Besorgte Bürger in der Flüchtlingskrise

Es geht um die Wurst
Es geht um die Wurst

Illustration: Lena Gerlach

Ein wichtiges Thema: Wie lässt sich über die Flüchtlingskrise reden, ohne dass es Fremdenfeindlichkeit schürt?

Wie es gelingen kann, Sorgen offen auszusprechen – ohne so zu reden, wie es sich Rassisten und Fremdenfeinde wünschen

Neulich in der Kantine. Beim Mittagessen kommt das Gespräch auf die Flüchtlinge, ist ja auch alles nicht so einfach. Jemand berichtet von einem Partygespräch mit einer Steuerberaterin. Die hat von einem Kindergarten im Taunus gehört, da dürften die Eltern ihren Kindern neuerdings kein Frühstück mehr mitgeben, das werde jetzt in der Kita zubereitet, gegen höheres Essensgeld. Weil: Muslimische El­tern hätten sich beschwert, dass ihre Kinder zu oft von den Wurstbroten der anderen Kinder probierten – Schweinefleisch! Eine Kollegin sagt: „Wenigstens teilen die Kinder!“ Eine andere fragt: „Wir nehmen alle Rücksicht auf Menschen mit Lebensmittel­unverträglichkeit – warum nicht auch mal religiöse Toleranz üben?“ Andere empören sich: „Das geht zu weit. Da hört es auf!“

Solche Diskussionen kann man jetzt, zum Jahreswechsel 2015/16, an vielen Orten haben: in Kirchengemeinden, Vereinen, Freundeskreisen, Familien. Es geht um Flüchtlinge in Kirchen und um Sportunterricht, der ausfällt, weil die Halle belegt ist. Es geht um Kriminalitätsstatis­tiken und die Furcht vor einer „Islamisierung“. Es geht um „Hast du schon gehört“-Geschichten, die niemand überprüft. Es geht um die Wurst. Und um die Frage, wie man über Sorgen reden kann.

Es ist viel passiert im vergangenen Jahr, die Menschen sind aufgewühlt. Stephan Grünewald, Psychologe und Gründer des Marktforschungsinstituts „rheingold“, lässt pro Jahr 3000 Menschen in tiefenpsychologischen Interviews befragen. Grünewald sitzt am Puls einer schnelllebigen Zeit. Im Sommer plante er eine Diskussion mit dem Politiker Peer Steinbrück, Arbeitstitel: „Deutschland im Dämmerschlaf“. Als die Veranstaltung Mitte November stattfand, hieß sie: „Harte Landung in der Realität“. Grünewald sucht nach Bildern für die Erkenntnisse, die er und seine Kollegen gewonnen haben.

Deutschland, eine Outdoor­jacke

Noch vor einem Jahr war Deutschland für ihn wie eine Outdoor­jacke, mit semipermeabler Membran: Das Gute – die Hightechprodukte, die teuren Exporte – soll raus in die Welt. Aber das Klamme und Krisenhafte soll nicht reinkommen. „Deutschland lebte in einer Sehnsucht nach permanenter Gegenwart. Es war eines der letzten Paradiese, umgeben von Krisen.“ Nun sieht Grünewald staunend zu, wie jemand die Outdoorjacke umgekrempelt hat. „Das Schlechte strömt nach draußen, der VW-Skandal, womöglich Bestechungen beim DFB, und die Folgen der Krisen um uns herum kommen zu uns, die Flüchtlinge. Das bringt Verunsicherung.“

