Erste Auslandsgemeinde der EKD in Polen

Wir sind die Neuen
Verein für deutschsprachige evangelische Seelsorge in Warschau

Foto: Franziska Clauss

Eine wachsende Gemeinde: Warschaus evangelischer Seelsorgeverein

Simon von Kleist hat in Warschau eine Gemeinde gegründet und erlebt dabei den Charme des Neuanfangs

Wir haben es gewagt: eine Gemeinde gegründet! In einem Land mit fast neunzig Prozent Katholiken. In dem nie eine Auslandsgemeinde der EKD existiert hat. Und das mit den Deutschen eine sehr schwierige Geschichte verbindet. So wurde die zentrale protestantische Dreifaltigkeitskirche in Warschau gleich in den ersten Wochen des Zweiten Weltkrieges von deutschen Fliegerbomben zerstört. Heute dürfen wir hier unsere deutschsprachigen Festgottesdienste begehen und auch mit der polnischen Gemeinde gemeinsam feiern.

Am Anfang stand der Wunsch nach Gottesdiensten in unserer deutschen Muttersprache. Zwar gibt es für Auslandsdeutsche Stammtische und Treffen, doch diese sind kein Ersatz für geistliche Unterstützung, Seelsorge oder eine Gemeinschaft im Glauben und wenden sich nicht an uns als evangelische Christen und ganze Familien.

Simon von Kleist

Von Kleist ist im Vorstand des genannten Vereins. warschau-evangelisch.de
Foto: Privat
Also loteten wir mit den EKD-Verantwortlichen und dem Bischof der polnischen Evangelisch-Augsburgischen Kirche (EAK) aus, was möglich ist. Die EAK ist mit rund 80 000 Gläubigen die größte evangelische Minderheitenkirche in Polen. Der Bischof bot uns für die Sonntagsgottesdienste eine Kapelle am Bischofssitz an und vermittelte uns auch einen Seelsorger: seinen Assistenten Wojciech Pracki, ein Geistlicher mit guten Deutschkenntnissen. Ostern 2011 feierten wir das erste Mal Gottesdienst, seither finden diese im Zweiwochentakt statt, es kommen bis zu zwanzig Besucher. Eine Taufe, eine Hochzeit, ein Trauerfall – in den vergangenen Jahren haben wir gespürt, wie viel Kraft und Charme gerade in einer kleinen und vertrauten Gemeinschaft liegt. Jeder fühlt sich mitverantwortlich. Das hat etwas von Urgemeinde.

Schritt für Schritt bauen wir jetzt unsere Strukturen auf. Am Anfang existierten wir noch „formlos“, im Januar 2016 gelang die Gründung des „Vereins für deutschsprachige evangelische Seelsorge in Warschau“. Wir freuen uns darauf, als Gemeinde weiter zu wachsen!

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Lesermeinungen

Kampfansage? Darum geht es sicherlich nicht. Für viele Christen ist es wenn nicht ein Bedürfnis, so doch zumindest ein Gefühl der Vertrautheit den Gottesdienst in der Muttersprache zu feiern. Das gilt unabhängig von der Konfession und Nationalität, wie man auch an den vielen Messen in polnischer Sprache in Deutschland sehen kann. Das trägt zur Pluralität bei, zwischen den Bekenntnissen und Konfessionen als auch innerhalb. Schließlich haben die deutsche und polnische Kirche sehr unterschiedliche Traditionen, sowohl die katholische als auch die evangelische.

Was ist der Sinn ? Ich verstehe nicht. Neugier ? Eroberung von Neuland ? Der Pioniergeist in Ehren, aber das ist doch schlicht Selbstbetrug. Welchen Nutzen bringen Sie ins Land außer einer kleinen Kampfansage an die katholischen Brüdergemeinden ? Braucht Polen noch mehr Religion ?
[Keine Beleidigungen bitte! - Anmerkung der Redaktion], und die Euphorie völlig übertrieben. Polen wird sowohl den allzu starken Katholizismus überwinden, als auch die politische Geistesverwirrung. Ob katholisch oder evangelisch, ich sehe keinen wesentlichen Unterschied.