Sozialer Unternehmer Robert Bosch

Reich, weil er gute Löhne zahlte
Robert Bosch

Marco Wagner

Robert Bosch (1861 – 1942), schwäbischer Ingenieur und Unternehmer, entwickelte in seiner Fabrik etliche Maschinen und Autoteile

Der Industrielle Robert Bosch entdeckte früh, wie wichtig gute Arbeitsbedingungen für sein Unternehmen sind – sein Erfolgsrezept

Von wegen Land der Freiheit und der ­unbegrenzten Möglichkeiten. Kaum hatte die amerikanische Konjunktur 1884 ein bisschen nachgelassen, setzte man Robert Bosch, den jungen Mechaniker aus Deutschland, vor die Tür. Gerade erst hatte er bei Sigmund Bergmann in New York zu arbeiten begonnen, einem Vorgängerunternehmen der General Electric Company. Er war nach Amerika gekommen, um viel zu lernen, um mehr herausgefordert zu werden als in Deutschland. Von den Betrieben dort war er enttäuscht: Die industrielle Fertigung steckte noch in den Kinderschuhen, die Lehrlinge verbummelten viel zu viel Zeit. Bosch aber wollte, als echter Schwabe, etwas schaffen, produktiv sein.

Doch es kam anders. Der Mann, der später als innovativer Unternehmer und sozialer Vordenker gefeiert werden sollte, war von jetzt auf gleich arbeitslos – und vom „Land der Freiheit“ zunehmend enttäuscht. Die oft gelobte Freiheit galt offensichtlich zunächst einmal für die Unternehmer, und die schienen in erster Linie an ihre Gewinne zu denken. Nicht weniger kritisch betrachtete Robert Bosch schon bald die sozialen Verhältnisse. Jahre später ­schrieb er: „Es gefiel mir Schwärmer nicht in dem Land, in dem der Eckstein der ­Gerechtigkeit fehlte: die Gleichheit vor dem Gesetz.“ Die Massen an Zuwanderern hatten es schwerer als viele Amerikaner.

Das Interesse für die soziale Frage und die Politik hatte Robert Bosch von seinem Vater, einem Land- und Gastwirt auf der Schwäbischen Alb. Der war Anhänger der Revolutionsbewegung von 1848 gewesen. Er soll einmal eigenhändig einen Besenbinder, der zu Unrecht eingesperrt war, aus einer Gefängniszelle befreit haben. „Sei Mensch und ehre die Menschenwürde“, dieses Motto hatte sich sein Sohn zu eigen gemacht.

Kurz entschlossen kehrte Bosch zurück nach Deutschland, um eine eigene Firma ­zu gründen, ein Unternehmen für Feinmechanik und Elektrotechnik. Da Elektrizität noch keine große Verbreitung hatte, begnügte er sich zunächst mit einfachen Reparaturen. Bis er den Auftrag bekam, einen Zünd­apparat für einen Motor zu entwickeln. So entstand sein berühmtestes Produkt: der Magnetzünder für Verbrennungsmotoren. Das brachte der kleinen Firma eine Menge Aufträge ein. Genug, um eine großzügige  Fabrik zu errichten. Hier konnte Bosch endlich seine Vision von guten Arbeitsbedingungen verwirklichen. Das Gebäude hatte große Fenster und eine gute Belüftung.

Unabhängigkeit vor Expansion

Um die Gesundheit der Mitarbeiter zu schonen, führte Bosch als einer der ersten Arbeitgeber den Achtstundentag ein. Er gab seinen Arbeitern bezahlten Urlaub und zahlte ihnen gute Löhne. Er behandelte ­sie als „gleichberechtigte Vertragsgegner“. Mit dieser Strategie war er sehr erfolgreich und beliebt. „Ich zahle nicht gute Löhne, weil ich viel Geld habe, sondern ich habe viel Geld, weil ich gute Löhne habe“, schrieb er. Er war überzeugt: Der Markt belohnt gutes Handeln und bestraft schlechtes.

Mit seinen Ingenieuren entwickelte Bosch im Lauf der Jahre Scheinwerfer, Scheibenwischer, Winker, Bremsen und Hupen. Später produzierten sie auch Bohr- und Schleifmaschinen, Radios, Plattenspieler und Kühlschränke. Als der Erfolg seiner Firma wuchs, gründete er eine Aktiengesellschaft, um Kapital für eine Expansion zu gewinnen. Bald zeigte sich aber, wie sehr das seinem ursprünglichen Grundsatz widersprach, so eigenständig wie möglich zu bleiben und alle Ausgaben möglichst aus eigener Kraft zu tätigen. Fremdes Kapital aber bedeutete Abhängigkeit. Und die Expansion kam für ihn erst an zweiter Stelle.

Bosch wandelte die Aktiengesellschaft in eine GmbH um. Das hatte auch den Vorteil, dass er seine engsten Vertrauten und Familienmitglieder zu Gesellschaftern bestimmen konnte. So konnte er sicher sein, dass die Firma in guten Händen blieb – auch in denen seiner vier Kinder.

Robert Boschs Unternehmen ist bis heute eines der erfolgreichsten in Deutschland. Doch würde heute noch jemand eine Firma gründen mit den Grundsätzen, ­wie Bosch sie hatte? Die wenigsten würden wahrscheinlich darauf vertrauen, dass gutes Handeln, also soziales Engagement, wirtschaftlich belohnt wird. 

Doch war es gerade eines der Prinzipien, die Bosch zu einem großen Unternehmer machten.

Leseempfehlung

Eine Soziologin hat die Berufs­moral im Finanzwesen erforscht. Viele „Banker“ leben in einer eigenen Welt
Der Unternehmer Roland Mack und der Philosoph Rüdiger Safranski über echte und simulierte Risiken

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.