Thomas Levin, evangelischer Pfarrer aus Oberhausen, hat diese Verunsicherung gespürt. Jede Woche treffen hundert Flüchtlinge in seiner Stadt ein. Levins Gemeinde Königshardt-Schmachtendorf entschied, 50 Flüchtlinge in der Kirche unterzubringen. Ein WDR-Kamerateam filmte, ganz zum Schluss fragte der Reporter: „Was wird aus dem Kreuz?“ Der Pfarrer war so überrascht, dass er sagte: „Weiß ich nicht.“ Aus ganz Deutschland kam Post: „Jetzt lassen es die Pfarrer selbst noch zu, dass der Islam uns überwältigt!“ Weitere Gerüchte machten die Runde, als das Kreuz tatsächlich nicht mehr im Altarraum hing – aber nur, um es sicherer zu befestigen, es sollte niemandem auf den Kopf fallen. Eine Frau sagte zum Pfarrer: „Ich weiß gar nicht, ob ich Ihnen noch die Hand geben soll.“ Das Kreuz hängt längst wieder. Überall erzählen Levin und seine Kolleginnen und Kollegen dasselbe: „Es ist nur bis Februar, dann werden andere Unterkünfte fertig. Wir als Christen müssen helfen.“

"Ich bin erschrocken, was da an Ängsten aus der Kirche kommt"

Zwei Wochen nach dem Einzug der Flüchtlinge in Oberhausen: Der Abend war lang geplant, „Grenzerfahrung“ steht auf der Einladung, katholische und evangelische Christen haben Flüchtlinge eingeladen, ihre Geschichte zu erzählen. Der Pfarrer berichtet, dass die Bibel ein Buch voller Fluchtgeschichten ist. Leise übersetzt ein Mann an der einen Seite des Raums ins Arabische, ein anderer flüstert drei Gästen etwas auf Farsi zu. „Der berühmteste Flüchtling ist Jesus selbst. Der musste schon als Baby fliehen“, sagt Levin. Eine Frau an einem der vorderen Tische meldet sich, sie erzählt von einer anderen Veranstaltung, da ging es nicht so ruhig zu. Über 300 Menschen waren gekommen, gut 50 waren aufgebrachte Anwohner. „Ich bin nicht christlich“, sagt sie. „Aber ich habe Werte fürs Leben. Und ich bin erschrocken, was da an Ängsten aus der Kirche kommt. Die Flüchtlinge brauchen Hilfe!“

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Pfarrer Levin bringt sieben Kirchenaustritte mit der Unterbringung der Flüchtlinge in Verbindung; es sind Menschen, die in Nähe der Kirche leben. „Aber ein Vielfaches kam zum Helfen. Kirchenmitglieder, die ich noch nie gesehen hatte.“ ­Levin sagt noch, dass jeder ehrlich mit sich selbst sein und in sich hineinhorchen ­müsse. „Welche Ängste habe ich? Was ist mit mir? Mit erhobenem Zeigefinger habe ich noch nie eine Lösung erreicht.“

Michaela Lütjes hat dem Pfarrer zugehört. Sie arbeitet mit Jugendlichen in einer Berufsfortbildungsmaßnahme, ehemalige Förderschüler, die sie für den Gartenbau qualifiziert. Von ihnen hört sie Sätze wie: „Wegen der Flüchtlinge haben wir bald keine Wohnung mehr.“ Je weniger gebildet, je weniger Einkommen, desto größer die Angst, sagt Michaela Lütjes. Was antwortet sie den Jugendlichen? „Mir hat noch kein Flüchtling was weggenommen. Und seit ich persönliche Kontakte zu ihnen habe, geht es mir besser.“

Heute waren es Worte, morgen fliegen vielleicht Fäuste

Es gibt Forscher, die das, was Michaela Lütjes erzählt, aus Datensätzen herauslesen. „Verbitterung“ ist das Schlagwort dafür, eine Mischung aus Ärger und Hoffnungslosigkeit. Um den Zusammenhang zwischen Verbitterung und einer kritischen Einstellung gegenüber Zuwanderung zu untersuchen, haben Panu Poutvaara vom Ifo-Institut und Max Friedrich Steinhardt von der Helmut-Schmidt-Universität Daten von mehr als 16 000 Erwachsenen ausgewertet, die 2005 und 2010 in der repräsentativen Studie „SOEP“ befragt worden waren; dem sozio-oekonomischen Panel, einer Langzeitstudie. Ergebnis: Unter den Befragten, die sehr verbittert schienen, machten sich 43 Prozent starke Sorgen wegen der Zuwanderung – unter den überhaupt nicht Verbitterten waren es nur gut 15 Prozent. In Briefen, die Diakonie-Präsident Ulrich Lilie nach einem chrismon-Interview erhielt, finden sich ähnliche Sorgen. Ein Leser ärgerte sich über Lilies Formulierung, Deutschland sei mit seinem Wohlstand eine „Insel der Seligen“. Er habe hart für diesen Wohlstand gearbeitet. Nun fordere die Kirche Opfer: „Das ist eine Beleidigung meines Arbeitslebens.“

