch Kindergeigen sind in ihrer Form und Machart ganz individuell. Man muss auch schauen, welche Schulterstütze passt, welcher Kinnhalter dem Kind angenehm ist.

Wo besorge ich die Geige?

Es ist ratsam, das Instrument bei Geigenbauern zu suchen, denn es gibt auch bei Kindern große Qualitätsunterschiede. Ich warne vor Geigen aus dem Internet, Manufakturen oder aus China. Da laufen die Wirbel nicht, die Instrumente sind rechts-links verzogen, wenn da ein Geigenbauer nicht noch zusätzlich was dran macht, hat das Kind keine Chance, es zu spielen. Man sieht es an den Meistergeigen: Wenn man die Instrumente auch nur ansatzweise maschinell herstellen könnte, wären sie günstiger. Ich beziehe meine Kindergeigen aus europäischen Werkstätten, die liefern ganz ordentliche Qualität. Ich verfeinere die Instrumente noch nachträglich.

Wie erkenne ich eine qualitativ solide Geige?

Laien erkennen das nicht. Am leichtesten lässt sich feststellen, ob die Wirbel gut drehen oder das Griffbrett gut abgezogen ist. Aber schon ob der Steg die richtige Rundung hat, die A-Saite angesägt ist oder am Instrumentenkörper Zargen aufgegangen sind, ist für Laien nicht ersichtlich. Geschweige denn, ob die Handhabung für das Kind passt. Normalerweise nimmt man den Lehrer oder die Lehrerin mit. Die Lehrer wissen am besten, was die Schüler jeweils brauchen, und verfügen über die nötige Erfahrung.

"Man kann auch Geigen mieten"

Nun sagen aber Fachleute, dass guter Klang wichtig für die Entwicklung des Gehörs sei.

Absolut. Und wenn ein Kind besonders begabt ist und sehr schnelle Fortschritte macht, gibt es auch die Möglichkeit, ein entsprechendes Instrument zur Verfügung zu stellen. Bei den ¾ Geigen, den größten Kindergeigen, gibt es schon hervorragende Instrumente.

Mit welchem Preis muss man für Kindergeigen rechnen?

Im Set, also mit Bogen und Geigenkasten, kostet eine solide Kindergeige ab 500 Euro. Das ist viel, dafür, dass das Kind die einzelnen Geigen nur etwa 1,5 Jahre spielt, bis es zur nächsten Größe wechselt. Geigenbauer haben sich deswegen verschiedene Systeme überlegt: Bei manchen, bekommt man einen guten Teil des Kaufpreises der ersten Geige angerechnet, wenn man die nächste erwirbt. Man kann Instrumente auch mieten, ich biete das auch an und liege dabei eher im oberen Preissegment: Es kostet bei mir 18 Euro im Monat. Dafür ist da alles drin: Ein hochwertiger Bogen – ich verwende keine Einwegbögen – und der Verschleiß. Im Anschluss an eine Leihphase richte ich alle Instrumente wieder her.

Wie sieht es mit Zubehör und Pflege aus?

Geige, Bogen und Kasten habe ich schon erwähnt. Damit der Bogen spielbar bleibt, ist Kolophonium unverzichtbar, das ist ein Naturharz. Brauchbares Harz gibt es ab 7 Euro, alles drunter ist qualitativ gar nicht gut. Außerdem ein Satz guter Saiten. Nimmt man es mit der Pflege genau, wischt man das Instrument regelmäßig ab und befreit es von den Kolophoniumresten. Das wird umso wichtiger, je öfter man das Instrument spielt. Aber ansonsten ist die Geigenpflege während der eineinhalb Jahre, die das Kind dieses Instrument nutzt, so aufwendig auch wieder nicht. Zum Beispiel werden die Saiten in der Zeit selten oder gar nicht gewechselt. Anders gestaltet es sich bei begabten Kindern, die richtig viel spielen.

Rodolfo Angilletta

Rodolfo Angilletta wollte immer ein Instrument spielen, aber die Eltern konnten sich das nicht leisten. Mit 16 nahm er einen Nebenjob auf, um endlich Geige lernen zu können. Das erste Instrument war ein totaler Fehlkauf. Später lernte er unter anderem in Cremona, und bei der renommierten Werkstatt Leonhard in London, wie man hervorragende Instrumente baut. Seit 2010 betreibt er eine Werkstatt in Düsseldorf. Ein besonderes Herz hat er für Kindergeigen.
Foto: Foto: Anke Hunscha

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Lesermeinungen

Also ich finde, wer für sein Kind eine Geige gebraucht kauft, wie sie gerade in kleineren Größen regelmäßig in Kleinanzeigen und dergleichen angeboten werden, kann einiges an Geld sparen. Ich selber hatte mal bei https://trovas.ch/?title=geige eine Geige erworben – sogar noch mit Garantie. Daher bin ich nicht ganz einverstanden mit der pauschalen Aussage, dass dabei mehr riskiert, als bei einem Kauf in einem Geschäft vorort.

Einige Händler (auch online) bieten sogar einen kostenlosen Rückversand an und gewährleisten eine sehr gute gute Qualität. Zum Teil wird auch Ratenzahlung angeboten. Nachfragen lohnt sich auf alle Fälle.

Nur ein kleiner Hinweis: Der Zustand der Wirbel und des Griffbretts ist nicht so entscheidend; man sollte sich die Geige erst einmal lange ansehen und auf die Feinjährigkeit des Holzes achten, die Ausrundung vom Rand bis zur Deckenmitte genau einschätzen; Steg und Saiten sind Verschleißartikel. Ein Laie wird nach etwa 40 Jahren intensiver Beschäftigung mit Geigen, intensivem Musizieren und mehreren Reinfällen beim Erwerb eines solchen Instruments allmählich sicherer im Beurteilen. Auch ein Geigenbauer ist keine unumstrittene Autorität, ich habe schon seltsame Einschätzungen erlebt. Der Geigenhandel ist noch undurchsichtiger als Antiquitäten- und Gebrauchtwagenhandel von Edelkarossen...Die Geige muß einem gefallen, leicht spielbar und ausgeglichen in allen Tonlagen sein, auf die Zettel sollte man nicht achten, den kann man - es gibt genügend Vorlagen in Geigenbüchern - notfalls selbst herstellen...Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Berufsmusiker auch das Problem 'alte' oder 'neue' Geige recht nüchtern sehen; Amateure sind auch schnell dabei, mangelnde Tonqualität auf die Geige zu schieben. Zudem klingt ein altes italienisches Instrument nicht hundertmal besser als Klotz oder andere, was der Handelspreis erwarten ließe, es sind halt Antiquitäten mit einer besonderen Geschichte.