Sloweniens Meinung zur Griechenland-Frage

Blick nach Griechenland
Ljubljana 2015: Als fleißig und westorientiert, wenn nicht gar als „preußisch“ gelten die Slowenen

Foto: Matej Kastelic/Fotolia

Ljubljana 2015: Als fleißig und westorientiert, wenn nicht gar als „preußisch“ gelten die Slowenen

Uwe Reissig mit einer E-Mail aus Slowenien

In Slowenien beobachten viele die Griechenlandkrise mit gemischten Gefühlen. Zum einen betonen sie, was beide Länder verbindet: die eher schwache Position innerhalb der EU und die europäische Randlage – Letzteres ist zwar eine Frage der Perspektive, doch viele Leute hier sehen das so. Zum anderen war Slowenien vor einigen Jahren selbst Kandidat für den Rettungsschirm und hat sich mit ­Hilfe eines rigorosen Reformkurses freigeschwommen. Von den Griechen erwartet man im Grunde den gleichen Einsatz zur Selbstrettung.

Uwe Reissig

Uwe Reissig leitet das Goethe-Institut in Ljubljana, goethe.de/ljubljana
Foto: Privat
Die rund zwei Millionen Slowenen ­galten früher als die „Preußen Jugosla­wiens“. Sie zeichnen sich, wie Soziologen sagen,  durch „hohe Effizienzorientiertheit“ aus. Wäre die kleine Alpenrepublik ein großes Land wie Deutschland, könnte sie in der EU eine Spitzenposition ein­nehmen.

Slowenien unterstützte Griechenland mit Krediten und Darlehen in Höhe von 1,55 Milliarden Euro. Das galt allgemein als Geste des Wohlwollens, belastete das Land aber stark. So mussten nationale Investi­tionen zurückgestellt werden.

Vor diesem Hintergrund finden manche die harte Linie Deutschlands gegenüber Griechenland durchaus berechtigt. An­dere haben wenig Verständnis für die Einschnitte und meinen, die Griechen hätten ja nicht selbst Schuld an der Misere, verantwortlich seien die Politik und die Banken.

Schäubles Ausdrucksweise findet man in Slowenien inakzeptabel

In einer Sache aber sind sich alle einig: Wie Finanzminister Schäuble sich gegenüber seinem griechischen Amts­kollegen Varoufakis verhielt, als er dessen Beitrag „dümmlich, naiv“ nannte, sei inakzeptabel. Eine solch harsche Ausdrucksweise ist für die Slowenen nicht vertretbar, die auch in der Politik auf höfliche, wohl­wollende Umgangsformen Wert legen.

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