Zurück nach Oberhausen. Die ehrenamtliche Helferin Stefanie Dohmen will in die Kirche, um zu fragen, wer von den Flüchtlingen einen Arzt braucht. Gleich hinter der Eingangstür streiten zwei Männer. Eine Frau steht daneben und weint. Stefanie Dohmen nimmt sie in den Arm. Ein Flüchtling eilt herbei: „This time it’s a fight with words, tomorrow it may be a fight with hands“ – heute waren es Worte, morgen fliegen vielleicht die Fäuste. Offen­bar ging es darum, wer in der Kirche ­sauber macht. „Ich habe euch erzählt, dass das in Deutschland nicht nur Frauensache ist“, sagt Stefanie Dohmen bestimmt. Sie wundert sich nicht, dass der Streit heftig war. „Die Flüchtlinge kommen aus einer anderen Kultur, sie haben noch Zugang zu ihren Gefühlen. Bei uns haben das viele nicht mehr.“

- Dafür machen sich viele Menschen Sorgen, wie das mit den Flüchtlingen werden soll.

„Ja, sie sagen: ‚Die sind unsauber, die klauen . . .‘“

- Wie reagieren Sie dann?

„Ich höre zu. Ist doch gut, wenn sich die Wut der Leute zeigt. Nur dann kann man damit arbeiten. Nächstenliebe gilt auch für Menschen, die das alles nicht gut finden. Es ist ja auch nicht einfach.“

Je größer die Zweifel, desto mehr Abgrenzung und Angst

- Was ist nicht einfach?

„Die Flüchtlinge können hier nicht ­kochen. Das ist ein Problem. Ein Familien­vater hat neulich die Sachen seiner Familie gepackt und sich draußen mit ihnen in die Kälte gestellt. Er wollte auf dem Kirchhof bleiben, bis sie eine Wohnung haben.“

- Und was haben Sie gemacht?

„Ihm gesagt, dass ich in Syrien auch auf mein gewohntes Essen verzichten müsste, wenn ich dorthin fliehen müsste. Und dass er erst mal dafür zu sorgen hat, dass seine Frau und die Kinder ein Dach über dem Kopf haben. Da wurde er ganz realistisch.“

Nils Husmann

Nils Husmann studierte Politikwissenschaft und Journalistik an der Uni Leipzig und Växjö, Schweden. Nach dem Volontariat 2003 bis 2005 bei der "Leipziger Volkszeitung" kam er über ein Praktikum zu chrismon. Seit dem Umzug der Redaktion nach Frankfurt/Main ist er chrismon-Redakteur. Nils Husmann interessiert sich für die Themen Umwelt, Gesellschaft, Sport und - Menschen. Nils Husmann ist Herausgeber des Buches "You'll never walk alone" in der edition chrismon.
Lena Uphoffchrismon Redakteur Nils Husmann, September 2017
Stephan Grünewald hofft, dass mit den Flüchtlingen auch Debatten in Gang kommen. „Wer zu uns kommt, hat alles riskiert, sein Leben, die Heimat. Der hat eine Vision. Und trifft in Deutschland auf eine Gesellschaft, die ihre Werte nicht mehr zu schätzen wusste.“ Es war ja lange Jahre sehr bequem in der Outdoorjacke. Grüne­wald beobachtet, wie Medienbilder die Deutschen verängstigen. „Ich lese oft Sätze wie: ‚Da kommen ja nur Männer, die nehmen uns die Frauen weg.‘“ Projektionslogik nennt das der Fachmann. „Das eigene Standing ist nicht mehr sicher. Je größer der Zweifel, desto stärker das Gefühl, selbst nicht genug Wertschätzung zu erfahren. Das führt zu Abgrenzung und Angst.“

- Aber was tun gegen die Angst?

