Panama Papers

Der Journalismus steckt in der Krise - das weckt ungeahnte Kräfte
Die Panama-Papers zeigen: Der Journalismus überlebt - wenn er gut ist!

 chrismon-Redakteurin Dorothea Heintze
Bin ich gerne Journalistin? Ja!
Habe ich begabten jungen Menschen, die mich nach Berufsaussichten im Journalismus fragten, fast immer zugeraten, diesen Weg auch zu gehen? Ebenfalls ja!
Hat sich all dies in den letzten zwei Jahren geändert – noch mal ja!

Warum? Der Journalismus steckt in der Krise. Zeitungen kämpfen um ihr Überleben, auf Facebook und Co. schlägt uns Hass und Häme entgegen und von Demonstranten werden wir pauschal verunglimpft. Ich kenne wohl keine Kollegin und keinen Kollegen, denen das infame Pauschalurteil „Lügenpresse“ nicht ans Herz gegangen ist. Denn so unfair das historisch belastete Wort auch ist: eine derart massive Kritik an einem Berufsstand  hat ihre Gründe. Wir alle, die einzelnen Journalisten wie auch die Chefredaktionen und Herausgeber, sind ins Nachdenken gekommen. Was können wir ändern? Was müssen wir besser machen? 

Die Veröffentlichung der „Panama-Papers“ aind eine beeindruckende Antwort: Eine Aktion von mehr als 400 Journalisten, die weltweit ein Jahr lang gemeinsam an einer großen Geschichte recherchieren, wäre vor zehn Jahren undenkbar gewesen. Eitelkeiten und Besitzstandsdenken hätten dies verhindert.

Wer ein wenig hinter die Kulissen dieses mit großem Pomp gestarteten Coups blickt, der sieht den Preis des Erfolges. Der Kollege in Island entdeckte in den Papieren seine eigenen Verwandten. Ein Schock für die ganze Familie, denn natürlich werden diese Verwandten nicht geschont. Andere Kollegen quälten sich Stunden, Tage oder gar Wochen durch unübersichtliche Datenberge, hockten in dunklen Räumen vor ihren Computern. Keine heldenhafte Recherche, sondern gutes Handwerk, denn Datenauswertung will gelernt sind. Der Film Spotlight lässt grüßen.

Man muss nicht alles großartig an den Panama-Papers finden. Man kann kritisieren, dass die beteiligten Medien ihren Erfolg gnadenlos ausschlachten und noch das letzte Fitzelchen an Auflagengewinn herauskitzeln. Fakt ist: Hier sind Profis am Werk. Und dazu gehört auch die Vermarktung.

Krise des Journalismus? Ja, natürlich, die ist da und so gilt weiter für mich: Wenn junge Menschen mich heute fragen, bin ich mit einem "Ja" zurückhaltender als früher. Doch ich weiß mittlweile, dass die Krise zu wichtigen Erkenntnissen in meiner Branche geführt hat. Wer sich nicht zusammentut, geht unter. Wer keine Fehler eingesteht, wird nicht überleben. Wer keine gute Arbeit macht, bekommt keine Aufmerksamkeit mehr. Überlebt der Journalismus? Die Antwort: wenn er gut ist, ja!

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