Wie geht Versöhnung in Afrika?

Einen Elefanten tragen
i34_n6a7285.jpg

Foto: Anne Ackermann

Theologe Pascal Bataringaya

Der Theologe Pascal Bataringaya hat aufgeschrieben, wie man Streitigkeiten mit afrikanischer Tradition und moderner Konfliktforschung lösen kann
Deutschland spricht 2019

Streit gibt es überall. Geschwister streiten, wer die alten Eltern pflegen soll. Freunde streiten, wie wir in Deutschland mit den Flüchtlingen umgehen sollen. Geschiedene Ehepaare streiten um Geld, um die Kinder, ums Haus. Jeder Streit ist anders, aber es gibt Erfahrungen, die auch im Alltag weiter helfen können.

Der Theologe Pascal Bataringaya hat in seiner Doktorarbeit aufgeschrieben, wie Versöhnung gelingen kann – eine Mischung aus afrikanischer Tradition und moderner Konfliktforschung. In Afrika geht das so:

  • Überstürze nie eine Konfliktlösung, warte zumindest bis zum nächsten Tag
  • Der Vermittler zwischen den zerstrittenen Parteien muss moralische Autorität und Weisheit besitzen
  • Die Uhrzeit wird so gewählt, dass alle teilnehmen können, am besten am frühen Morgen
  • Ist ein Streit geregelt, gießen beide Parteien als Zeichen der Versöhnung Wasser auf die Erde, es wäscht Bitterkeit und Rache ab
  • Am Ende eines Streits muss Wiedergutmachung stehen
  • Die ganze Gemeinschaft trägt Verantwortung für die Kinder, für ihr materielles und moralisches Wohl
  • Rituale, die das Leid einer Person ausdrücken, erlauben ihre Wiedereingliederung  in eine Gemeinschaft
  • Eine schlechte Nachricht wird mit viel Feingefühl übermittelt
  • Zwischen ethnischen Gruppen oder Familien werden Ehen oder Bündnisse geschlossen
  • Gastfreundschaft allen Menschen gegenüber hat eine große und wichtige Bedeutung
  • Wir helfen solidarisch zusammen, wo immer es nötig ist

Zum letzten Punkt gibt es ein schönes ruandisches Sprichwort: "Abashyze hamwe batwara inzovu ku mashyi."

Zu deutsch: "Menschen, die zusammen helfen, tragen einen Elefanten, obwohl er viel größer ist."

Information

Versöhnung in Ruanda

Es ist wohl das Schwierigste, was es gibt: Vergeben und Versöhnen. Nach dem entsetzlichen Völkermord in Ruanda standen die Menschen dort genau vor dieser Aufgabe, wollten sie weiter zusammenleben. Ein beispielloser Kraftakt. Und ein Vorbild für andere. Hier finden Sie Reportagen, Texte und andere Inhalte zu diesem Thema.

Leseempfehlung

Wer von Deutschland nach Ruanda reist, kann vieles lernen. Zum Beispiel Versöhnung. So ein großes Herz!
Zwanzig Jahre nach den Massakern ist Ruanda eine Baustelle der Versöhnung

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.