Auslandspfarrerin über Terror in Ägypten

Bombe in der Nachbarschaft
Bomb at Italian consulate in Cairo

Foto: laif / Amr Sayed /Polaris

Italienisches Konsulat in Kairo nach dem Anschlag

Nadia El Karsheh mit einer E-Mail aus Ägypten

Wir hatten Ägypten gerade für den Sommerurlaub verlassen, als uns am 11. Juli eine Whatsapp-Nachricht erreichte. ­Unsere Kirchenvorsteherin schrieb aus Kairo:

7.38 Uhr: „Guten Morgen, es hat heute einen Bombenanschlag auf das italieni­sche Konsulat gegeben. Ich versuche zu prüfen, ob die Kirche beschädigt wurde.“

Das italienische Konsulat in Kairo liegt nur ein paar Häuser von unserer evangelischen Kirche entfernt, es ist eine sehr belebte Gegend. Wir schrieben zurück:

8.01 Uhr: „Wie schrecklich! Gibt es Tote und Verletzte? Melde dich bitte wieder!“

Antwort, 8.03 Uhr: „Bisher habe ich keine Nachrichten zu Personen, aber im Internet gibt es ein Foto. Hier der Link. LG“

8.06 Uhr, wir schreiben: „Meine Güte, das Konsulat sieht übel aus! Es scheint noch zu gefährlich, hinzufahren. Es kann immer noch eine zweite Bombe geben.“

Antwort, 8.12 Uhr: „Ich fahre in zwei Stunden vorbei, sage dann Bescheid.“

Bombenexplosionen sorgen selten für Aufregung

Nadia El Karsheh

Nadia El Karsheh ist Pfarrerin der Deutsch­sprachigen Evangelischen Gemeinde in Kairo.  
Foto: PrivatNadia El Karsheh
Die Lage in Ägypten hat sich im Vergleich zu den Jahren der Großdemons­trationen einigermaßen entspannt. Doch obwohl die Regierung durch repressive Maßnahmen für Ruhe sorgt, verüben Regimegegner und Terroristen immer wieder Anschläge. Den Alltag der Leute im riesigen Stadtgebiet scheint das eher wenig zu beeinflussen. Insgesamt sorgen die Nachrichten über kleinere Bomben­explosionen selten für Aufregung. Zu dem Anschlag auf das italienische Konsulat bekannte sich am folgenden Tag eine Gruppe des Terrornetzwerkes „Islamischer Staat“. Wir erfuhren später, dass eine Person getötet wurde.

Ob wir uns jetzt mit mehr Angst in der Stadt bewegen, wird sich erst noch zeigen. Im Moment sind wir mit den praktischen Folgen des Anschlags beschäftigt. Durch die Druckwelle sind viele der historischen Fenster in Kirchenraum und Kellergeschoss zerbrochen und einige aus dem Rahmen gedrückt worden. Sie konnten notdürftig gesichert werden. Nun suchen wir einen Spezialisten für Bleiglasfenster und versuchen, die Mittel für die Restaurierung zusammenzubekommen. Da sind wir übrigens für jede Hilfe dankbar.
 

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