Musikförderung

Hilfe, mein Kind ist begabt!
i34_cp1609_44-titelthema_02_web.jpg

Foto: Katharina Dubno

Teurer Unterricht, Orchesterreisen und ein gutes Instrument. Musikalisches Talent zu fördern, ist zeitaufwendig und kostspielig. Gut, dass es zahlreiche Stiftungen und Angebote für Begabte gibt

„Viele denken, ausgewöhnliches Potential muss nicht weiter gefördert werden. Aber im Gegenteil: Damit es sich entfalten kann, ist viel Unterstützung und Ermutigung gefragt,“ Irene Schulte-Hillen, Präsidentin der Deutschen Stiftung Musikleben.

„Hochklassige Lehrer sind notwendig, fundierter, einfühlsamer, aber auch fordernder Unterricht – und ein qualitativ hochwertiges Instrument. Nur so kann eine junge Musikerin oder junger Musiker das Gehör weiter schulen“, Dr. Martin Brauß, Leiter des Instituts zur Frühförderung musikalisch Hochbegabter in Hannover

Musikförderung besteht aus vielen Komponenten, darin sind sich Musikexperten einig. Begabte Kinder brauchen die Möglichkeit, üben zu können. Sie sollten bei hochklassigen Lehrern unterrichtet werden, anfangs zum Beispiel an Musikschulen. Sogenannte Pre-Colleges oder Frühstudien bereiten junge Begabte bereits auf ein späteres Musikstudium vor, wie am Institut für musikalische Frühförderung der Musikhochschule Hannover, an dem die Geigerin Alexandra Tsiokou Unterricht nimmt. Diese Frühstudiengänge starten ab etwa 13 oder 14 Jahren. Aber auch für Kinder gibt es Möglichkeiten, sich auf das Frühstudium vorzubereiten. Stipendien gibt es für Instrumente, aber auch für sogenannte Meisterklassen, Workshops, Orchesterproben und Musikunterricht.

Wettbewerbe sind wichtig, weil Auszeichnungen als Reputation gelten und die Veranstaltungen Anlaufstelle für Stipendiengeber sind. Dort suchen sie sich diejenigen Musiker heraus, die sie fördern möchten. Für Nachwuchsmusiker der Klassik ist der wichtigste Wettbewerb „Jugend musiziert“, dort vernetzt sich die gesamte Branche.

Musikstiftungen – Ein Wald

Die Turner-Musik-Akademie hat einmal sämtliche, potentielle Geldgeber und Unterstützer für Musiker zusammengezählt: Sie kommt auf eine Zahl von über 5000 in Deutschland. Aber die einen fördern nur Projekte, wieder andere nur ein bestimmtes Genre und die meisten sowieso nur regional. Auf der anderen Seite sind die Bedürfnisse der jungen Musiker so individuell wie jeder Mensch selbst. Wer also Förderung für sein Kind braucht, muss sich durch ein unübersichtliches Dickicht schlagen. Dafür ist Zeit nötig. Auch wenn man folgende größere Anlaufstellen kennt:

Die Datenbank des MIZ

Stipendien, Ausschreibungen, Wettbewerbe, Kurse. Ständig aktualisiert listet das Deutsche Musikinformationszentrum (MIZ), ein Projekt des Deutschen Musikrates, nahezu alle Musikstiftungen, Stipendien, Wettbewerbe und Preise mit Informationen zu aktuellen Ausschreibungen auf, die in Deutschland, teilweise aber auch international stattfinden. Um die Ergebnisse auf die eigenen Bedürfnisse einzugrenzen, kann man Filter setzen.

Darüber hinaus stellt das MIZ zahlreiche Fachartikel und Ratgeber zu sämtlichen Themen des Musiklebens zur Verfügung. Projektleiter Stephan Schulmeistrat empfiehlt besonders den Beitrag von Arnold Jacobshagen zum Thema Musikwettbewerbe, Preise und Stipendien. Der Artikel liefert wissenswerte Hintergründe zur Struktur der nationalen wie internationalen Wettbewerbslandschaft und den Mechanismen der Jurys. Jacobshagen thematisiert auch die Probleme, mit denen die Wettbewerbslandschaft, die in den vergangenen Jahrzehnten immer dichter geworden ist, die Musiker konfrontiert.

Das Themenportal Musikförderung ist eine Sammlung sämtlicher Pools, Fachartikel und Beiträge speziell zu diesem Thema.

