#Integration: Erschwinglicher Wohnraum für Flüchtlinge

Wo sollen all die Menschen wohnen?
c1606-fluechtlinge_frage2.jpg

Illustration: chrismon Grafik

Man kann auf fünfstöckige Häuser noch eins draufsetzen, meint der Professor für Immobilienwirtschaft

Seit einiger Zeit wollen wieder mehr Menschen in den Städten wohnen, dort wurde in den vergangenen Jahren aber zu wenig gebaut. Also ist es seit 2009 deutlich teurer geworden, in den Ballungs­räumen zu leben. Die Flüchtenden erklären diese Ver­teuerung höchstens zum Teil. Wir brauchen erschwinglichen Wohnraum für alle – nicht nur für Flüchtende.

Was kann man konkret tun? Die Mietpreisbremse klingt charmant. Durch gedeckelte Mieten ist aber noch nie eine einzige Wohnung entstanden. Bis neue Wohnungen fertig sind, sollten wir Menschen mit geringem Einkommen mit Wohngeld unterstützen.

Tobias Just

Tobias Just ist Professor am Lehrstuhl für Immobilienwirtschaft an der Universität Regensburg.  
Foto: Hans-Juergen Heyer
Damit mehr gebaut wird, sollten Großstädte zusammen mit ihren Nachbarkommunen Bauland ausweisen. Wir könnten aufwendige Energiesparvorschriften aussetzen und später realisieren. Und warum nicht über die Gebäudehöhe nachdenken? Man kann auf fünfstöckige Häuser noch eins draufsetzen. Allein in München könnten so einige Tausend Wohnungen entstehen – ohne dass wir neue Wohnsilos mit 25 Stockwerken schaffen.

Viele Städte in Deutschland haben Nachverdichtungspotenzial. Auf gleichem Raum kann also mehr Wohnraum entstehen. Das muss natürlich sorgfältig geprüft werden, aber diese Prüfung darf nicht ergeben, dass Städte nur etwas für Wohlhabende und Eingesessene sind.

Vielleicht lohnt der Blick zurück: Im Vergleich zu dem, was wir in den 50er Jahren erlebt haben, kommt nun eine relativ kleine Aufgabe auf uns zu. Damals gelang es, mit viel weniger Technik und viel weniger Geld viel mehr Menschen unterzubringen. Wir leben im produktivsten und wohlhabendsten Deutschland aller Zeiten – und es kommt mir manchmal mutlos vor.

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.