„Rausfinden, wer wir eigentlich sind. Wir können andere nur integrieren, wenn klar ist, wie wichtig uns selbst Demokratie, Freiheit, bestimmte Werte sind.“

- Und wie reden über die Ängste?

„Mit Verständnis für sich selbst: Ich bin nicht verkehrt, wenn ich einen Argwohn gegenüber dem habe, was im Land geschieht.“

Es kommt auf die Worte an. Worte können spalten

Maria Loheide, Vorstand Sozialpolitik der Diakonie Deutschland, kennt den ­schmalen Grat – sie muss über Probleme reden. Ihr Thema: Die Situation von Frauen in Erstaufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge. Es gebe keine Rückzugsräume, oft keine abschließbaren Duschen. „Für Frauen, die nicht so freizügig geprägt sind, ist das sehr schwierig.“ Hinzu kämen Avancen von Männern, „bis hin zu Übergriffen“. In evangelischen Frauenhäusern suchten Frauen aus Flüchtlingsunterkünften Zuflucht: „Weil sie aus Gewaltsituationen herauswollen oder Angst vor Zwangsehe und -beschneidung haben.“

- Wie lässt sich darüber reden, ohne dass es Fremdenfeindlichkeit schürt?

„Ich versuche zu vermitteln: Wenn deutsche Männer, Frauen und Kinder auf engem Raum leben müssten, gäbe es auch Probleme. Die Rahmenbedingungen lassen Probleme eskalieren – nicht die Menschen.“

Es kommt auf die Worte an. Heinrich Bedford-Strohm, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, sagte neulich vor der Synode: „Empathie brauchen auch die, die Angst davor haben, zu Verlierern zu werden. Die Angst davor haben, dass Integration nicht gelingt. Das dürfen wir nicht als unchristlich etikettieren. Aber es kommt darauf an, wie wir über solche Ängste reden.“ Und wie? Oder besser: wie nicht? „Wenn Worte von Kälte geprägt sind, können sie dazu führen, dass Einstellungen salonfähig werden, die nichts mit Menschenwürde zu tun haben.“

Und was ist nun mit den Wurstbroten im Kindergarten? Wir haben in allen ­Kindertagesstätten und in der Verwaltung der Taunusgemeinde nachgefragt. Die ­Geschichte hat es dort nie gegeben. Es war offenbar nur ein Gerücht – ein kaltes Gerücht, das spalten soll. In einem Land, in dem sich (Stand Anfang Dezember) über 200 Anschläge auf Flüchtlingsheime er­eigneten. In nur einem Jahr.

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Lesermeinungen

Sehr geehrte Damen und Herren der Leserbriefredaktion,

 

zunächst einmal möchte ich meine Anerkennung aussprechen für das Konzept Ihrer Zeitschrift und die Qualität der Beiträge. Der Artikel “Es geht um die Wurst” von Nils Husmann drängt mich jedoch zu folgender Anmerkung:

 

Ich frage mich, ob der Verfasser des Beitrages diesen nach den Geschehnissen in Köln, Hamburg, Stuttgart, in Wien und in weiteren europäischen Städten in der Silvesternacht noch im gleichen Tenor verfasst  hätte: Wie kann es gelingen, Sorgen und Ängste offen anzusprechen – ohne so zu reden, wie es Rassisten und Fremdenfeindliche wünschen. Seine Antwort: Wir müssen über die Ängste und Sorgen der Bürger reden! Wir müssen diese ernst nehmen! Also gesellschaftliche Gesprächstherapie!