Weitere Datenbanken

Weniger speziell, dennoch ausgestattet mit der Rubrik „Musik“ sind die Seiten des Deutschen Informationszentrums für Kulturförderung und Arcult Media, ebenfalls gefördert durch das Bundesministerium für Kultur und Medien.

Deutsche Stiftung Musikleben

Die Stiftung widmet sich bereits seit mehr als 40 Jahren der Förderung junger Musiker. Sie bemüht sich, jedem einzelnen eine möglichst maßgeschneiderte Förderung zukommen zu lassen. Besonders erwähnenswert ist der Instrumentenfonds, der nach der Wiedervereinigung in Zusammenarbeit mit der Bundesrepublik Deutschland gegründet wurde. Mittlerweile besteht er aus rund 190 hochwertigen Streichinstrumenten, von der Stradivari-Geige bis zum Kontrabass. Ein Teil der Instrumente gehört der Bundesrepublik, einige sind Leihgaben aus Privatbesitz, die Stiftung versucht aber auch, in regelmäßigen Abständen selbst in neue Instrumente zu investieren. Es gibt zwei Möglichkeiten, ein Leihinstrument aus der Stiftung zu erhalten. Man kann sich bei der jährlichen Ausschreibung um ein Instrument bewerben. Die Stiftung vergibt aber auch Instrumente an Preisträger des Nachwuchswettbewerbs „Jugend musiziert“, die von der Jury vorgeschlagen werden. Die Stiftung wird von Ehrenamtlichen getragen, bringt private Förderer und Musiker zusammen und ist immer auf der Suche nach weiteren Unterstützern und Instrumentengebern.

Broschüre

Eines der führenden Forschungsinstitute, das sich mit musikalischer Begabung befasst, ist das Institut für Begabungsforschung in der Musik (IBFM) der Universität Paderborn. Hier legen die Forscher großen Wert darauf, dass die Ergebnisse ihrer Untersuchungen auf ihren Nutzen in der Praxis hin formuliert werden. Auf der Website finden sich daher viele Antworten auf zentrale Fragen von Eltern und Betreuern von musikalisch Hochbegabten. Auch zu finden, ist die Broschüre „Musikalische Begabung fördern“, die von den Mitarbeitern des Instituts ständig aktuell gehalten wird. Sie enthält Hinweise und Tipps zum Umgang und der Förderung von musikalisch hochbegabten Kindern.

Wie gehe ich auf Stiftungen zu?

Ein unverbindliches Telefongespräch vorab hilft, letzte Zweifel und Fragen zu beantworten. Im nächsten Schritt erfolgt meistens eine Art Bewerbung. Dafür sollten ansprechend gestaltete Bewerbungsmappen oder Bewerbungsschreiben bereitstehen, in denen der Werdegang, die bisherigen Lehrer, Kurse, Auszeichnungen und wichtige Auftritte gelistet sind.

Tipp von den Profis: reden, fragen, netzwerken

Musikschaffende der Klassik bemerken, dass besonders die Eltern zurückhaltend sind, die selbst nie mit der Musik zu tun hatten. „Man muss auf die Fachleute zugehen, fragen, bei den Musikhochschulen anrufen“, sagt Leiter des IFF, Martin Brauß. „Musikhochschulen helfen bei der Nachwuchsförderung gerne mit – man hat dort ein offenes Ohr und verweist gegebenenfalls an geeignete Adressen.“

Geduld und Zeit ist gefragt

Wer sich die Zeit nimmt, kann im Internet viele kleinere Stiftungen finden, etwa die Musikstiftung Entrée, die selbst keine Förderschwerpunkte setzen, aber viel Wert auf eine persönliche Auswahl legen.

Leseempfehlung

Die Geige ist 200 Jahre alt und Alexandra erst 16. Das Mädchen will Profi werden. Ob sie das schafft?
Och nö. In Joachimsthal haben Jugendliche Besseres vor
Musik aus Müll: Der Verein Fidibus in Trier macht's vor
Falk Peters kann Geigen maßschneidern. Ganz alte Violinen zeigen schon Ermüdungserscheinungen, sagt er
Die Geige ist 200 Jahre alt und Alexandra erst 16. Das Mädchen will Profi werden. Ob sie das schafft?
Wie man Nachwuchstalente zusätzlich motiviert? Mit hochwertigen Sammlerstücken, sagt die Stiftungspräsidentin

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.