Gefährlich leben in Pretoria

Immer Türen und Fenster schließen!
Straßenkünstler in Pretoria

Foto: AFP/Getty Images/JOE KLAMAR

Straßenkünstler in Pretoria

Heike Jakubeit mit einer E-Mail aus Südafrika

Wenn du aus dem Haus gehst, immer das Sicherheitstor schließen und den Alarm aktivieren! Die Tasche mit Wertgegen­ständen im Kofferraum verwahren. An den Kreuzungen die Bettler ignorieren. ­Alle Autofenster geschlossen halten. „Wehe, du machst das nicht!“, warnen meine Gemeindeglieder. Es lebt sich gefährlich in der Millionenstadt Pretoria.

Heike Jakubeit

Heike Jakubeit ist Auslandspfarrerin in Pretoria, Südafrika: stpeters.org.za
Foto: Privat
Gut, ich akzeptiere das und halte mich dran. Aber was ich nicht will und kann: die Augen verschließen vor der sozialen Ungleichheit hier in Südafrika. Davor, dass es hier Parallelwelten gibt, die dazu führen, dass überall Sicherheitszäune und Gitter stehen. Damit die eine Seite nicht raubt, was die andere Seite ihr Eigen nennt. Es scheint mir, dass viele Menschen damit keine Schwierigkeiten haben. Ich be­merke viel Lethargie, bei Weißen wie bei Schwarzen. Einige legen die ehemals eingetrichterten Ideologien einfach nicht ab und halten gewisse „Unterschiede“ durchaus für richtig. Andere haben in den vergangenen Jahren einfach die Hände in den Schoß gelegt, weil sie erwarteten, dass durch die neue Regierung alle Lebensbedingungen von selbst besser würden.

Ich arbeite gern mit denjenigen zusammen, denen es durch persönlichen Einsatz und mit manchmal nur sehr geringen Mitteln gelingt, solche Lethargie zu durchbrechen. Maselotsha etwa, eine 23-jährige Frau aus unserer Gemeinde, hat ihren Public-Relations-Job aufgegeben, um für das Projekt „Dignity Dreams“ tätig zu sein. Ein großes Unternehmen unterstützt ihr Freiwilligenjahr. Sie händigt nun jungen Mädchen in Schulen das „Dignity Pad“ aus – sechs waschbare und wieder verwendbare Damenbinden, drei Slips. Fünf Jahre lang soll es den Schülerinnen ermöglichen, die Schule regelmäßig zu besuchen, statt sie, wie es der Fall ist, tagelang wegen des Mangels an Hygieneartikel ausfallen zu lassen. Diese kleine Hilfe bringt die Schülerinnen dem Schulabschluss etwas näher.

Ein Stück Würde für umgerechnet zehn Euro. Ein Stück Hoffnung für die Zukunft dieses Landes. Das macht Mut. 

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