Es wäre schön, wenn es so einfach wäre. Individuell und gesamtgesellschaftlich ist diese Diskussion sicherlich notwendig. Diese gelingt aber nicht, wenn unterschwellig die Botschaft damit verbunden wird: Diese Ängste sind nicht berechtigt, es sind eingebildete Sorgen, da die angenommenen Gefahren gar nicht bestehen  oder einfach gelöst werden können: Wir müssen nur darüber reden! Eine solche Sichtweise geht an der (gesellschafts-) politischen Realität vorbei, sie verkennt die langfristigen Folgen der gegenwärtigen Flüchtlings- und Migrationskrise für Deutschland und Europa: soziale Verteilungskämpfe und gesellschaftliche Konflikte durch Parallelgesellschaften, wie wir sie bisher nicht gekannt haben. Die Silvesternacht 2015/16 war ein deutlicher Warnschuss.

Christliche Barmherzigkeit und humanitäre Empathie für wirklich Schutzbedürftige: ja. Aber beides findet ihre Grenzen dort, wo sie zur individuellen und kollektiven Selbstzerstörung führt. Neben Empathie sind ebenso rationale Analyse und entschlossene Tatkraft gefordert. Beides vermisse ich noch.

 

Mit freundlichen Grüßen

Alois Serwaty, Emmerich am Rhein

Sehr geehrte Damen und Herrn!
 
Sie sorgen sich um die Flüchtlinge, die in Deutschland Übergriffen ausgesetzt sind. Diese Sorge teilt jeder anständige Mensch.
 
Was aber ist mit den Menschen, die im Islamischen Staat der rohen Gewalt von Deutschen und andern EU-Bürgern ausgesetzt sind? 
 
Aus dem christlichen Europa pilgern Abertausende junge Männer in den Islamischen Staat und helfen bei der ethnischen Säuberung des Landes von den assyrischen Christen (und den Jesiden). Sich etwas Perverseres vorzustellen, übersteigt menschliche Kraft. 
 
Wär das Christentum in Europa noch von Blut und nicht von Plastik (Tünche hätte der kleine Prophet Ezekiel vielleicht gesagt), würden Tausende junge Christen ihren verfolgten Glaubensbrüdern zur Hilfe eilen - nicht unbedingt mit Kalashnikows in der Hand. (Klüger ist klar, dass wir als Kinder der Finsternis das Ende der ethnischen Säuberung abwarten und dann Immobilien in Aleppo erwerben, Bildungsreisen "Auf den Spuren der Assyrer" veranstalten, Stolpersteine setzen ...)
 
Im Spanischen Bürgerkrieg war es noch so, dass junge Republikaner aus ganz Europa den Opfern des Faschismus zu Hilfe eilten! Die europäische Geschichte steht Kopf - und keiner merkt´s. 
 
Die Amtskirchen hätten m.E. eine kollektive Patenschaft für die assyrische Kirche übernehmen sollen, Kirchengebäude allerorten in Deutschland für komplette assyrische Gemeinschaften öffnen sollen. Und sie hätten feierlich erklären sollen, dass der Islamische Staat sich nicht weniger auf den Propheten berufen kann als andere Richtungen des Islam - um der Erkenntnis, der Islam gehöre zu Deutschland, eine andere entgegen zu setzen.
 
Ai Wei Wei setzt den Flüchtlingen ein Denkmal. Das ist ehrenwert. Wer setzt dem jungen Syrer, der sich weigerte, sein Kreuz abzulegen und deshalb vom Islamstaat lebendig begraben wurde, ein Denkmal? Warum wird er nicht zur Ehre der Altäre erhoben?
 
