Buchtipp: Frauen über Flucht und Neuanfang

Neustart
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Foto: Heike Prüschoff

"Wir haben eine Zukunft hier!"

Vor elf Jahren verließ sie ihre Heimat Syrien, seit zwei Jahren lebt die Kinderärztin Asia in Deutschland. In einem Buch der ­edition chrismon erzählt sie, wie ein Neuanfang gelingt

chrismon: Sie haben Ihre Heimat Syrien verlassen. Warum?

Asia: Wir waren damals jung! Wir wollten lernen! Wir mussten unbedingt frei sein und wir wollten mitgestalten. Als Studen­ten haben wir doch über Facebook raus in die Welt geschaut, und wir wollten diese Freiheit, die wir dort sahen, auch für unser Land haben. Syrien aber war und ist ein großes Gefängnis. Man darf dort nicht über die Regierung reden, nicht über die Religion. Das war schon vor dem Krieg so. Der Krieg hat die Probleme nur sichtbar gemacht.

Welche Pläne haben Sie?

Das Herz an zwei Orten

 PR/Heike Prüschoff
Von Flucht und Neuanfang: Anita Hartmann und Heike Prüshoff porträtieren in Wort und Bild 15 Migrantinnen, von denen einige erst seit kurzem und andere schon viele Jahre in Deutschland leben.

 

Das Herz an zwei Orten. edition chrismon, 117 Seiten, gebunden, 14,90 Euro. chrismonshop.de

Ich träume davon, wieder als Kinderärztin zu arbeiten, und ich werde es schaffen. ­Ich vermisse meine Arbeit über alles. Sie ist mein Leben. Um als Fachärztin in Deutschland die Anerkennung zu bekommen, ­werde ich noch einmal fünf Jahre lang ­neben der Arbeit studieren. Auch mein Mann wird das so machen müssen. Und wir schaffen das, sobald unser Deutsch gut genug ist. Ich träume auch für meine Kinder. Frage mich, was sie einmal studieren wollen, und sage ihnen, dass sie Sport und Musik machen sollen. Wer Musik liebt, kann anderen Menschen nicht wehtun. Musik entspannt.

Welche Zutaten braucht ein Neustart?

Der erste Schritt heißt: Deutsch lernen. Dann ist es für mich wichtig, selbst­ständig zu arbeiten, damit wir vom Sozial­geld unabhängig sind. Schließlich muss man unbedingt richtige Freunde haben.

Wie geht es Ihnen in Deutschland?

Syrien ist und bleibt meine Liebe. Aber ich liebe auch dieses Land für seine Regeln und Gesetze. Hier sind wir zufrieden, das kann ich aus vollem Herzen sagen. Unser erstes Jahr war schwierig: die schwierige deutsche Sprache, die vielen Fremden, die neue Schule der Kinder. Manchmal fühle ich mich auch jetzt allein, trotz Freunde und Bekannten. Aber wir haben eine Zukunft hier. Unseren Kindern geht es gut. Sie vergessen schon manche ­arabischen Worte und wenn sie miteinander spielen, reden sie Deutsch. Sie lernen die neue Sprache so spielerisch, ohne einen Gedanken an Genitiv oder Dativ. Ihre Heimat wird Deutschland sein.

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