Lesermeinungen

Sehr geehrte Frau Büttner,

 

Ihr interessanter Artikel hat mich am Ende verärgert. Die rhetorische Frage, ob heute noch jemand eine Firma gründen würde mit den Grundsätzen, wie Bosch sie hatte, bedient das Klischee des kalten, kapitalistischen Unternehmers, der alles, nur nicht das Wohl seiner Mitarbeiter im Sinn hat. Dabei ist es doch sehr erstaunlich, wieviele Firmen heutzutage Leistungen erbringen, die über die Anforderungen eines Tarifvertrags weit hinaus gehen.

Bevor Sie implizieren, dass es das heute nicht mehr gibt, sollten Sie sich da einmal schlau machen.

Als bizarrestes Beispiel möchte ich auf das Angebot von Google verweisen, das Einfrieren von Eizellen der weiblichen Mitarbeiter zu bezahlen. Da unterstellen Sie sicherlich, dass die das nur machen, damit ihnen die weibliche Mitarbeiter nicht wegen Schwangerschaft ausfallen. Aber auch Herr Bosch hat ja erkannt, dass es seinem Unternehmen und damit ihm besser geht, wenn er sich so sozial verhält. Ir Schlusswort macht mich ärgerlich, weil es dieses dumpfe, nicht durch Fakten untermauerte Gefühl nährt, dass man als "kleiner Mann"  immer ausgebeutet wird von "denen da oben".  Es ist wie bei Pegida oder der AfD: Wenn man nachfragt, was die Leute genau meinen, dann kommen nur solche difusen Antworten, wie im letzten Absatz Ihres Artikels.

Erwähnen möchte ich noch, dass das Verhalten von Herrn Bosch zu seiner Zeit sicher nicht die Norm, aber auch nicht völlig ungewöhnlich war. Die Firma Procter & Gamble, einer der weltgrößten Kosumgüterhersteller,  z. B. hat schon sehr früh ihre Mitarbeiter am Firmenkapital beteiligt. Großindustrielle wie Carnegie oder Vanderbilt in den USA waren große Philantropen und ihre Stiftungen sind es heute noch.

Mit freundlichen Gruß

Sabine Geißler

Sabine Geißler (Leserbrief) schrieb am 7. März 2016 um 11:32: "Dabei ist es doch sehr erstaunlich, wieviele Firmen heutzutage Leistungen erbringen, die über die Anforderungen eines Tarifvertrags weit hinaus gehen." Das ist nicht erstaunlich, sondern sehr durchsichtig. Lohnbestandteile, Urlaubstage und Kaffeepausen, auf die keine vertraglichen Ansprüche bestehen, können von der Firma jederzeit zurückgehalten werden und sind somit ein wirksames Druckmittel der Firma gegenüber den Beschäftigten. Dass die Damen und Herren Mitarbeiter und ihre Gewerkschaften nicht einmal vertraglich durchdrücken können, was die Gegenseite sowieso zu löhnen bereit ist, zeigt, in welch elend schwacher Position die Lohnarbeiterseite sich befindet. Erstaunlich ist das allerdings auch nicht. Das ist eine zwangsläufige Folge der Sozialpartnerschaftsideologie.

so ärgerlich sind die letzten paar Sätze. Glauben sie wirklich, dass irgend ein Betrieb im heutigen Deutschland floriert, ohne seine Angestellten anständig zu behandeln? Wer auf Ausbeutung setzt, dem laufen die kompetenten Mitarbeiter weg, was der Produktion abträglich ist, und früher oder später wird er von der internationalen Niedriglohn-Konkurrenz geschluckt, wenn er nicht gleich ganz von der Bildfläche verschwindet. „Die wenigsten würden wahrscheinlich...“ – haben Sie auch nur einen eizigen Unternehmer gefragt, worauf er baut, um unabhängig zu bleiben?

Gisela Steudter, Soltau

Gisela Steudter (Leserbrief) schrieb am 2. März 2016 um 10:19: "Glauben sie wirklich, dass irgend ein Betrieb im heutigen Deutschland floriert, ohne seine Angestellten anständig zu behandeln? Wer auf Ausbeutung setzt..." Selbstverständlich werden Angestellte in Deutschland anständig behandelt. Übrigens völlig unabhängig davon, ob der Betrieb floriert oder bald Pleite macht. Anstand erkennt man bekanntermaßen nicht zuletzt an der korrekten Ausdrucksweise. Ich weiß von keinem Unternehmer und keiner Betriebsführung, die auch nur annähernd davon sprechen würden, dass sie die verehrten und hochmotivierten Damen und Herren Mitarbeiter etwa ausbeuten würden. Nein, nein, der Betrieb gibt Brot und Arbeit, fördert und fordert an den modernen Hochleistungsarbeitsplätzen. Die Löhne und Gehälter müssen sich im Rahmen der wirtschaftlichen Vernunft bewegen. Gelegentliche Massenentlassungen erfolgen wegen der Verantwortung und des Anstandes gegenüber denen, die diesmal noch nicht entlassen werden. Der Betriebspsychologe und der Betriebsseelsorger wissen das jeweils in passende Worte zu kleiden.
______________________________________________
Zitat: "dem laufen die kompetenten Mitarbeiter weg". Logo, wem etwas nicht passt, der kann ja gehen. Der Anspruch auf Stütze ist dann erst mal weg. Irgendwann gibt es doch wieder den vollen Hartz-IV-Satz samt einer kostenlosen vollen Breitseite Menschenwürde. Wenn das nicht anständig ist! Anstand und Ausbeutung sind tatsächlich kein Gegensatzpaar. Ganz im Gegenteil!