Mit freundlichen Grüßen 
Klaus E. Margraf

 

Der Beitrag beginnt mit einer Geschichte über einen angeblich schweinefleischfreien Kindergarten im Taunus, die sich abschließend als Gerücht herausstellt – „ein kaltes Gerücht, „das spalten soll.“

Anfang letzten Jahres (also noch weit vor den Flüchtlingsströmen) besichtigten wir einen evangelischen Kindergarten in Nürnberg. Bei der Führung durch die Räumlichkeiten kam die Sprache auch auf die Verpflegung der Kinder. Eine der Erzieherinnen teilte uns mit, dass in dieser Einrichtung grundsätzlich kein Schweinefleisch ausgegeben werde. Auf meine verblüffte Nachfrage antwortete die Erzieherin mit unverständlichem Blick: „Wegen der muslimischen Kinder.“
„Auch keine Nürnberger Bratwürstchen?“, fragte ich. „Das ist doch hier ein ganz traditionelles Gericht.“
Die Dame verneinte. Ich wagte noch einen Vorstoß: ob man nicht an solchen Tagen für die muslimischen Kinder Putenwürstchen oder ähnliches vorsehen könne? Daraufhin wurde ich mit der Bemerkung abgekanzelt, Schweinefleisch sei auch gar nicht gesund, und unser Kind könne ja zu Hause dann Schwein essen.

Weshalb in einem evangelischen Kindergarten, der durchaus auch von nichtmuslimischen Kindern besucht wird, den Speisevorschriften des Islam der Vorzug gegeben wird, bleibt mir unverständlich. Offenbar geht es mitunter doch um die Wurst.

Ich finde es schade, wenn Sie die Reaktion auf Ihre Nachfragen als unfreundlich erlebt haben. So wie Sie es schildern, war das ja leider offenbar der Fall. Die Erklärung der Leitung hätte ich als Elternteil auch nicht als legitim empfunden. Ich finde, Ihre Rückfragen sind nachvollziehbar.

Es ist aber ein Unterschied, ob - einerseits - eine Kita-Einrichtung Rücksicht auf Gebote anderer Religionen nimmt. Darüber kann man sicher diskutieren, und das tun Sie hier mit Ihrem Beitrag ja auch. Oder ob - andererseits - Menschen bewusst ein Gerücht in die Welt setzen, das sich nach einer Recherche in Luft auflöst, das aber die Leute in der Region aufgewühlt hat. Dahinter vermute schon eine Intention.

Sehr geehrte Redaktion !  Ich habe drei Jahre in arabischen Laendern gearbeitet und damals viele Moslems als Freunde kennengelernt. Unsere  Kanzlerin allerdings lebt , was den Nahen Osten und die  Fluechtlingsproblematik  angeht , in einer Traumwelt . Und da liegt ihr verheerendes Versagen. Und dies Versagen wird der Waehler hart quittieren. Ich komme gerade von einem 8-taegigen Israel-Aufenthalt zurueck. Und dort schuettelt man nur noch den Kopf ueber unsere Kanzlerin. Ich bin bekennender Christ und weiss sehr wohl gerade jetzt an Weihnachten , dass wir uns ganz neu auf die Aufnahme von "wirklich Verfolgten " besinnen  sollten.

Fakt ist aber auch : Die Mehrzahl der Fluechtlinge aus Syrien waren vorher weder bedroht noch kommen sie aus Kampfgebieten.

Der " sogenannte Arabische Fruehling " ist erbaermlich gescheitert. Und wir Deutschen sollen fuer diesen Irrsinn auch noch herhalten ?

Nehmen wir mal zur Kenntnis , dass Assad immer noch der " rechtmaessige Machthaber " Syriens ist. Und unser grosser Freund USA fordert den Abgang  Assads , um von den eigenen  Fehlern im Nahen Osten abzulenken .

Und die sogenannten Gutmenschen bei uns predigen weiter und weiter die Aufnahme von ueberwiegend Wirtschaftsfluechtlingen. Die jetzige Bundesregierung ist klaeglich gescheitert . Ich hoffe , dass ich mich bei meinem naechsten Israel-Besuch nicht mehr fuer die Dummheit in meinem Heimatland schaemen muss.      

