Auslandspfarrer über Christenverfolgung in Indien

Christen bedroht
NEW DELHI INDIA APRIL 18 Indian Christian taking part in prayer at Sacred Heart Cathedral church

Foto: imago/Hindustan Times

Christen in Neu Dehli

Markus Lesinski mit einer E-Mail aus Indien

Seit Anfang des Jahres steht das grüne Wachhäuschen vor der katholischen Kirche in unserer Nachbarschaft. Aus dem geöffneten Fenster ragen oft Füße nach draußen in die brennende Mittagssonne. Drinnen sitzt der Wachmann, der mit Stock und altem Gewehr Sicherheit gewähren soll.

Markus Lesinski

Markus Lesinski ist Auslandspfarrer in Nordindien, Nepal und Bangladesch. Wer das Altersheim-Projekt unterstützen möchte, kann ihn kontaktieren auf evangdelhi.de.
Privat
Seit der Jahreswende gibt es in Indien zunehmend Übergriffe auf Kirchen und christliche Einrichtungen. Die – meist unerkannt gebliebenen – Täter haben nicht nur gebrandschatzt, Dinge zerstört und gestohlen. Erschreckender Höhepunkt war im März die Gruppenvergewaltigung einer 75-jährigen römisch-katholischen Nonne in Kalkutta. Die meisten dieser Taten wurden bislang nicht aufgeklärt. Zu ineffizient und korrupt sind Strafverfolgungsbehörden und Politik. Möglicherweise steht auch organisierter Terror hinter den Aktionen.

Polizei und Militär zum Schutz von Christen

Seit dem Regierungswechsel 2014 erstarken hindu-nationalistische und -religiöse Kräfte im Windschatten der Politik von Premier Narendra Modi und seiner hindu-nationalistischen Partei. Unter den ethnischen, sozialen und religiösen Minderheiten nimmt die Unsicherheit zu – von den fast 1,3 Milliarden Menschen in Indien sind etwa 15 Prozent Muslime und 2 ­Prozent Christen. Immerhin: Premierminis­ter Modi sagte Anfang 2015 in einem Gespräch mit den obersten Repräsentanten der christlichen Kirchen in Indien nicht nur Aufklärung zu, sondern auch, dass christliche Einrichtungen unter seinem Schutz stünden und durch Militär und Polizei be-
wacht würden.

Seitdem gibt es das grüne Häuschen vor der Kirche St. Dominics in Neu Delhis Stadtteil Vasant Vihar. Wir
deutschsprachigen Protestanten und Katholiken kennen diese gut. Unsere Gemeindewohnungen, in denen wir auch Gottesdienste feiern, stehen in der Nähe. Wir haben keine eigenen Kirchen. Unsere ökumenische Christmette feierten wir bisher in St. Dominics. Bislang ist weder dort noch bei uns etwas passiert. Wer weiß, ob es so bleibt. Richtig sicher macht einen der Anblick sonnenhungriger Füße im Wachhäuschen nicht unbedingt.
 

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