Militärpfarrer im Irak

Im Krieg
Soldatenunterkunft im Irak

Foto: Jonathan Nackstrand/AFP/Getty

Soldatenunterkunft im Irak. Rechts im Vordergrund: der Stuhl des Militärpfarrers

Andreas-Christian Tübler mit einer E-Mail aus dem Irak

Rumm-Tumm-Tumm, Rumm-Tumm Tumm. An meinem ersten Morgen im Irak reißt mich ein leichtes rhythmisches Beben aus dem Schlaf. Ein Blick auf den Wecker, 6:10 Uhr. Es sind die Schritte der Soldaten auf der Etage über mir. Sie gehen zum Frühstück in das amerikanische Verpflegungszelt und von dort zur nahe gelege­nen Kaserne kurdischer Soldaten, der Peschmerga. Um acht müssen sie da sein, ihr Auftrag ist die Ausbildung der  Peschmerga, damit diese den IS strategisch und nach den Regeln des humanitären Völkerrechts bekämpfen können.

Andreas-Christian Tübler

Andreas-Christian Tübler ist Militärpfarrer: eka.militaerseelsorge.bundeswehr.de
Foto: Privat
Die Anlage nahe der kurdischen Hauptstadt Erbil ist überschaubar. Auf der Fläche in der Größe eines Fußballfeldes sind etwa hundert Soldaten untergebracht, meist zu zweit in fünf mal zwei Meter großen Metallcontainern. Die meisten Deutschen sind schon seit September hier im Einsatz. Ich bin für ein paar Wochen dabei. Mein Auftrag: als evangelischer Militärpfarrer für Gespräche zur Verfügung zu stehen, Gottesdienste anzubieten und überhaupt bei den Soldaten zu sein – in der Kaserne ­bei den Ausbildern und im Camp, wo ­Alltagsaufgaben anstehen: Stabsarbeit für die einen, Meetings mit den multinationalen Kräften für die anderen, Säubern der Unterkünfte, Abgabe der Wäsche sechs Container weiter. Die Luft hat hier oft einen staubigen Beigeschmack. Aber wenn es geregnet hat, kann ich in der ­Ferne die Berge sehen. Ein grandioses Bild.  

Am Nachmittag kehren die Ausbilder aus der Kaserne zurück. („Alle wohlbehalten? Ja! Gott sei Dank!“) Am Abend ist Lagebesprechung. Häufiges Thema: die aktuelle Sicherheitslage. Im Camp fühle ich mich persönlich sicher. Auf den Straßen dorthin gibt es so viele Kontrollen, da kommt nicht mal eine Maus durch. Aber insgesamt ist die Bedrohung erheblich. Die Soldaten nehmen jeden Tag einen anderen Weg zur Kaserne, um das Risiko eines ­Anschlages zu minimieren. Nicht nachlässig werden. Wachsam bleiben! So die Anweisung – auch für mich.  

Ich wurde freundlich aufgenommen. Der provisorische, aber liebevoll eingerich­tete Gottesdienstraum ist ein Doppelcon­tainer mit dem Namen „Zuflucht“. Was für eine schöne Bezeichnung für eine Kirche, in der außerhalb des Gottesdienstes auch schon mal das eine oder andere Bier ge­trunken wird. Dazu Gespräche, Gespräche, Gespräche. Viele Soldaten scheinen dankbar zu sein, dass ein Pfarrer da ist.

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