Mit freundlichen Gruessen    

Erwin Chudaska, Leer

Das eine mögliche Ende wird in diesem Artikel skizziert: Mit ein bisschen gutem Willen auf allen Seiten wird schon alles gut. Hoffen wir's. Das andere mögliche Ende wird verdrängt und als nicht ernst zu nehmende Phantasie "verbitterter" und überängstlicher Verlierer-Typen dargestellt. Dabei zeigt der Artikel selbst auf unfreiwillige Weise, dass der hier favorisierte Gutmenschen-Optimismus mindestens genauso weit von einer realistischen Einschätzung entfernt ist. Einige Beispiele: Der mehrfach bemühte Outdoor-Jacken-Vergleich. Zuerst sei alles Gute rausgeströmt und alles Schlechte draußen geblieben. Jetzt sei es umgekehrt. Das Schlechte ströme aus Deutschland raus und - ja und? Das Gute strömt jetzt rein? Ist das realistisch? Weiteres Beispiel: "Michaela Lütjes wird zitiert: „Mir hat noch kein Flüchtling was weggenommen." Das ist erfreulich und war auch nicht anders zu erwarten. Komplexe Probleme spielen sich zumeist nicht im Horizont der persönlichen sinnlichen Wahrnehmung ab. Deshalb kann man ja auch ein Gegner der Atomenergie sein, ohne von einer Havarie betroffen sein zu müssen. Drittes Beispiel: „Die Flüchtlinge kommen aus einer anderen Kultur, sie haben noch Zugang zu ihren Gefühlen. Bei uns haben das viele nicht mehr.“ wird eine Frau zitiert. Das ist der religiöse Kern: die Flüchtlinge als Retter, als Heilsbringer, als die besseren Menschen. Aus solchen Gefühlen scheint sich der Tanz um das goldene Kalb "Flüchtlinge" zu speisen, den nicht nur die Kirche tanzt. - Etwas mehr Achtung gegenüber denjenigen, die die Lage anders einschätzen täte wohl gut. Splitter im Auge haben wir wohl alle bei diesem Thema.

...durchaus um Menschen, die zu einer kritischen Einschätzung zum Thema Flüchtlinge kommen. Es geht um Sprache und um Empathie, die es - meiner Auffassung nach - braucht, um über ein Thema zu reden, das ohne Frage sehr emotional besetzt ist. Es geht gerade darum, wie man in ein Gespräch kommen kann.

In diesem Zusammenhang: Was genau eigentlich soll ein "Gutmensch" sein? Dieser Begriff fällt sofort in dieser Debatte. Warum? Ich bezweifele, das so ein Begriff eine Debatte bereichern kann.

es  werden ja wirklich mitfühlende, zutiefst herzzerreißende  Flüchtlingssituationen behandelt. Es ist doch erstaunlich, daß es noch immer die „Christliche Nächstenliebe“ gibt und wieviele ehrenamtliche Helfer sich diesem Motto verpflichtet fühlen.
 
Erstaunlich aber auch, daß nirgends in unseren Medien die Frage gestellt wird, wo bleibt denn die „Islamische Nächstenliebe“, wie kümmern sich muslemische Länder um ihre Glaubensbrüder? Zu welchen Exzessen überbordender Reichtum, Luxus, bis zur hochgradigen Verschwendung führt, nur ein Beispiel für die superreichen arabischen Staaten, hier ein Artikel aus der FAZ vom 29.12.2015. 
[Anmerkung der Redaktion: Online-Version des Artikels hier]

– In Brüssel streitet man über die Aufteilung der Flüchtlinge in der EU. Mit den Golfstaaten verhandelt man nur über Panzerliefrungen, weshalb nicht auch über finanzielle und auch domizile Hilfe für moslemische Flüchtlinge, ihre Glaubensbrüder?
 
Ich meine den krassen Kontrast bettelarm und superreich in derselben Region müßte eine Zeitung doch mal vergleichend gegenüberstellen.
Anlage FAZ Bericht
R. Hartmann, Neuss