#Integration: Kitas sind wichtig

Wie schaffen wir es, geflüchtete Eltern davon zu überzeugen, ihre Kinder in Krippen und Kitas anzumelden?
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Illustration: chrismon Grafik

Kitas sind wichtig für die Integration. Deswegen sollten wir klar machen, dass auch Flüchtlinge Anspruch auf einen Platz haben

Bildung fängt vor der Schulzeit an. Wenn Kinder mit Migrationshintergrund mehrere Jahre eine Kita besuchen, sprechen sie besser Deutsch und besuchen später häufiger ein Gymnasium als Altersgenossen, die zu Hause betreut wurden. Diese Erkenntnis sollten wir auch bei den Flüchtlingskindern beherzigen. Zumal eine Kita für sie endlich wieder ein Ort sein kann, wo sie spielen und lernen können.

Noch wissen wir zu wenig darüber, wie viele geflüchtete Familien eine Kindertages­einrichtung nutzen. Für Familien mit Migrationshintergrund ist dagegen bekannt: Nur 20 Prozent der Kinder unter drei Jahren besuchen eine Krippe, bei den gleich­altrigen deutschen Kindern ohne Migrations­hintergrund liegt der Anteil fast doppelt so hoch. Die Vorschulkinder gehen fast alle in Kitas, unabhängig von ihrer Herkunft.

Dr. Mohini Lokhande

Dr. Mohini Lokhande ist wissenschaftliche Mitarbeiterin des Forschungsbereichs beim Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration.
Foto: Michael Setzpfandt
Wir brauchen mehr Kita- und Krippenplätze – und Informationen und Unterstützung für neu zugewanderte Familien. Häufig wissen die Eltern gar nicht, dass sie Anspruch auf einen Platz haben. Oder es ist in ihren Herkunftsländern nicht üblich, Kinder unter drei Jahren außerhalb der Familie zu betreuen. Vertrauen ist allen Eltern, gleich welcher Herkunft, wichtig. Fast alle Väter und Mütter fragen sich, was die beste Betreuung für ihr Kleinkind ist. Unsere Forschung zeigt, dass Eltern mit Migrationshintergrund oft nicht einschätzen können, was in einer Kita passiert. Und sie berichten oder befürchten, dass Kitas auf ihre kulturellen oder religiösen Bedürfnisse zu wenig Rücksicht nehmen würden.

Die Kitas müssen auf die Neuen zugehen, sie informieren und begleiten. Sie sollten nicht warten, bis Eltern zu ihnen kommen, sondern ihre Angebote auch draußen präsentieren, zum Beispiel in Familienzentren, wo sich junge Mütter und Schwangere treffen. Interessant ist: Bei den zweiten Einwanderergenerationen gleichen sich die Betreuungsquoten an. Das ist eine erfreuliche Entwicklung! 

Information

Schaffen wir das?

Die Flüchtlinge sind da – eine Welle, sagen manche, eine Flut. Aber wir sind darin nicht untergegangen. Wir wollten ganz praktisch wissen, was wir tun müssen, damit wir hier alle gut leben können. Acht Experten haben uns in chrismon 06/2016 geantwortet. Sozialpsychologen, Ethnologen, Immobilienwirtschaftler. Alle haben Ideen.

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Lesermeinungen

Wie überzeugt man Flüchtlingseltern und wie, ich ergänze, Eltern aus besonders schwierigen, prekären sozialen Verhältnissen davon, ihre Kleinkinder in einer Krippe betreuen zu lassen?

Eltern also, deren Kinder ganz eindeutig von der Krippenbetreuung profitieren würden, sei es, dass sie schnell und gut Deutsch sprechen  und hiesige Erziehungsgeflogenheiten und Alltagsleben kennenlernen – wobei ja auch die Eltern eingebunden sind. Sei es, dass sie durch die zuverlässige und Kindgerechte Betreuung ihre Potenziale bestmöglich entwickeln können. Eltern aber, und das ist paradox, die ihre Kinder zu deren Nachteil lieber zuhause betreuen, obwohl die Krippenbetreuung für sie kostenlos wäre.

Indem man – und das ist meine Antwort – diesen Eltern ein Krippenbetreuungsgeld bezahlt!

Geld, das sie zusätzlich ohne Verrechnung zu anderen Sozialleistungen bekommen. Und das damit einen starken Anreiz bietet, ihre Kinder in die Krippe zu geben.

Die Kinder werde ihr Leben lang on Privat- und Arbeitsleben von den positiven Erfahrungen und Einflüssen der Krippenbetreuung profitieren.

Sinnvoller kann man Geld nicht investieren – zum Vorteil von Kindern, Eltern, Staat und Gesellschaft.

Ich habe beim Deutschen Bundestag eine Petition zum „Krippen-Betreuungsgeld“ eingereicht.

Michael Meinsen

Hannnover

Die Selbstverständlichkeit, mit der davon ausgegangen wird, dass es selbst für eben erst aus ihrer Heimat geflüchtete Kleinkinder "das Beste" sei, eine Krippe zu besuchen, um möglichst schnell Deutsch zu lernen, ist sehr unseriös. Die Kinder sind unter Umständen traumatisiert und sollen nun aber möglichst bald täglich stundenlang von ihren Eltern getrennt werden, und das soll angeblich zu ihrem eigenen Besten sein? - Die Kinder können noch wunderbar Deutsch lernen, wenn sie sich erstmal ein wenig eingelebt und an der Hand ihrer Eltern an die neue Umgebung gewöhnt haben und dann im Alter von ca. drei Jahren einen Kindergarten besuchen! Aus eigener Erfahrung kenne ich zahlreiche Kinder, die als Dreijährige ohne Deutschkenntnisse in den Kindergarten gekommen sind und als Schulanfänger fließend und perfekt Deutsch sprachen! (Dafür ist natürlich ein ordentlicher Betreuungsschlüssel Voraussetzung!)

Es ist ganz einfach, sicher nicht problemlos, aber wer "unproblematische " Menschen will, der beschaffe sich, bitte, Roboter.
Für wen wird denn hier überhaupt so "eiskalt " rational argumentiert ?
Sind unsere Behörden denn wirklich so borniert und desinteressiert ?
Mir erscheint dieser Text, wie wenn man dem Homo Sapiens erklären wollte, wofür er seine Extremitäten zu benutzen habe !
So ist das Leben. Fr. Dr. Mohini Lokhande, z.B. hatte einige Jahre gebraucht, bis sie Inhaberin ihres Doktortitels wurde, für gewöhnlich dauern Ausbildung, Schulzeit viele Jahre, nehemen Kindheit und Jugend in Anspruch bis man für den Arbeitsmarkt bereit ist.
Die Flüchtlingsfamilien müssen sich, nach so mancher albtraumatischen Erfahrung voll umstellen, und das, in guter steril akademischer Manier, besser noch, REIN WIRTSCHAFTLCH ÖKONOMISCH, bitte, sofort, `lieber also schon gestern als heute`!
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"Das ist eine erfreuliche Entwicklung." Dass sich die Quoten angleichen ist nicht nur "erfreulich", sondern "normal" , d.h. gleichermassen, " dass hier Panikmache und WICHTIGTUEREI auf der einen Seite, und berechtigte, Sorge auf der anderen Ton angebend sind.